Wolgast. Für die Peene-Werft in Wolgast zeichnet sich ein neuer Marineauftrag ab. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat am Montag auf dem Werftgelände angekündigt, dass die Deutsche Marine ein viertes Flottendienstboot der neuen Klasse 424 erhalten soll.

Die entsprechenden Haushaltsmittel sollen dem Parlament zur Zustimmung vorgelegt werden. Eine endgültige Auftragsvergabe ist damit noch nicht erfolgt.

Trotzdem besitzt die Ankündigung für Wolgast erhebliche Bedeutung. Nach dem Abbruch des Fregattenprogramms F126 droht der Peene-Werft ab 2027 eine Lücke bei der Auslastung. Mecklenburg-Vorpommern hatte sich deshalb ausdrücklich dafür eingesetzt, zusätzliche Marineaufträge nach Wolgast zu holen.

Viertes Schiff soll bestehende Serie erweitern

Drei Flottendienstboote der Klasse 424 befinden sich bereits im Bau. Sie sollen die bisherigen Aufklärungsschiffe der Marine ersetzen und ab 2029 ausgeliefert werden.

Die rund 130 Meter langen Spezialschiffe dienen der elektronischen Aufklärung. Sie können elektromagnetische Signale sowie akustische Informationen erfassen und auswerten.

Pistorius begründete den zusätzlichen Bedarf mit der veränderten Sicherheitslage und der wachsenden Bedeutung militärischer Aufklärung.

Der Bau der Schiffe erfolgt arbeitsteilig an mehreren norddeutschen Werftstandorten. Die Peene-Werft übernimmt dabei wesentliche Schiffbauarbeiten.

F126-Aus hinterließ Lücke in Wolgast

Die Nachricht kommt für den Standort zu einem entscheidenden Zeitpunkt.

Rheinmetall hatte Anfang Juli bestätigt, dass das Fregattenprogramm F126 gestoppt wurde. Für den Konzern könnten daraus allein 2026 Umsatzauswirkungen von bis zu 300 Millionen Euro entstehen.

Für Wolgast wiegt der Projektstopp besonders schwer. Die Peene-Werft war am Bau von Sektionen für die neuen Fregatten beteiligt. Nach dem Ende des Programms wurde offen über eine drohende Unterauslastung ab 2027 gesprochen.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hatte deshalb bereits Ende August gefordert, die entstandene Lücke durch andere Bundesaufträge zu schließen. Konkret nannte sie damals neben möglichen neuen Fregatten bereits ein viertes Flottendienstboot.

Was vor wenigen Wochen noch eine Forderung aus Schwerin war, ist nun deutlich konkreter geworden.

Peene-Werft gehört inzwischen zu Rheinmetall

Seit März 2026 gehört die frühere NVL-Sparte mit der Peene-Werft zur neuen Rheinmetall-Division Naval Systems.

Der Standort in Wolgast ist auf Marineschiffe, Küstenwachboote und Spezialschiffe spezialisiert. Die Werft gehört zu den bedeutenden industriellen Arbeitgebern in Vorpommern.

Die bereits bestellten Aufklärungsschiffe sind für Wolgast deshalb mehr als ein einzelnes Rüstungsprojekt. An ihnen hängen Auslastung, Fachkräfte und die Perspektive eines traditionsreichen Schiffbaustandortes.

Noch ist der Auftrag nicht endgültig

So positiv die Ankündigung für Wolgast ausfällt: Über die Finanzierung des vierten Schiffes muss noch entschieden werden.

Pistorius kündigte an, die entsprechenden Mittel dem Parlament vorzulegen.

Erst danach kann aus der politischen Ankündigung ein verbindlicher Auftrag werden.

Für die Peene-Werft ist das Signal dennoch eindeutig: Der Bund prüft nicht mehr nur abstrakt, wie die Auftragslücke geschlossen werden könnte. Mit dem vierten Aufklärungsschiff liegt erstmals ein konkretes zusätzliches Marineprojekt auf dem Tisch.

Quelle: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bei der Peene-Werft am 14. September 2026; Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern; Rheinmetall.