Berlin. Ein kurzes Video entwickelt sich wenige Tage nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl zu einem politischen Aufreger. Der Chirurg Dr. Masyar Rahmanzadeh kündigt darin an, Berlin nach dem Wahlsieg der Linken verlassen zu wollen.

Rahmanzadeh äußert sich ausgesprochen kritisch über die politische Entwicklung in der Hauptstadt und eine mögliche künftige Regierung unter Führung der Linkspartei.

Sein Satz ist eindeutig:

> „Ich werde die Stadt verlassen.“

Anschließend begründet er seine Entscheidung mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber einer möglichen Linken-geführten Regierung. Das Video verbreitete sich zunächst auf X und anschließend auf weiteren Plattformen.

Kein anonymer TikTok-Nutzer

Bei Rahmanzadeh handelt es sich nicht lediglich um einen unbekannten Kommentator aus sozialen Netzwerken.

Er ist ärztlicher Direktor des Gelenkzentrums Berlin. Die Einrichtung ist auf Hüft- und Kniegelenkersatz sowie Fußchirurgie spezialisiert. Rahmanzadeh arbeitet nach Angaben des Zentrums seit Jahrzehnten als Chirurg und gründete das Gelenkzentrum im Jahr 2001.

Sein beruflicher Werdegang führte ihn unter anderem an die Universitätsklinik Heidelberg, die Berliner Charité sowie medizinische Einrichtungen in den USA.

Damit stammt die Kritik von einem Mediziner, der beruflich seit vielen Jahren mit Berlin verbunden ist.

Linke gewinnt deutlich

Auslöser seiner Reaktion ist das Ergebnis der Abgeordnetenhauswahl vom 20. September.

Die Linke erreichte nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis 25,7 Prozent der Zweitstimmen und wurde stärkste Kraft. Die CDU kam auf 18,8 Prozent, die AfD auf 16,3 Prozent, die Grünen auf 14,3 Prozent und die SPD auf 12,1 Prozent.

Spitzenkandidatin Elif Eralp strebt Gespräche mit SPD und Grünen an. Eine neue Landesregierung steht allerdings noch nicht fest. Auch ist derzeit keineswegs entschieden, dass Eralp tatsächlich Regierende Bürgermeisterin wird.

Rahmanzadehs Ankündigung bezieht sich somit auf eine mögliche künftige politische Konstellation, nicht auf eine bereits gebildete Linken-Regierung.

Arzt kritisiert politischen Kurs

In dem verbreiteten Video beschreibt Rahmanzadeh die Perspektive einer solchen Regierung in scharfen Worten.

Er spricht von einer politischen Atmosphäre, die aus seiner Sicht Leistungsbereitschaft nicht ausreichend würdige. Zudem nimmt er auf seine persischen Wurzeln Bezug und zieht einen persönlichen Vergleich zur politischen Situation im Iran.

Dabei handelt es sich um Rahmanzadehs persönliche politische Bewertung. Aus seinem Video lässt sich weder eine allgemeine Haltung der Berliner Ärzteschaft noch die Position von Menschen mit iranischen oder persischen Wurzeln ableiten.

Wohnen wird zum größten Streitpunkt

Die Linke selbst hatte den Wahlkampf vor allem mit dem Thema bezahlbares Wohnen bestritten.

Eralp will unter anderem große private Wohnungsbestände gegen Entschädigung vergesellschaften. Nach aktuellen Angaben könnten davon mehr als 200.000 Wohnungen betroffen sein. Befürworter versprechen sich davon mehr Einfluss auf die Mietentwicklung, während Kritiker vor hohen Kosten und negativen Auswirkungen auf private Investitionen warnen.

Gerade diese wirtschaftspolitischen Vorstellungen sorgen nach der Wahl für Diskussionen darüber, wie attraktiv Berlin künftig für Unternehmer, Selbstständige und Investoren bleibt.

Rahmanzadeh greift in seinem Video allerdings nicht detailliert einzelne Gesetzesvorhaben an. Seine Kritik richtet sich allgemeiner gegen die von ihm erwartete politische und gesellschaftliche Richtung.

Auch andere Konflikte belasten Regierungsbildung

Der Wahlsieg bedeutet zudem nicht, dass die Linke ohne Widerstände ins Rote Rathaus einziehen kann.

SPD und Grüne haben inzwischen Bedingungen für mögliche Koalitionsgespräche formuliert. Besonders der Umgang mit antisemitischen Äußerungen und umstrittenen Vorgängen in Teilen des Berliner Landesverbandes sorgt für Konflikte. Eralp hat Antisemitismus mehrfach zurückgewiesen und zugesichert, für den Schutz jüdischen Lebens einzustehen.

Damit ist wenige Tage nach der Wahl noch offen, welche Koalition Berlin tatsächlich regieren wird.

Ein Video wird zum politischen Symbol

In sozialen Netzwerken wird Rahmanzadehs Ankündigung inzwischen teilweise als Beweis dafür dargestellt, dass hochqualifizierte Fachkräfte wegen eines politischen Linksrucks Berlin verlassen würden.

Dafür gibt es bislang keinen belastbaren Nachweis.

Bekannt ist derzeit, dass Rahmanzadeh selbst öffentlich angekündigt hat, die Stadt verlassen zu wollen. Ob er diesen Schritt bereits konkret vorbereitet hat, wohin er ziehen möchte und ob sein Gelenkzentrum ebenfalls verlagert würde, ist öffentlich nicht bekannt.

Auch statistische Daten über eine durch das Wahlergebnis ausgelöste Abwanderung von Ärzten, Unternehmern oder anderen Fachkräften liegen bislang nicht vor.

Trotzdem trifft das Video einen Nerv

Seine große Verbreitung erklärt sich deshalb weniger durch eine nachgewiesene Abwanderungsbewegung als durch die politische Symbolik.

Ein etablierter Berliner Chirurg mit persischen Wurzeln erklärt öffentlich, dass er ausgerechnet nach einem Wahlsieg der Linken nicht mehr in der Hauptstadt leben wolle.

Das passt in eine breitere Diskussion darüber, wie stark sich Berlins politischer Kurs künftig verändern könnte.

Während die Linke ihren Wahlsieg als Auftrag für Veränderungen bei Mieten und sozialer Politik versteht, warnen Gegner vor höheren Kosten, weniger privaten Investitionen und einer stärkeren staatlichen Regulierung.

Berlin steht erst am Anfang der Debatte

Ob Rahmanzadeh Berlin tatsächlich verlässt, dürfte deshalb aufmerksam verfolgt werden.

Sein Fall allein belegt keine „Flucht der Leistungsträger“ und auch keinen wirtschaftlichen Exodus aus der Hauptstadt.

Er zeigt aber, wie stark die Wahl inzwischen auch außerhalb der klassischen Parteipolitik polarisiert.

Denn Berlin diskutiert nach dem 20. September längst nicht mehr nur darüber, wer das Rote Rathaus übernimmt.

Die größere Frage lautet inzwischen, wie stark eine mögliche neue Koalition die wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Richtung der Hauptstadt tatsächlich verändern würde.

Und für mindestens einen bekannten Berliner Chirurgen ist die persönliche Antwort bereits gefallen:

Er sagt, er wolle gehen.