Siebenstellige Investitionen in Windkraftanlagen sorgen in ländlichen Gemeinden häufig für Streit, während ein großer Teil der Einnahmen an Unternehmen und Investoren fließt. In Jördenstorf im Landkreis Rostock soll es anders laufen: Mehr als 1.000 Menschen im direkten Umfeld des neuen Windparks können sich für einen Strombonus registrieren.

Strom für fast 23.800 Haushalte

Der Windpark wurde am Sonnabend offiziell eingeweiht. Nach Angaben des Entwicklers und Betreibers wpd erreichen die Anlagen zusammen eine Leistung von rund 35 Megawatt. Rechnerisch könne der erzeugte Strom fast 23.800 Haushalte versorgen.

Damit entsteht in der Region eine Anlage von erheblicher Größe. Für die Menschen vor Ort sind allerdings nicht nur Megawattzahlen entscheidend. Sie sehen die Windräder täglich, erleben mögliche Geräusche und nehmen Veränderungen des Landschaftsbildes wahr.

Jördenstorf und die umliegenden Gemeinden haben deshalb mit dem Betreiber eine finanzielle Beteiligung der Anwohner vereinbart.

Bonus gilt im Umkreis von 2,5 Kilometern

Mehr als 1.000 Menschen, die in einem Radius von 2,5 Kilometern um die Anlagen leben, können sich für den Strombonus registrieren. Eine Familie mit zwei Kindern könnte nach Berechnungen von wpd etwa 400 Euro pro Jahr erhalten.

Für Haushalte im ländlichen Raum ist das keine unbedeutende Summe. Der Bonus entspricht beispielsweise mehreren Tankfüllungen, einem Teil der Heizkosten oder einer größeren Jahresrechnung.

Zusätzlich sollen die beteiligten Gemeinden Zahlungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz erhalten. Kommunen können dadurch unmittelbar von der Stromproduktion auf ihrem Gebiet profitieren.

Teilabschaltung soll Schreiadler schützen

Windkraftanlagen stehen regelmäßig im Konflikt mit dem Natur- und Artenschutz. Bei Jördenstorf betrifft das insbesondere den Schreiadler. Der Betreiber hat deshalb nach eigenen Angaben eine Teilabschaltung eingerichtet.

Diese Regelung sei als Kompromiss mit dem Naturschutzbund vereinbart worden. Die Anlagen sollen zeitweise abgeschaltet werden, wenn ein erhöhtes Risiko für die geschützten Vögel besteht.

Damit sinkt zwar möglicherweise die Stromproduktion. Zugleich zeigt die Vereinbarung, dass Energieerzeugung und Artenschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden müssen, wenn Betreiber zu konkreten Einschränkungen bereit sind.

Beteiligung kann Akzeptanz erhöhen

Der Jördenstorfer Strombonus ist ein interessanter Ansatz. Die Energiewende wird vor allem in ländlichen Regionen sichtbar: Dort stehen Windräder, Solarfelder und Stromleitungen. Ein großer Teil der Energie wird jedoch in Ballungsräumen verbraucht.

Wenn Gemeinden und Anwohner finanziell beteiligt werden, bleibt zumindest ein Teil der Wertschöpfung vor Ort. Das kann die Akzeptanz erhöhen, ersetzt aber keine transparente Planung und keine ernsthafte Beteiligung bei der Standortwahl.

Der Betreiber sollte deshalb leicht verständlich erklären, wie lange der Bonus garantiert wird, welche Voraussetzungen gelten und ob sich seine Höhe verändern kann. Nur dann wissen die Menschen, worauf sie sich verlassen können.

Jördenstorf liefert dennoch ein Modell, das auch für andere ostdeutsche Gemeinden interessant sein könnte: Wer die Lasten der Energieproduktion trägt, sollte einen klar erkennbaren Anteil am Nutzen erhalten.