Die Glasmanufaktur Brandenburg in Tschernitz wird kein Solarglas mehr produzieren. Damit endet die letzte europäische Solarglasproduktion, weil die Investorensuche endgültig erfolglos blieb.

Kein Investor rettet Solarglasproduktion in Tschernitz

Die letzte Hoffnung auf eine industrielle Fortführung des Werkes ist erloschen. Wie Insolvenzverwalter Knut Rebholz mitteilte, fand sich kein neuer Investor, der die Glasproduktion in Tschernitz übernehmen und finanzieren wollte. Noch im April 2026 liefen Gespräche mit einem Interessenten, sie führten jedoch zu keinem Ergebnis.

Maschinen, Anlagen und Grundstück werden inzwischen verwertet. Damit geht es nicht mehr um die Rettung der bisherigen Produktion, sondern um die Frage, welche gewerbliche Zukunft der große Industriestandort erhalten kann.

Rund 220 Arbeitsplätze gingen mit dem Werk verloren

Die Glasmanufaktur hatte bereits im Juli 2025 Insolvenz beantragt. Damals stand das Unternehmen seit längerer Zeit unter erheblichem wirtschaftlichem Druck und befand sich wegen der schwachen Nachfrage nach europäischem Solarglas in Kurzarbeit.

Im November 2025 scheiterte eine zunächst aussichtsreiche Investorenlösung. Rund 215 verbliebene Beschäftigte sollten daraufhin ihre Arbeitsplätze verlieren; die IG BCE sprach damals von etwa 220 Arbeitsplätzen, die mit dem Standort wegbrechen.

Die Beschäftigten wurden ab Dezember 2025 freigestellt. Im Frühjahr 2026 erhielten nach Angaben aus Tschernitz auch die zuletzt noch verbliebenen rund 160 Mitarbeiter ihre Kündigungen.

Energiewende verliert ein Stück europäische Wertschöpfung

Das Ende von Tschernitz reicht industriepolitisch weit über den Landkreis Spree-Neiße hinaus. Die Glasmanufaktur war der letzte verbliebene europäische Hersteller von Spezialglas für Photovoltaikmodule und produzierte zugleich Glas für thermische Kollektoren und Gewächshäuser.

Damit verschwindet ein wichtiger Teil der europäischen Photovoltaik-Wertschöpfungskette. Solaranlagen werden in Deutschland und Europa weiter massiv ausgebaut, doch ein zentraler Bestandteil ihrer Module muss künftig vollständig oder nahezu vollständig aus außereuropäischer Produktion bezogen werden.

Genau vor dieser Entwicklung hatte Brandenburgs Wirtschaftsministerium gewarnt. Das Land verwies bereits bei der Insolvenz auf den internationalen Preisdruck und insbesondere auf stark subventionierte chinesische Produkte. Wirtschaftsminister Daniel Keller hatte deshalb einen Resilienzbonus sowie europäische Antidumping- und Antisubventionsmaßnahmen gefordert.

Europas Industrieziele treffen auf die Realität der Lausitz

Der Fall Tschernitz steht in auffälligem Gegensatz zu den industriepolitischen Zielen der Europäischen Union. Mit dem Net-Zero Industry Act will die EU erreichen, dass ihre Produktionskapazitäten für klimaneutrale Schlüsseltechnologien bis 2030 mindestens 40 Prozent des jährlichen europäischen Bedarfs abdecken können. Dazu zählt ausdrücklich auch die Photovoltaik.

In der Lausitz geschieht nun das Gegenteil: Eine vorhandene Produktionsanlage, erfahrene Fachkräfte und jahrzehntelanges Know-how verschwinden aus einer europäischen Lieferkette.

Das ist die entscheidende industriepolitische Frage hinter der Insolvenz. Eine Energiewende, die immer mehr Solartechnik benötigt, schafft nicht automatisch industrielle Wertschöpfung in Deutschland oder Europa. Ohne wettbewerbsfähige Energiepreise, Absatzmärkte und Investitionsbedingungen kann der Ausbau erneuerbarer Energien sogar parallel zum Verlust der dazugehörigen heimischen Produktion stattfinden. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus dem Tschernitzer Fall und den von Brandenburg sowie der EU selbst formulierten industriepolitischen Zielen.

Tschernitz sucht jetzt eine Zukunft ohne Solarglas

Der Standort besitzt eine lange Glasgeschichte. Die GMB wurde 2007 gegründet und nahm 2008 die Produktion auf, nachdem zuvor das Fernsehglaswerk von Samsung Corning geschlossen worden war. 2022 übernahm der indische Spezialglashersteller Borosil Renewables die Glasmanufaktur.

Nun beginnt für Tschernitz erneut die Suche nach einer industriellen Perspektive. Brandenburgs Wirtschaftsförderung soll sich um eine gewerbliche Nachnutzung bemühen; zugleich hofft die Gemeinde darauf, dass Anlagen und Grundstück nicht so zerschlagen werden, dass am Ende eine große Industriebrache mitten im Ort zurückbleibt.

Für die Lausitz ist das Ende deshalb mehr als eine gewöhnliche Unternehmensinsolvenz. Eine Region, die mit Milliardeninvestitionen zum Zentrum der deutschen Energiewende und des Strukturwandels werden soll, verliert ausgerechnet eine Produktion, die unmittelbar zu dieser neuen Energiewirtschaft gehört.

Quelle: Insolvenzverwalter der Glasmanufaktur Brandenburg GmbH, Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz des Landes Brandenburg, Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Europäische Kommission