Die neue Eskalation im Nahen Osten erreicht die Tankstellen in Ostdeutschland. Nach Angriffen der Huthi-Miliz auf saudische Energieanlagen und wachsenden Sorgen um wichtige Transportwege stiegen die Ölpreise deutlich. Am Samstag kostete Diesel bundesweit im Durchschnitt rund 2,37 Euro je Liter. In Berlin wurden etwa 2,38 Euro und in Leipzig zeitweise rund 2,36 Euro verlangt.
An einzelnen Tankstellen sprang der Dieselpreis zur Mittagszeit innerhalb kurzer Zeit um bis zu 20 Cent. Dabei handelt es sich nicht um einen flächendeckenden und dauerhaften Aufschlag. Der Sprung zeigt jedoch, wie nervös der Kraftstoffmarkt inzwischen auf neue Meldungen aus dem Nahen Osten reagiert.
Diesel kostet deutlich mehr als im August
Im August hatte ein Liter Diesel nach Angaben des ADAC durchschnittlich 2,223 Euro gekostet. Der aktuelle Wert liegt damit rund 15 Cent höher. Eine Tankfüllung mit 50 Litern verteuert sich gegenüber dem Augustdurchschnitt um mehr als sieben Euro.
Steigt der Literpreis innerhalb eines Tages um 20 Cent, kostet dieselbe Tankfüllung zehn Euro mehr. Für Haushalte, die mehrfach im Monat tanken müssen, summiert sich die zusätzliche Belastung schnell.
Auslöser der jüngsten Unruhe sind Angriffe auf Energieanlagen und die unsichere Lage rund um wichtige Schifffahrtswege. Die Nordseesorte Brent stieg zeitweise auf mehr als 100 Dollar je Barrel. Händler rechnen bei einer weiteren Eskalation mit möglichen Lieferausfällen und schlagen dieses Risiko auf die Preise auf.
Pendler im ländlichen Osten besonders betroffen
Die hohen Dieselpreise treffen Ostdeutschland nicht überall gleich. In Berlin, Leipzig oder Dresden bestehen häufig Alternativen zum Auto. In ländlichen Gebieten der Lausitz, der Altmark, der Uckermark, Vorpommerns oder des Thüringer Waldes sind viele Beschäftigte dagegen auf den eigenen Wagen angewiesen.
Lange Wege zum Arbeitsplatz, zum Arzt oder zum Einkauf lassen sich dort kaum kurzfristig vermeiden. Busse und Bahnen fahren vielerorts nur in größeren Abständen. Wer im Schichtdienst arbeitet oder mehrere Orte am Tag erreichen muss, kann häufig nicht auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen.
Besonders belastet werden auch Pflegedienste, Handwerksbetriebe, Landwirtschaft und regionale Lieferunternehmen. Verbraucht ein Betrieb monatlich 1.000 Liter Diesel, bedeuten 20 Cent mehr je Liter zusätzliche Kosten von 200 Euro. Bleiben die Preise länger hoch, können solche Belastungen über Fahrtkosten, Lieferzuschläge oder höhere Warenpreise bei den Kunden ankommen.
Preissprung um 12 Uhr hat weiteren Grund
Der starke Anstieg zur Mittagszeit hängt nicht allein mit dem Ölmarkt zusammen. Seit April dürfen Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich erhöhen. Der festgelegte Zeitpunkt ist 12 Uhr. Preissenkungen sind anschließend weiterhin möglich.
Die Regel sollte den Markt übersichtlicher machen. Sie führt jedoch dazu, dass sich notwendige oder vorsorgliche Preisaufschläge auf einen einzigen Zeitpunkt konzentrieren. Dadurch können die Anzeigen an den Tankstellen mittags besonders stark nach oben springen.
Ein Aufschlag von 20 Cent bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Diesel gegenüber dem Vortag dauerhaft um diesen Betrag teurer bleibt. Im Laufe des Tages können die Preise wieder sinken. Entscheidend sind der Standort, die Tankstelle und die Uhrzeit.
Preisvergleich kann mehrere Euro sparen
Autofahrer sollten die Preise vor dem Tanken vergleichen. Besonders teuer sind häufig Tankstellen an Autobahnen und stark befahrenen Hauptstrecken. Ein größerer Umweg zu einer billigeren Zapfsäule lohnt sich allerdings nur, wenn die Ersparnis den zusätzlichen Verbrauch übersteigt.
Wegen der geltenden Preisregel kann es günstiger sein, kurz vor 12 Uhr zu tanken. Auch am späteren Abend sinken die Preise an vielen Stationen wieder. Bei einer Differenz von zehn Cent spart eine Tankfüllung mit 50 Litern bereits fünf Euro.
Wie sich die Preise in den kommenden Tagen entwickeln, hängt vor allem von der Lage im Nahen Osten und vom Rohölmarkt ab. Weitere Angriffe auf Förderanlagen, Pipelines oder Tanker könnten die Versorgungssorgen verstärken. Entspannt sich die Lage, müssen sinkende Ölpreise jedoch nicht sofort vollständig an den Zapfsäulen ankommen.
Für viele Menschen im Osten ist der Dieselpreis deshalb mehr als eine Zahl an der Tankstelle. Wo Arbeitsplätze, Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten weit auseinanderliegen, wird jeder zusätzliche Cent unmittelbar im Haushaltsbudget spürbar.
Quelle: ADAC, Kraftstoffpreisentwicklung und Tankstellen-Preissuche, Stand 12. September 2026; Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt; Rohöl-Handelsdaten, Stand 11. September 2026