Für sieben Galeria-Kaufhäuser in Ostdeutschland beginnt erneut eine Phase der Unsicherheit. Die Warenhauskette überprüft bundesweit 33 ihrer insgesamt 83 Filialen auf ihre langfristige Wirtschaftlichkeit. Betroffen sind vier Standorte in Berlin sowie die Häuser in Potsdam, Wismar und Magdeburg.

In Berlin stehen die Filialen am Alexanderplatz, am Hermannplatz, am Kurfürstendamm und in Spandau auf der Prüfliste. In Brandenburg betrifft die Überprüfung das Warenhaus in der Potsdamer Innenstadt. Hinzu kommen die Standorte Wismar in Mecklenburg-Vorpommern und Magdeburg in Sachsen-Anhalt.

Eine Schließung ist bislang bei keinem dieser Häuser endgültig beschlossen. Galeria will zunächst mit den jeweiligen Eigentümern über Mietkosten, Flächengrößen und weitere wirtschaftliche Bedingungen verhandeln.

Vier Berliner Kaufhäuser betroffen

Besonders stark trifft die Überprüfung Berlin. Dort stehen vier der weiterhin vorhandenen Galeria-Häuser auf der Liste:

  • Alexanderplatz
  • Hermannplatz
  • Kurfürstendamm
  • Spandau

Die Standorte befinden sich an zentralen Einkaufsplätzen der Hauptstadt. Ihre mögliche Schließung hätte deshalb nicht nur Auswirkungen auf die Beschäftigten, sondern auch auf die umliegenden Geschäftsstraßen und Stadtteilzentren.

Das Kaufhaus am Alexanderplatz zählt zu den bekanntesten Häusern der Kette. Für den Standort wurde der Mietvertrag zuletzt bis mindestens Ende März 2027 verlängert. Dennoch wird auch dieses Haus im Rahmen der wirtschaftlichen Überprüfung betrachtet.

Potsdamer Innenstadt muss erneut um Galeria bangen

In Brandenburg steht die Galeria-Filiale im Potsdamer Stadtzentrum auf dem Prüfstand.

Das Warenhaus gehört zu den großen Einzelhandelsstandorten in der Innenstadt. Ein Wegfall könnte eine bedeutende Lücke hinterlassen, da Kaufhäuser häufig nicht nur selbst Kunden anziehen, sondern auch Besucherströme für kleinere Geschäfte, Gastronomie und Dienstleister erzeugen.

Gerade in Innenstädten, die bereits unter Leerständen, steigenden Kosten und der Konkurrenz des Onlinehandels leiden, sind große Einzelhandelsflächen nur schwer kurzfristig neu zu nutzen.

Magdeburger Standort ebenfalls gefährdet

Auch die Galeria-Filiale in Magdeburg gehört zu den 33 bundesweit überprüften Häusern.

Nach Angaben des Unternehmens spielen bei der Auswahl unter anderem die Mietbelastung und die Ertragskraft der einzelnen Filialen eine Rolle. Sollte mit dem jeweiligen Vermieter keine tragfähige Lösung gefunden werden, könnte die Fortführung des Standorts gefährdet sein.

Für Magdeburg wäre eine Schließung ein weiterer Einschnitt für den stationären Einzelhandel. Große Warenhäuser übernehmen in vielen Innenstädten noch immer die Funktion eines Ankerbetriebs, auch wenn ihr Geschäftsmodell seit Jahren unter Druck steht.

Wismar setzt auf Geschichte und Wirtschaftlichkeit

In Wismar reagierte Bürgermeister Frank Junge optimistisch auf die Überprüfung. Er erklärte, der Standort sei profitabel und werde dies nach seiner Einschätzung auch künftig bleiben.

Zugleich verwies er auf die besondere Geschichte des Hauses. Der Wismarer Standort gilt als Karstadt-Stammhaus und wird deshalb mit den Anfängen des deutschen Warenhausgeschäfts verbunden.

Junge forderte außerdem rechtssichere Regelungen für verkaufsoffene Sonntage in touristisch geprägten Orten. Gerade dann, wenn viele Gäste in Wismar seien, müsse der Einzelhandel diese Nachfrage auch nutzen können.

Galeria will mit Vermietern verhandeln

Die Aufnahme eines Standorts in die Prüfliste bedeutet nicht automatisch dessen Schließung.

Galeria will jedes Haus einzeln untersuchen und dabei insbesondere folgende Punkte betrachten:

  • Höhe der Mietbelastung
  • wirtschaftliche Ertragskraft
  • Größe und Nutzung der Verkaufsflächen
  • mögliche Verkleinerung der Filiale
  • neue Vertragsbedingungen mit dem Vermieter

Bei einigen Standorten laufen die Gespräche bereits. Bei anderen sollen sie erst beginnen. Finden Unternehmen und Eigentümer keine tragfähige Lösung, steht auch eine Aufgabe der Filiale im Raum.

Damit liegt ein wesentlicher Teil der Entscheidung bei den Immobilienbesitzern. Niedrigere Mieten oder kleinere Flächen könnten einzelne Häuser wirtschaftlich stabilisieren.

Insgesamt 33 von 83 Filialen betroffen

Bundesweit überprüft Galeria 33 seiner 83 Standorte. Damit steht rund jedes dritte Kaufhaus der Kette unter besonderer Beobachtung.

Neben den sieben Häusern im Osten sind unter anderem Filialen in München, Köln, Mainz, Mannheim, Würzburg, Münster, Braunschweig und Hamburg betroffen.

Auch an den übrigen Standorten will das Unternehmen nach eigenen Angaben nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen. Dabei kann es ebenfalls um Mieten, Flächen, Sortimente oder die wirtschaftliche Ausrichtung gehen.

Dritte Insolvenz innerhalb weniger Jahre

Galeria hat eine jahrelange Krise hinter sich. Das Unternehmen meldete Anfang 2024 zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz an.

Als ein Grund galt die finanzielle Schieflage des früheren Mutterkonzerns Signa. Im Sommer 2024 wurden bereits neun Filialen geschlossen. Seitdem gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz.

Die wiederholten Sanierungen zeigen, wie schwer es der Kaufhauskette fällt, dauerhaft ein stabiles Geschäftsmodell zu entwickeln.

Kaufhäuser kämpfen mit hohen Kosten

Traditionelle Warenhäuser stehen seit Jahren unter erheblichem Druck.

Ein großer Teil des Handels hat sich ins Internet verlagert. Zugleich konkurrieren Kaufhäuser mit spezialisierten Fachgeschäften, Einkaufszentren und preisorientierten Handelsketten.

Große Innenstadtimmobilien verursachen außerdem hohe Miet-, Energie- und Personalkosten. Gleichzeitig müssen Warenhäuser umfangreiche Flächen mit ausreichend Kunden und Umsatz füllen.

Wenn einzelne Etagen oder Sortimentsbereiche nicht genügend Erlöse erzielen, kann eine große Filiale schnell unwirtschaftlich werden.

Galeria versucht deshalb, Flächen zu verkleinern und die Kosten stärker an die tatsächlichen Einnahmen anzupassen.

Folgen reichen über Galeria hinaus

Eine mögliche Schließung betrifft nicht nur die unmittelbar Beschäftigten des Kaufhauses.

Auch umliegende Geschäfte können Kunden verlieren, wenn ein großer Anziehungspunkt verschwindet. Hinzu kommt die Frage, wie leer stehende Warenhausimmobilien künftig genutzt werden sollen.

Die Gebäude verfügen häufig über mehrere Etagen und sehr große zusammenhängende Verkaufsflächen. Eine Umwandlung in Wohnungen, Büros, kleinere Geschäfte oder öffentliche Einrichtungen ist möglich, erfordert aber meist umfangreiche Umbauten und hohe Investitionen.

Besonders in Magdeburg, Potsdam und Wismar könnte deshalb eine längerfristige Debatte über die Zukunft zentraler Innenstadtflächen entstehen.

Noch keine Entscheidung über Schließungen

Für Kunden und Beschäftigte bleibt zunächst offen, welche der sieben ostdeutschen Standorte erhalten bleiben.

Galeria betont, die Prüfung erfolge für jedes Haus einzeln und ergebnisoffen. Die wirtschaftlichen Bedingungen unterscheiden sich je nach Standort, Immobilie und Mietvertrag.

Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen gemeinsam mit den Eigentümern niedrigere Kosten, kleinere Flächen oder andere Lösungen vereinbaren kann.

Bis zum Abschluss der Gespräche bleiben die Kaufhäuser regulär geöffnet.

Galeria stellt sieben Standorte in Ostdeutschland auf den Prüfstand. Betroffen sind vier Berliner Häuser sowie die Filialen in Potsdam, Wismar und Magdeburg.

Eine Schließungsentscheidung ist noch nicht gefallen. Die Zukunft der Kaufhäuser hängt nun vor allem von der Ertragslage und den Verhandlungen mit den Vermietern ab.

Für die betroffenen Städte geht es dabei um mehr als eine einzelne Handelskette. Kaufhäuser prägen zentrale Einkaufsstraßen, sichern Arbeitsplätze und ziehen Kunden in die Innenstädte. Ihr möglicher Wegfall würde neue Leerstände schaffen und die ohnehin angespannte Lage vieler Stadtzentren weiter verschärfen.

Quellen:
Galeria-Unternehmensangaben sowie Berichte von Tagesschau, rbb24 und Deutschen Presse-Agentur vom 22. und 23. Juli 2026.