Schwere Vorwürfe gegen Netanjahu

Tucker Carlson warnt vor möglichem US-Atomschlag gegen Iran – Trump widersprach noch im Oktober

Warnung vor nuklearer Eskalation

Von Sebastian Krüger 7 Min. Lesezeit

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Tucker Carlson
Tucker Carlson Foto: wikipedia

Washington/Teheran. Der US-amerikanische Kommentator Tucker Carlson warnt vor einer dramatischen Eskalation des Iran-Konflikts. In einer am Montag, 2. November 2026, veröffentlichten Erklärung behauptet der ehemalige Fox-News-Moderator, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dränge US-Präsident Donald Trump zum Einsatz einer Atomwaffe gegen eine unterirdische iranische Nuklearanlage. Eine entsprechende Entscheidung könnte nach Carlsons Darstellung bereits bis zum 7. November fallen. Unabhängige Belege für diese Behauptung liegen bislang nicht vor.

Brisant ist die Warnung dennoch: Trump hatte Mitte Oktober selbst öffentlich erklärt, dass die Vereinigten Staaten einen weiteren Angriff auf iranische Nuklearanlagen erwägen. Den Einsatz von Atomwaffen schloss er damals allerdings ausdrücklich aus.

Carlson erhebt schwere Vorwürfe gegen Netanjahu

In einer ausführlichen Veröffentlichung auf der Plattform X behauptet Tucker Carlson, die amerikanische Regierung stehe unter erheblichem Druck der israelischen Führung.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wolle demnach einen erneuten massiven Militärschlag gegen Iran erreichen. Dabei gehe es nicht um einen gewöhnlichen Angriff mit konventionellen Waffen, sondern um den möglichen Einsatz einer amerikanischen Atomwaffe.

Carlson beruft sich auf nicht namentlich genannte Informanten. Einer seiner Gesprächspartner habe behauptet, Netanjahu telefoniere täglich mit Trump, um ihn von einem solchen Vorgehen zu überzeugen.

Eine unabhängige Bestätigung für diese angeblichen Gespräche gibt es bislang nicht.

Auch Carlsons Darstellung, wonach Teile der amerikanischen Sicherheitsführung auf einen militärischen Angriff drängten, ist nicht belegt.

Der Kommentator nennt unter anderem Verteidigungsminister Pete Hegseth, Außenminister Marco Rubio und CIA-Direktor John Ratcliffe im Zusammenhang mit der internen Auseinandersetzung über das weitere Vorgehen.

Damit erhebt Carlson Vorwürfe von erheblicher außenpolitischer Tragweite. Ob sie auf tatsächlichen internen Gesprächen beruhen, lässt sich derzeit nicht überprüfen.

Pickaxe Mountain: Eine unterirdische Anlage im Mittelpunkt

Als mögliches Angriffsziel nennt Carlson den unter dem Namen Pickaxe Mountain bekannten Anlagenkomplex in Zentraliran.

Die Anlage befindet sich in der Nähe des iranischen Nuklearstandorts Natanz. Sie gilt als besonders stark befestigt, weil Teile der Infrastruktur tief unter einer Gebirgsformation angelegt wurden.

Nach Carlsons Darstellung vermuten israelische Geheimdienste, dass Iran dort erneut an der Urananreicherung arbeitet.

Er behauptet außerdem, die unterirdischen Bereiche seien durch etwa 90 Meter massives Gestein geschützt. Konventionelle amerikanische Waffen könnten die mutmaßlichen Anreicherungsanlagen deshalb nicht zuverlässig zerstören.

Daraus leitet Carlson seine Warnung vor einem möglichen Einsatz von Atomwaffen ab.

Diese Schlussfolgerung ist jedoch umstritten und nicht unabhängig bestätigt. Weder die tatsächliche Tiefe sämtlicher unterirdischer Bereiche noch ihre aktuelle Nutzung und militärische Verwundbarkeit sind öffentlich vollständig geklärt.

Auch die Behauptung, ein Atomschlag sei die einzige militärische Möglichkeit, die Anlage zu zerstören, lässt sich aus den verfügbaren Informationen nicht ableiten.

Trump hatte Angriff erwogen, Atomwaffen aber ausgeschlossen

Eine wichtige Grundlage der aktuellen Debatte sind Aussagen des US-Präsidenten vom 15. Oktober.

In einem Interview mit dem amerikanischen Nachrichtensender Newsmax bestätigte Trump, dass seine Regierung Pickaxe Mountain als mögliches Angriffsziel betrachtet.

Die Vereinigten Staaten wollten verhindern, dass Iran jemals eine einsatzfähige Atomwaffe erhalte.

Trump erklärte, die iranische Nuklearinfrastruktur befinde sich teilweise unter gewaltigen Gesteinsmassen. Die USA könnten deshalb gezwungen sein, auch die Anlage Pickaxe Mountain anzugreifen.

Gleichzeitig widersprach der Präsident ausdrücklich der Vorstellung, hierfür Atomwaffen einsetzen zu müssen.

Auf eine entsprechende Nachfrage sagte er:

„No, I wouldn't use nuclear. We don't have to.“

Auf Deutsch: Nein, er würde keine Atomwaffen einsetzen. Das sei nicht notwendig.

Trump bezog sich dabei auch auf die sogenannte Mother of All Bombs, eine besonders große konventionelle Fliegerbombe.

Er stellte klar, dass diese Waffe trotz ihrer erheblichen Sprengkraft keine Atomwaffe sei.

Damit stehen die öffentlichen Aussagen des Präsidenten im Widerspruch zu Carlsons Warnung vor einem unmittelbar bevorstehenden nuklearen Angriff.

Ob sich die internen Überlegungen der amerikanischen Regierung seit dem Interview verändert haben, ist öffentlich nicht bekannt.

Entscheidung angeblich bis zum 7. November

Besondere Aufmerksamkeit erregt ein konkretes Datum, das Carlson in seiner Veröffentlichung nennt.

Nach seinen Angaben könnte Trump spätestens am kommenden Wochenende entscheiden, ob die Vereinigten Staaten Atomwaffen gegen Iran einsetzen.

Carlson nennt ausdrücklich den 7. November 2026.

Auch diese Terminangabe beruht auf seinen eigenen, nicht unabhängig überprüften Informationen.

Ein offizieller Zeitplan der amerikanischen Regierung für eine solche Entscheidung ist nicht bekannt.

Carlson erklärt zugleich, Trump zögere noch.

Nach seiner Darstellung setzen sich Vizepräsident JD Vance und der amerikanische Sondergesandte Steve Witkoff für eine diplomatische Lösung ein.

Beide sollen den Präsidenten davon überzeugen wollen, dass eine Vereinbarung mit Teheran weiterhin möglich sei.

Eine unabhängige Bestätigung dieser angeblichen internen Positionen im Zusammenhang mit einem möglichen Atomwaffeneinsatz liegt bislang nicht vor.

Warnung vor radioaktiver Belastung am Persischen Golf

Carlson begründet seine Warnung nicht allein mit den unmittelbaren Folgen eines Angriffs auf Iran.

Er verweist auch auf mögliche Auswirkungen für die Nachbarstaaten.

Ein nuklearer Angriff auf eine unterirdische Anlage könnte radioaktive Stoffe freisetzen. Abhängig von Sprengkraft, Explosionsort und Wetterbedingungen könnten diese über größere Entfernungen transportiert werden.

Carlson warnt insbesondere vor einer möglichen radioaktiven Belastung am Persischen Golf.

Dort sind mehrere Staaten für ihre Trinkwasserversorgung stark auf Meerwasserentsalzungsanlagen angewiesen.

Er behauptet, die Wasserversorgung von bis zu 100 Millionen Menschen könnte gefährdet werden.

Diese Zahl ist allerdings kein unabhängig bestätigtes Ergebnis einer konkreten Folgenabschätzung für den beschriebenen Angriff.

Die tatsächlichen Auswirkungen eines Atomwaffeneinsatzes würden von zahlreichen Faktoren abhängen. Dazu gehören insbesondere Art und Stärke der Waffe, die Tiefe der Explosion und die meteorologischen Bedingungen.

Unbestritten ist, dass ein Atomwaffeneinsatz erhebliche humanitäre, ökologische und politische Risiken mit sich bringen würde.

Carlson befürchtet eine weltweite nukleare Eskalation

Noch weiter geht der Kommentator bei seiner Einschätzung der internationalen Folgen.

Er warnt davor, dass ein amerikanischer Atomwaffeneinsatz gegen Iran andere Atommächte zu ähnlichen Schritten veranlassen könnte.

Insbesondere nennt er Russland, Pakistan, Indien und Nordkorea.

Nach Carlsons Darstellung könnte ein solcher Angriff die bisherige internationale Zurückhaltung gegenüber dem Einsatz von Kernwaffen durchbrechen.

Seit den amerikanischen Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 wurden keine Atomwaffen mehr in einem Krieg eingesetzt.

Carlson befürchtet, dass ein erneuter Einsatz eine gefährliche Kettenreaktion auslösen könnte.

Seine Aussage, ein Dritter Weltkrieg wäre anschließend unvermeidlich, ist jedoch eine politische Warnung und keine gesicherte Prognose.

Wie andere Staaten auf einen möglichen amerikanischen Atomschlag reagieren würden, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.

Warum die amerikanische Iran-Politik unter Druck steht

Der Hintergrund der Auseinandersetzung ist der seit Februar 2026 andauernde Krieg zwischen Iran sowie den Vereinigten Staaten und Israel.

Die militärischen Auseinandersetzungen haben die regionale Sicherheitslage erheblich verändert.

Gleichzeitig bleibt die Frage nach der Zukunft des iranischen Atomprogramms ungelöst.

Washington und Jerusalem wollen verhindern, dass Teheran Kernwaffen entwickelt.

Iran bestreitet seit Jahren, ein militärisches Atomprogramm anzustreben, während westliche Regierungen und die Internationale Atomenergie-Organisation wiederholt Fragen zur Transparenz und zum Umfang iranischer Nuklearaktivitäten aufgeworfen haben.

Nach den bisherigen Angriffen besteht zudem Unsicherheit darüber, welche technischen Fähigkeiten Iran noch besitzt und ob die Führung versucht, beschädigte Anlagen wiederherzustellen oder ihre Aktivitäten an andere Standorte zu verlagern.

In dieser Situation gewinnt Pickaxe Mountain an strategischer Bedeutung.

Ein erneuter konventioneller Angriff, diplomatische Verhandlungen oder eine weitere militärische Eskalation wären allerdings sehr unterschiedliche Entscheidungen mit jeweils eigenen Konsequenzen.

Dass militärische Optionen diskutiert werden, ist nicht gleichbedeutend mit einer Entscheidung für den Einsatz von Atomwaffen.

Was an Carlsons Behauptungen bislang belegt ist

Die Veröffentlichung des Kommentators hat international Aufmerksamkeit ausgelöst.

Seine Aussagen wurden unter anderem von der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, israelischen Medien und verschiedenen amerikanischen Nachrichtenportalen aufgegriffen.

Die Berichte bestätigen jedoch in erster Linie, dass Carlson die entsprechenden Vorwürfe erhoben hat.

Sie liefern keinen unabhängigen Nachweis dafür, dass Netanjahu tatsächlich einen amerikanischen Atomwaffeneinsatz fordert oder dass Trump einen solchen Angriff vorbereitet.

Bestätigt ist hingegen, dass Trump Mitte Oktober öffentlich über einen möglichen weiteren Militärschlag gegen Pickaxe Mountain gesprochen hat.

Ebenso dokumentiert ist seine damalige Ablehnung eines Atomwaffeneinsatzes.

Zwischen diesen beiden Tatsachen und der Behauptung eines unmittelbar bevorstehenden nuklearen Angriffs besteht ein wesentlicher Unterschied.

Zwischen militärischer Drohung und diplomatischer Lösung

Carlsons Warnung macht deutlich, wie angespannt die internationale Debatte über das weitere Vorgehen gegen Iran inzwischen ist.

Sollten die Vereinigten Staaten einen erneuten Angriff auf iranische Nuklearanlagen vorbereiten, könnte dies erhebliche Folgen für die gesamte Region haben.

Ein tatsächlicher Atomwaffeneinsatz würde darüber hinaus eine historische Zäsur darstellen.

Gerade deshalb müssen entsprechende Behauptungen besonders sorgfältig überprüft werden.

Bislang gibt es keine öffentlich bestätigte Entscheidung Washingtons, eine Atomwaffe gegen Iran einzusetzen.

Ebenso wenig ist belegt, dass der 7. November eine verbindliche Entscheidungsfrist darstellt.

Carlsons Veröffentlichung ist somit eine ernst zu nehmende politische Warnung, aber kein Nachweis für konkrete nukleare Angriffspläne.

Fest steht: Trump hat einen weiteren Angriff auf iranische Nuklearanlagen öffentlich in Betracht gezogen. Den Einsatz von Atomwaffen hat er dagegen ausdrücklich ausgeschlossen. Ob sich daran etwas geändert hat, bleibt offen.

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