Dresden – Zehntausende Beschäftigte im Einzelhandel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bekommen mehr Geld.
Arbeitgeber und Gewerkschaft haben sich in der dritten Verhandlungsrunde auf einen neuen Tarifvertrag verständigt.
Die tariflichen Entgelte steigen rückwirkend zum 1. September 2026 um drei Prozent. Eine weitere Erhöhung um zwei Prozent folgt zum 1. Juni 2027.
Rund 230.000 Beschäftigte arbeiten im Einzelhandel
Nach Angaben des Handelsverbandes sind in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen rund 230.000 Menschen sozialversicherungspflichtig im Einzelhandel beschäftigt.
Der Jahresumsatz der Branche liegt bei rund 45 Milliarden Euro.
Damit betrifft der Tarifabschluss einen der größten Beschäftigungsbereiche Mitteldeutschlands.
Vertrag läuft bis Ende Juni 2028
Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 25 Monaten.
Er gilt vom 1. Juni 2026 bis zum 30. Juni 2028.
Mit der Einigung erhalten Beschäftigte und Unternehmen damit für mehr als zwei Jahre Planungssicherheit.
Untere Lohngruppen können stärker profitieren
In den niedrigeren Entgeltgruppen kann die tatsächliche Erhöhung teilweise höher ausfallen.
Grund dafür sind gesetzlicher Mindestlohn und tarifliche Untergrenzen.
Auch die Ausbildungsvergütungen wurden angepasst.
Damit profitieren nicht nur langjährige Beschäftigte, sondern auch Auszubildende von dem Abschluss.
Gewerkschaft wollte deutlich mehr
Die Gewerkschaft Verdi war ursprünglich mit der Forderung nach sieben Prozent mehr Lohn in die Tarifrunde gegangen.
Die jetzt vereinbarten Steigerungen bleiben darunter.
Arbeitgeber sprechen dennoch von einem schwierigen Kompromiss.
Sie verweisen auf Konsumzurückhaltung, steigende Betriebskosten und den wachsenden wirtschaftlichen Druck im Einzelhandel.
Branche kämpft mit schwachem Konsum
Viele Händler spüren, dass Verbraucher bei größeren Anschaffungen vorsichtiger geworden sind.
Hohe Energiepreise, gestiegene Mieten und Lebensmittelkosten belasten die Haushaltsbudgets.
Gleichzeitig steigen auch für Unternehmen Kosten für Personal, Energie, Logistik und Mieten.
Der neue Tarifabschluss fällt deshalb in eine wirtschaftlich angespannte Phase.
Mehr Geld könnte auch Konsum stützen
Für Beschäftigte bedeutet die Einigung zunächst höhere Einkommen.
Ein Teil dieses zusätzlichen Geldes dürfte wiederum im regionalen Handel ausgegeben werden.
Damit kann der Abschluss zumindest teilweise auch die Kaufkraft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stärken.
Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt allerdings von der weiteren Entwicklung der Inflation ab.
Einzelhandel bleibt wichtiger Arbeitgeber im Osten
Trotz Onlinehandel und Strukturwandel bleibt der stationäre Einzelhandel einer der wichtigsten Arbeitgeber in Ostdeutschland.
Gerade in kleineren Städten und ländlichen Regionen sichern Supermärkte, Fachgeschäfte und Einkaufszentren zahlreiche Arbeitsplätze.
Der neue Tarifvertrag setzt deshalb nicht nur ein Lohnsignal, sondern ist auch für die wirtschaftliche Entwicklung vieler Regionen relevant.