2.800 Soldaten üben in Polen für möglichen Einsatz in der Ukraine
Frankreich und Großbritannien bereiten mit europäischen Partnern einen möglichen Militäreinsatz in der Ukraine nach einem Waffenstillstand vor. Vom 9. bis 22. November üben rund 2.800 Soldaten in Polen. Auch die Bundeswehr beteiligt sich. Russland lehnt die Stationierung westlicher Truppen in der Ukraine weiterhin ab.
Warschau. Rund 2.800 Soldaten aus elf europäischen Staaten beteiligen sich vom 9. bis 22. November 2026 an einer multinationalen Militärübung zur Unterstützung der Ukraine. Das Manöver mit dem Namen „Koalicja 26.2“ findet überwiegend im Südosten Polens statt und wird von Frankreich und Großbritannien geleitet. Erstmals soll dabei praktisch erprobt werden, wie eine gemeinsame europäische Streitmacht nach dem Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine eingesetzt werden könnte. Auch Deutschland beteiligt sich an den Vorbereitungen.
Die Übung wurde am Dienstag, dem 3. November, von den Verteidigungsministerien in London, Paris und Warschau angekündigt. Sie ist Teil der Vorbereitungen der sogenannten Koalition der Willigen, die der Ukraine nach einem möglichen Friedensabkommen langfristige Sicherheitsunterstützung anbieten möchte.
Frankreich stellt mit 1.100 Soldaten das größte Kontingent
Den größten Anteil der Übungsteilnehmer stellt Frankreich mit rund 1.100 Soldaten. Großbritannien entsendet etwa 300 Militärangehörige. Weitere Kräfte kommen aus Belgien, Estland, Deutschland, Litauen, den Niederlanden, Polen, Spanien und Schweden.
Die Türkei beteiligt sich mit einer gesonderten maritimen Übung, die von Istanbul aus koordiniert wird. Insgesamt wirken damit elf Länder an dem multinationalen Manöver mit.
Schwerpunkt der Landoperationen ist das Gebiet um Nowa Dęba, rund 100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.
Dort sollen die beteiligten Einheiten unter anderem üben, wie Soldaten und militärisches Material innerhalb kurzer Zeit verlegt werden können. Auch die Versorgung der Truppen mit Treibstoff, Lebensmitteln und medizinischer Betreuung gehört zu den vorgesehenen Aufgaben.
Neben den Landstreitkräften werden Luftwaffeneinheiten eingesetzt. Die Übung umfasst außerdem die Zusammenarbeit verschiedener nationaler Führungsstäbe.
Bundeswehr beteiligt sich mit Stabsoffizieren und Luftunterstützung
Deutschland ist ebenfalls an der Vorbereitung der multinationalen Streitmacht beteiligt.
Nach den bisherigen Angaben soll die Bundeswehr rund zehn Stabsoffiziere entsenden. Darüber hinaus sind Tankflugzeuge und logistische Unterstützungsleistungen vorgesehen.
Eine größere deutsche Kampftruppe für das Manöver wurde bislang nicht angekündigt.
Die Beteiligung ist Teil der deutschen Unterstützung für die Ukraine und der Zusammenarbeit mit europäischen Partnerstaaten.
Die multinationalen Streitkräfte werden unter der Bezeichnung „Multinational Force Ukraine“ (MNF-U) aufgebaut. Sie sollen nach einem möglichen Ende der Kampfhandlungen dazu beitragen, die ukrainischen Streitkräfte zu stärken und die Sicherheit des Landes langfristig zu unterstützen.
Die Truppe ist keine eigenständige NATO-Mission. Ihre Organisation erfolgt im Rahmen der Koalition der Willigen, der sich zahlreiche europäische und weitere Partnerstaaten angeschlossen haben.
Kampfjets sollen Sicherung des ukrainischen Luftraums üben
Ein Schwerpunkt des Manövers liegt auf der Luftunterstützung.
Großbritannien beteiligt sich unter anderem mit Eurofighter-Typhoon-Kampfflugzeugen und einem Tankflugzeug des Typs Voyager.
Die Piloten sollen erproben, wie militärische Luftstreitkräfte nach einer möglichen Wiederöffnung des ukrainischen Luftraums zur Sicherheit des zivilen Flugverkehrs beitragen könnten.
Zugleich geht es darum, unterschiedliche nationale Luftwaffeneinheiten miteinander zu koordinieren.
Parallel dazu plant die Türkei eine maritime Simulation. Dabei sollen mögliche Einsätze zur Räumung von Seeminen im Schwarzen Meer vorbereitet werden.
Ein solcher Einsatz könnte nach Kriegsende dazu beitragen, ukrainische Häfen wieder sicherer für den internationalen Schiffsverkehr zugänglich zu machen.
Europäische Streitmacht soll nach Waffenstillstand bereitstehen
Die Vorbereitungen beruhen auf einer Initiative Frankreichs und Großbritanniens. Beide Staaten treiben seit 2025 die Aufstellung einer multinationalen Truppe voran, die nach dem Ende der Kampfhandlungen eine Rolle bei der Sicherung der Ukraine übernehmen könnte.
Ein gemeinsames militärisches Hauptquartier besteht bereits in Paris.
Der französische General Armel Dirou und der britische Generalleutnant Tom Bateman werden die Übung in Polen gemeinsam leiten.
Dabei soll insbesondere überprüft werden, ob die beteiligten Staaten ihre Einheiten schnell genug zusammenführen und versorgen können.
Die geplante Streitmacht soll ukrainische Soldaten ausbilden, beim Wiederaufbau militärischer Fähigkeiten helfen und durch ihre Präsenz das Risiko erneuter russischer Angriffe verringern.
Eine klassische Friedensmission zur Überwachung einer Waffenstillstandslinie ist nach den derzeitigen Planungen nicht vorgesehen.
Russland lehnt westliche Truppen in der Ukraine ab
Ob die multinationale Streitmacht jemals tatsächlich in der Ukraine stationiert wird, ist weiterhin offen.
Voraussetzung wäre zunächst eine Vereinbarung über die Einstellung der Kampfhandlungen. Ein entsprechendes Abkommen zwischen Russland und der Ukraine liegt bislang nicht vor.
Moskau hat wiederholt erklärt, dass es die Stationierung westlicher Soldaten auf ukrainischem Staatsgebiet ablehnt. Russische Regierungsvertreter bezeichneten solche Truppen in der Vergangenheit als mögliche militärische Ziele.
Damit stellt sich für die beteiligten europäischen Staaten auch die Frage, wie ihre Soldaten im Falle einer erneuten Eskalation geschützt werden könnten.
Offen ist zudem, welche konkreten Aufgaben die Streitmacht übernehmen würde und unter welchen Bedingungen sie militärische Gewalt einsetzen dürfte.
Auch innerhalb Europas bestehen unterschiedliche Vorstellungen darüber, ob Soldaten direkt in der Ukraine oder zunächst auf dem Gebiet benachbarter NATO-Staaten stationiert werden sollten.
Polen übernimmt wichtige logistische Aufgaben
Polen spielt bei der Vorbereitung der multinationalen Truppe eine besondere Rolle.
Das Land stellt nicht nur Übungsplätze zur Verfügung, sondern soll auch die Verlegung und Versorgung der beteiligten Streitkräfte unterstützen.
Nach Angaben des polnischen Verteidigungsministeriums übernehmen polnische Einheiten unter anderem Aufgaben bei der Unterbringung, medizinischen Versorgung und Bereitstellung militärischer Infrastruktur.
Polen hat zugleich deutlich gemacht, dass es nach den bisherigen Planungen keine eigenen Soldaten auf ukrainisches Staatsgebiet entsenden will.
Seine Rolle soll sich vor allem auf logistische Unterstützung und die Bereitstellung von Infrastruktur konzentrieren.
Aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zur Ukraine wäre Polen bei einem späteren Einsatz ein wichtiger Ausgangspunkt für die Versorgung internationaler Truppen.
Entscheidung über Einsatz weiterhin offen
Mit der Übung im November wollen die beteiligten Staaten zeigen, dass ihre Vorbereitungen über politische Absichtserklärungen hinausgehen.
Das Manöver soll konkrete Erkenntnisse darüber liefern, wie schnell militärische Kräfte verlegt, versorgt und unter gemeinsamer Führung eingesetzt werden können.
Eine Entscheidung über die tatsächliche Entsendung der multinationalen Streitmacht in die Ukraine ist damit allerdings nicht verbunden.
Dafür müssten zunächst die politischen, rechtlichen und militärischen Voraussetzungen geklärt werden.
Bis dahin bleibt die Übung in Polen eine Vorbereitung auf einen möglichen Einsatz nach dem Ende der Kampfhandlungen. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine dauert unterdessen weiter an.