Vor bundesweiten Jugenddemonstrationen wächst die Sorge vor Ausschreitungen

Bundeswehr gegen Schülerproteste in Berlin? Forderung der Jungen Union sorgt für Aufsehen

Streit um Bundeswehreinsatz eskaliert

Von Sebastian Krüger 7 Min. Lesezeit

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Vor den für den 31. Oktober 2026 angekündigten Jugendprotesten fordert die Junge Union Berlin-Mitte einen vorsorglichen Bundeswehreinsatz. Eine entsprechende staatliche Entscheidung liegt nicht vor.
Vor den für den 31. Oktober 2026 angekündigten Jugendprotesten fordert die Junge Union Berlin-Mitte einen vorsorglichen Bundeswehreinsatz. Eine entsprechende staatliche Entscheidung liegt nicht vor. Foto: Filip Andrejevic

Berlin. Eine Forderung der Jungen Union Berlin-Mitte sorgt wenige Tage vor bundesweiten Jugendprotesten für eine ungewöhnliche sicherheitspolitische Debatte. Der CDU-Nachwuchsverband verlangt, die Bundeswehr vorsorglich zur Absicherung der für Samstag, den 31. Oktober 2026, angekündigten Demonstrationen in Berlin einzusetzen. Zugleich fordert die Organisation, die Proteste zu unterbinden. Auf Instagram veröffentlichte sie dazu ein KI-generiertes Bild bewaffneter Soldaten vor einer Menschenmenge am Brandenburger Tor. Hintergrund sind Sorgen vor gewaltsamen Ausschreitungen wie zuletzt in Frankreich. Allerdings gibt es bislang keine bestätigte Entscheidung über einen Bundeswehreinsatz. Ein militärischer Einsatz gegen gewöhnliche Demonstrationen wäre mit den engen verfassungsrechtlichen Grenzen für Einsätze der Streitkräfte im Inland nicht vereinbar.

Junge Union fordert Soldaten gegen mögliche Ausschreitungen

Auslöser der Debatte ist ein Instagram-Beitrag der Jungen Union Berlin-Mitte vom Sonntag, dem 25. Oktober.

Darin fordert der Kreisverband einen vorsorglichen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung der öffentlichen Ordnung bei den angekündigten Jugendprotesten.

Der Verband begründet seinen Vorstoß mit der Sorge, dass sich gewaltsame Ausschreitungen aus Frankreich in Deutschland wiederholen könnten.

Dabei geht die Forderung über zusätzliche polizeiliche Sicherheitsmaßnahmen hinaus.

Die Junge Union möchte nach dem veröffentlichten Beitrag nicht nur Soldaten hinzuziehen, sondern die geplanten Protestveranstaltungen unterbinden.

Es handelt sich um die Forderung eines örtlichen Jugendverbandes, nicht um einen Beschluss der Bundesregierung oder der Berliner Sicherheitsbehörden.

Eine offizielle Anforderung der Bundeswehr für den 31. Oktober ist nicht bekannt.

KI-Bild zeigt bewaffnete Bundeswehrsoldaten am Brandenburger Tor

Besondere Aufmerksamkeit erhält die Forderung durch die bildliche Darstellung.

Die Junge Union Berlin-Mitte veröffentlichte ein mit künstlicher Intelligenz erzeugtes Motiv, auf dem zwei bewaffnete Bundeswehrsoldaten vor einer Menschenmenge am Brandenburger Tor stehen.

Der Beitrag wurde mit der deutschen Nationalhymne unterlegt.

Damit verbindet der Verband seine Forderung nach einem militärischen Einsatz mit einem der bekanntesten Symbole der deutschen Geschichte.

Das Bild dokumentiert allerdings keinen tatsächlichen Bundeswehreinsatz.

Es handelt sich um eine künstlich erstellte Darstellung eines hypothetischen Szenarios.

Gerade diese Unterscheidung ist wichtig, weil bislang ausschließlich über politische Forderungen und polizeiliche Vorbereitungen berichtet wird.

Bundesweite Jugenddemonstrationen für Halloween angekündigt

Am Samstag, dem 31. Oktober, ruft die Initiative „Gen Z steht auf“ in zahlreichen deutschen Städten zu Demonstrationen auf.

Nach Angaben der Organisatoren sind Veranstaltungen in insgesamt 23 Städten geplant.

Auch Berlin gehört zu den angekündigten Protestorten.

Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach bezahlbarem Leben, besseren Bildungschancen und einer stärkeren Berücksichtigung der Interessen junger Menschen.

Zudem richtet sich der Protest gegen eine mögliche Wehrpflicht.

Die Initiative möchte damit mehrere gesellschaftliche Themen aufgreifen, die insbesondere junge Menschen betreffen.

Die Veranstaltungen fallen mit der Halloween-Nacht zusammen.

Das stellt die Sicherheitsbehörden vor zusätzliche organisatorische Herausforderungen, weil in dieser Nacht unabhängig von den Demonstrationen vielerorts größere Menschenansammlungen erwartet werden.

Gewerkschaft der Polizei warnt vor möglicher Eskalation

Auch die Gewerkschaft der Polizei in Berlin betrachtet die angekündigten Veranstaltungen mit Sorge.

Ihr Landesvorsitzender Stephan Weh warnte vor der Möglichkeit, dass radikale Gruppen friedliche Proteste für gewaltsame Auseinandersetzungen nutzen könnten.

Dabei verwies die Gewerkschaft auf die Erfahrungen mit gewaltsamen Jugendprotesten in Frankreich.

Die Berliner Polizei bereitet sich auf unterschiedliche Einsatzszenarien vor.

Eine besondere Herausforderung besteht darin, friedliche Demonstranten zu schützen und zugleich mögliche Straftaten zu verhindern.

Die GdP betont ausdrücklich, dass junge Menschen ihre politischen Forderungen friedlich öffentlich vertreten können müssen.

Die Sorge richtet sich demnach vor allem gegen Personen, die solche Veranstaltungen möglicherweise für Gewalttaten ausnutzen wollen.

Aus den Warnungen lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die angekündigten Demonstrationen tatsächlich gewaltsam verlaufen werden.

Vorfall an Berliner Gymnasium verstärkt Befürchtungen

Ein Ereignis im Berliner Stadtteil Friedrichshain trägt zu den aktuellen Sorgen bei.

Bei einer früheren Schülerdemonstration am Andreas-Gymnasium stellte die Polizei fest, dass sich rund 50 Personen im Umfeld der Veranstaltung aufhielten, die nicht zur Schule gehörten.

Nach Angaben der Polizei verlief der eigentliche Schülerprotest friedlich.

In der Gruppe der schulfremden Personen kam es dagegen zu Rangeleien mit Polizeibeamten.

Außerdem wurde eine Anwohnerin verletzt.

Der Vorfall wird inzwischen als Beispiel dafür angeführt, wie sich unterschiedliche Gruppen im Umfeld politischer Veranstaltungen begegnen können.

Allerdings ist bislang nicht belegt, dass dieselben Personen an den Demonstrationen am 31. Oktober teilnehmen werden.

Ebenso wenig lässt sich aus einem einzelnen Vorfall auf den Verlauf sämtlicher angekündigter Proteste schließen.

Gewalt bei Demonstrationen in Frankreich als Hintergrund

Die Sorge der Berliner Sicherheitsbehörden steht auch im Zusammenhang mit schweren Ausschreitungen in Frankreich.

Dort protestierten Mitte Oktober zahlreiche Menschen gegen steigende Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungswesen sowie bei öffentlichen Dienstleistungen.

Bei einzelnen Veranstaltungen kam es zu massiver Gewalt.

Nach französischen Medienberichten wurden Geschäfte geplündert, Feuer gelegt und Polizeibeamte angegriffen.

Die Behörden meldeten zahlreiche Festnahmen und verletzte Einsatzkräfte.

Die Ereignisse führten auch in Deutschland zu Diskussionen darüber, ob vergleichbare Protestformen entstehen könnten.

Allerdings unterscheiden sich die politische Situation, die beteiligten Gruppen und die Sicherheitslage in beiden Ländern.

Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den Ausschreitungen in Frankreich und den angekündigten Demonstrationen in Deutschland ist nicht nachgewiesen.

Initiative distanziert sich ausdrücklich von Gewalt

Die Veranstalter der deutschen Jugendproteste weisen die Vorstellung zurück, ihre Demonstrationen sollten zu Ausschreitungen führen.

Akram Selo, einer der Mitinitiatoren, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die Bewegung friedlich demonstrieren wolle.

Die Organisatoren distanzieren sich ausdrücklich von Gewalt.

Sie betonen, dass sie mit ihren Veranstaltungen auf soziale und politische Probleme aufmerksam machen möchten.

Dazu gehören vor allem die finanziellen Belastungen junger Menschen und die Diskussion über die Wehrpflicht.

Für die Bewertung der Proteste ist deshalb zwischen den Absichten der angemeldeten Veranstalter und möglichen Handlungen anderer Personen zu unterscheiden.

Auch die Polizei muss diese Unterscheidung bei ihrer Einsatzplanung berücksichtigen.

Darf die Bundeswehr überhaupt gegen Demonstranten eingesetzt werden?

Die Forderung der Jungen Union berührt eine grundlegende Frage des deutschen Verfassungsrechts.

Nach Artikel 87a des Grundgesetzes dürfen die Streitkräfte außer zur Verteidigung nur eingesetzt werden, soweit das Grundgesetz dies ausdrücklich zulässt.

Für bestimmte außergewöhnliche Situationen bestehen besondere verfassungsrechtliche Regelungen.

Dazu gehören beispielsweise schwere Katastrophenlagen oder besonders gravierende Gefahren für die freiheitliche demokratische Grundordnung.

Unter den engen Voraussetzungen des Artikels 87a Absatz 4 kann ein Streitkräfteeinsatz zur Unterstützung von Polizei und Bundespolizei bei der Abwehr bestimmter schwerwiegender Gefahren zulässig sein.

Dafür genügt jedoch nicht die bloße Befürchtung, dass es bei einer Demonstration zu Sachbeschädigungen oder Auseinandersetzungen kommen könnte.

Die öffentliche Sicherheit bei gewöhnlichen Versammlungen ist grundsätzlich Aufgabe der Polizei.

Ein vorsorglicher Einsatz bewaffneter Bundeswehrsoldaten zur Unterbindung angekündigter Schülerdemonstrationen lässt sich deshalb nicht allein mit möglichen Krawallen rechtfertigen.

Demonstrationsfreiheit ist im Grundgesetz geschützt

Neben den Regeln für einen Bundeswehreinsatz spielt Artikel 8 des Grundgesetzes eine zentrale Rolle.

Er schützt das Recht, sich friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

Dieses Grundrecht gilt ausdrücklich auch für Demonstrationen, deren politische Forderungen umstritten sind oder auf Ablehnung stoßen.

Versammlungen unter freiem Himmel können unter gesetzlichen Voraussetzungen beschränkt werden.

Ein vollständiges Verbot erfordert jedoch eine entsprechende rechtliche Grundlage und eine konkrete Gefahrenlage.

Allein die Möglichkeit, dass einzelne Personen Straftaten begehen könnten, rechtfertigt nicht automatisch das Verbot einer gesamten Demonstration.

Die Sicherheitsbehörden müssen vielmehr prüfen, welche Maßnahmen geeignet und erforderlich sind, um friedliche Teilnehmer zu schützen und mögliche Gefahren abzuwehren.

Dazu können polizeiliche Auflagen, räumliche Trennungen unterschiedlicher Gruppen und gezielte Maßnahmen gegen gewaltbereite Personen gehören.

Die Bundeswehr soll nach bisherigem Stand nicht anrücken

Trotz der zugespitzten Schlagzeilen gibt es bislang keine bestätigte Entscheidung, Soldaten zur Sicherung der Jugendproteste einzusetzen.

Bekannt ist ausschließlich die entsprechende Forderung der Jungen Union Berlin-Mitte.

Die Berliner Polizei bereitet sich ihrerseits auf einen größeren Einsatz vor.

Dabei geht es um die angekündigten Demonstrationen und die besonderen Anforderungen der Halloween-Nacht.

Welche konkreten polizeilichen Maßnahmen vorgesehen sind, hängt von der weiteren Lagebewertung ab.

Auch die tatsächliche Teilnehmerzahl der Jugendproteste lässt sich vor dem Veranstaltungstag nicht zuverlässig bestimmen.

Online angekündigte Beteiligungen sind keine bestätigten Besucherzahlen.

Politische Debatte über Sicherheit und Versammlungsfreiheit

Der Vorstoß der Jungen Union verdeutlicht, wie unterschiedlich die bevorstehenden Jugenddemonstrationen bewertet werden.

Während der örtliche CDU-Nachwuchsverband einen militärischen Einsatz fordert, verweisen die Veranstalter auf ihr Recht zum friedlichen Protest.

Die Gewerkschaft der Polizei wiederum warnt vor möglichen Ausschreitungen, betont aber gleichzeitig den Schutz der Versammlungsfreiheit.

Damit stehen mehrere Fragen im Mittelpunkt der Debatte.

Wie können die Sicherheitsbehörden friedliche Demonstrationen gewährleisten? Welche Maßnahmen sind gegen gewaltbereite Personen notwendig? Und wo liegen die Grenzen staatlicher Eingriffe in die Versammlungsfreiheit?

Die geltende Rechtslage sieht für gewöhnliche Demonstrationen einen polizeilichen Schutz und keine militärische Absicherung vor.

Ob es am Samstag tatsächlich zu größeren Sicherheitsproblemen kommt, bleibt abzuwarten.

Fest steht bereits: Die Forderung nach einem vorsorglichen Bundeswehreinsatz stammt von einem örtlichen Verband der Jungen Union. Eine entsprechende staatliche Entscheidung liegt nicht vor.

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