Brandenburg will die wirtschaftlichen Verbindungen zur polnischen Nachbarregion Westpommern weiter ausbauen. Eine zentrale Rolle soll dabei der Hafen von Stettin spielen. Die Landesregierung sieht in ihm einen möglichen Seehafenzugang für die gesamte Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg.
Hafen soll neue Absatzmärkte erschließen
Der Hafen Szczecin könne sich nach Einschätzung der Brandenburger Wirtschafts- und Europaministerin Martina Klement zu einem wichtigen Zugang für Unternehmen aus Berlin und Brandenburg entwickeln.
Dabei geht es vor allem um den Umschlag, die Lagerung und den Weitertransport von Waren in Richtung Polen, Ostsee und Osteuropa. Zudem könnten sich für Unternehmen neue Absatzmärkte und besser abgestimmte Logistikketten ergeben.
„Der Hafen Szczecin kann sich als wichtiger Seehafenzugang für Berlin und Brandenburg etablieren.“
Brandenburg will außerdem die Wirtschaftsachse von Berlin über Stettin bis nach Skandinavien stärker gemeinsam vermarkten. Eine solche Verbindung könnte besonders für Industrieunternehmen, Logistiker, Händler und Exporteure interessant werden.
Brandenburg und Westpommern arbeiten seit 25 Jahren zusammen
Der Vorstoß steht im Zusammenhang mit dem 25-jährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen Brandenburg und der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Wirtschaftsministerin Klement besuchte dazu Stettin.
Nach Einschätzung der Landesregierung hat sich die Zusammenarbeit zu einem wichtigen Impulsgeber für die wirtschaftliche, gesellschaftliche und wissenschaftliche Entwicklung im deutsch-polnischen Grenzraum entwickelt. Die Kooperation soll nun weiter vertieft werden.
Bahnstrecke entscheidet über den Erfolg
Damit der Hafen für Brandenburg tatsächlich leistungsfähiger erreichbar wird, muss auch die Verkehrsinfrastruktur verbessert werden. Ministerpräsident Dietmar Woidke fordert deshalb insbesondere einen zügigen Ausbau der Bahnverbindung zwischen Berlin und Stettin.
Die Deutsche Bahn hat Anfang Juli 2026 mit den Hauptarbeiten am zweiten Bauabschnitt zwischen Passow und der deutsch-polnischen Grenze begonnen. Der rund 30 Kilometer lange Abschnitt wird zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert. Die Bahn plant, den deutschen Teil der Strecke Ende 2027 in Betrieb zu nehmen.
Der erste Abschnitt zwischen Angermünde und Passow wurde Ende 2025 fertiggestellt. Dort entstanden unter anderem lange Überholgleise, die auch für Güterzüge von Bedeutung sind.
Kürzere Fahrzeiten und mehr Güterverkehr
Nach Abschluss des Ausbaus sollen Züge auf Teilen der Strecke mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde fahren können. Ziel sind höhere Kapazitäten, stabilere Fahrpläne und kürzere Fahrzeiten zwischen Berlin und Stettin.
Für die Wirtschaft ist jedoch nicht nur der Personenverkehr entscheidend. Ein leistungsfähiger Hafenhinterlandverkehr könnte Güter schneller zwischen dem Hafen, den Brandenburger Industriestandorten und Berlin transportieren.
Besonders für Unternehmen im Nordosten Brandenburgs könnten sich dadurch neue Standortvorteile ergeben. Ob diese Chancen tatsächlich genutzt werden, hängt allerdings von weiteren Investitionen in Bahnstrecken, Straßen, Terminals und grenzüberschreitende Logistikangebote ab.
Stettin liegt näher als viele deutsche Seehäfen
Stettin liegt nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Für Teile Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns ist der polnische Hafen deshalb geografisch näher als viele große deutsche Nordseehäfen.
Aus Sicht der Landesregierung bietet diese Lage die Möglichkeit, Lieferwege zu verkürzen und die Hauptstadtregion stärker mit dem Ostseeraum zu verbinden. Zugleich könnte die Zusammenarbeit die wirtschaftliche Entwicklung auf beiden Seiten der Grenze fördern.
Die wichtigsten Fakten
- Standort: Hafen Szczecin/Stettin in Westpommern
- Ziel: stärkerer Seehafenzugang für Berlin und Brandenburg
- Chancen: neue Absatzmärkte und abgestimmte Lieferketten
- Wirtschaftsachse: Berlin–Stettin–Skandinavien
- Schwerpunkte: Umschlag, Lagerung und Gütertransport
- Bahnprojekt: zweigleisiger Ausbau und Elektrifizierung
- Zieltermin des deutschen Streckenabschnitts: Ende 2027
- Partnerschaft: Brandenburg und Westpommern seit 25 Jahren
Kurzmeldung
Brandenburg will den Hafen Stettin stärker als Logistikdrehscheibe für die Hauptstadtregion nutzen. Die Landesregierung erwartet neue Absatzmärkte und bessere Verbindungen nach Polen, Osteuropa und Skandinavien. Voraussetzung ist ein leistungsfähiger Ausbau der Bahnstrecke Berlin–Stettin.
Quellen und Datenbasis
- Berichterstattung zum Besuch der Brandenburger Wirtschafts- und Europaministerin in Westpommern und zum wirtschaftlichen Potenzial des Hafens Stettin.
- Deutsche Bahn: Beginn der Hauptarbeiten am zweiten Bauabschnitt der Strecke Angermünde–Stettin.
- RBB und Tagesschau: Baufortschritt, Streckenausbau und geplanter Abschluss Ende 2027.