Beim Telekommunikationsanbieter 1&1 Versatel steht ein tiefgreifender Umbau bevor. Die Zahl der Vollzeitstellen soll bundesweit von derzeit rund 1.350 auf etwa 1.000 sinken. Damit fallen rechnerisch ungefähr 350 Arbeitsplätze und mehr als ein Viertel der bisherigen Stellen weg. Für die Beschäftigten an den ostdeutschen Standorten in Berlin und Dresden bleibt jedoch eine entscheidende Frage unbeantwortet: Wie stark sind sie von dem Abbau betroffen?
Das Unternehmen hat bislang keine Zahlen für einzelne Niederlassungen veröffentlicht. Fest steht lediglich, dass 1&1 Versatel sowohl in Berlin als auch in Dresden vertreten ist. Ob und wie viele Arbeitsplätze dort gestrichen werden, geht aus der Mitteilung zum Umbau nicht hervor.
Auch Standortschließungen wurden bisher nicht angekündigt. Eine Entwarnung für Berlin und Dresden lässt sich daraus allerdings ebenso wenig ableiten. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen stehen erst am Anfang.
1&1 Versatel will Hierarchien und Strukturen abbauen
1&1 begründet die Einschnitte mit einer umfassenden Neuordnung des Geschäftskundenbereichs. Führungsstrukturen sollen vereinfacht, Hierarchieebenen gestrichen und Arbeitsabläufe beschleunigt werden. Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit von 1&1 Versatel dauerhaft zu verbessern.
Der Stellenabbau soll nach Angaben des Unternehmens sozialverträglich erfolgen. Geplant ist unter anderem ein freiwilliges Ausscheidungsprogramm. Zusätzlich sollen bereits bestehende Möglichkeiten zur Altersteilzeit genutzt werden. Über die konkrete Ausgestaltung verhandelt die Unternehmensleitung mit den Arbeitnehmervertretungen.
Für das Programm rechnet 1&1 im laufenden Jahr mit einmaligen Kosten von rund 60 Millionen Euro. Ab 2028 soll der Umbau jährlich etwa 25 Millionen Euro zum Ergebnis beitragen.
Berlin und Dresden gehören zum Standortnetz
Für Ostdeutschland ist der angekündigte Stellenabbau relevant, weil 1&1 Versatel Niederlassungen in Berlin und Dresden unterhält. Welche Aufgaben dort angesiedelt sind und ob einzelne Bereiche verkleinert oder zusammengelegt werden sollen, teilte das Unternehmen nicht mit.
Damit bleibt vorerst offen, ob der Personalabbau gleichmäßig auf mehrere Niederlassungen verteilt wird oder bestimmte Standorte besonders stark trifft. Ebenfalls unbeantwortet ist, wie viele Beschäftigte gegenwärtig in Berlin und Dresden arbeiten.
Gerade für Dresden wäre ein größerer Stellenabbau ein weiteres schwieriges Signal. Die sächsische Landeshauptstadt gilt zwar als wachsender Technologie- und Digitalstandort, ist aber zugleich von Umbrüchen in mehreren Industrie- und Dienstleistungsbereichen betroffen. In Berlin wiederum wäre der Abbau Teil einer Entwicklung, bei der auch große Technologieunternehmen ihre Kosten, Strukturen und Personalbestände überprüfen.
Insgesamt rund 800 Stellen im Konzern betroffen
Der Umbau beschränkt sich nicht auf 1&1 Versatel. Auch die United-Internet-Tochter Ionos plant einen deutlichen Personalabbau. Dort soll die Zahl der Vollzeitstellen von rund 3.800 auf etwa 3.350 sinken. Das entspricht ungefähr 450 Stellen.
Nach Angaben des Konzerns entfällt etwa die Hälfte dieses Abbaus auf Deutschland, die andere Hälfte auf ausländische Standorte. Zusammen sollen bei 1&1 Versatel und Ionos somit rund 800 Arbeitsplätze wegfallen.
Für beide Programme erwartet United Internet einmalige Aufwendungen von insgesamt etwa 95 Millionen Euro. Nach Abschluss des Umbaus sollen die Maßnahmen jährlich rund 55 Millionen Euro zum Ergebnis beitragen.
Glasfaserausbau bleibt ein wichtiges Geschäft
1&1 Versatel betreibt nach eigenen Angaben ein Glasfasernetz mit einer Länge von mehr als 70.000 Kilometern. Das Unternehmen ist in mehr als 350 deutschen Städten vertreten und versorgt vor allem Geschäftskunden, Behörden und andere Telekommunikationsanbieter.
Auch in Ostdeutschland ist eine leistungsfähige digitale Infrastruktur für Unternehmen, Kommunen und öffentliche Einrichtungen von großer Bedeutung. Ob sich der Personalabbau auf Ausbauvorhaben, Kundenservice oder regionale Investitionen auswirkt, ist bislang nicht bekannt.
Das Unternehmen stellt den Umbau als Voraussetzung für schnellere Entscheidungen und effizientere Abläufe dar. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, wird sich jedoch erst nach Abschluss der Neuordnung zeigen.
Entscheidende Zahlen für Ostdeutschland fehlen
Für eine abschließende Bewertung des Stellenabbaus fehlen bislang die regionalen Angaben. 1&1 Versatel müsste offenlegen, wie viele Menschen an den Standorten Berlin und Dresden beschäftigt sind, welche Unternehmensbereiche dort betroffen sein könnten und ob Verlagerungen geplant sind.
Bis dahin gilt: Die angekündigten 350 Stellen betreffen 1&1 Versatel bundesweit. Ein konkreter Stellenabbau in Berlin oder Dresden ist bislang weder beziffert noch bestätigt. Die beiden ostdeutschen Niederlassungen stehen dennoch unter besonderer Beobachtung, solange das Unternehmen keine Standortgarantien veröffentlicht.
Quelle: 1&1 Versatel, Unternehmensmitteilung vom 10. September 2026; United Internet SE, Ad-hoc-Mitteilung vom 10. September 2026, berichtigt am 11. September 2026; offizielle Standortangaben von 1&1 Versatel