Knapp 200 Batteriecontainer stehen inzwischen auf dem Gelände bei Förderstedt. Hinter Zäunen, Kabeltrassen und Umspanntechnik entsteht eine Anlage, die künftig Strom für rechnerisch bis zu 500.000 Haushalte aufnehmen und für etwa zwei Stunden wieder abgeben können soll. Für Sachsen-Anhalt ist das Projekt ein sichtbares Symbol der Energiewende – für die Menschen vor Ort zählt jedoch, ob neben Stromhandel und Netzstabilität auch ein dauerhafter Nutzen in der Region bleibt.

Erster Speicherblock soll Ende 2026 starten

Der Projektentwickler Eco Stor stellte die nahezu fertig aufgebaute Anlage am 29. Juli 2026 bei einem „Zukunftstag Batteriespeicher“ vor. Sämtliche vorgesehenen Batteriecontainer sind nach Angaben des Unternehmens bereits installiert. Insgesamt sollen darin rund 650.000 einzelne Batteriezellen arbeiten.

Von einem bereits laufenden Teilbetrieb kann allerdings noch nicht gesprochen werden. Zunächst muss der erste von drei Speicherblöcken technisch mit der Anlagensteuerung und dem Stromnetz verbunden werden.

Der derzeitige Zeitplan sieht vor:

  • erster Speicherblock: 100 Megawatt Leistung,
  • technische Inbetriebnahme: im vierten Quartal 2026,
  • geplante Vermarktung: voraussichtlich ab November 2026,
  • Gesamtleistung nach Fertigstellung: 300 Megawatt,
  • Speicherkapazität: rund 718 Megawattstunden,
  • vollständiger Betrieb aller drei Blöcke: im Jahr 2027.

Das Projekt trägt den Namen „Eco Power Three“. Nach Angaben von Eco Stor handelt es sich um den derzeit größten im Bau befindlichen Batteriegroßspeicher Deutschlands. Die Anlage wird modular aufgebaut, sodass jeder der drei Blöcke unabhängig betrieben werden kann.

Speicher verdient Geld mit Preisschwankungen

Der Batteriegroßspeicher soll Strom aufnehmen, wenn viel Wind- und Solarenergie vorhanden ist oder die Strompreise niedrig sind. Später kann die Energie zurück ins Netz gespeist werden – etwa bei höherer Nachfrage oder geringerer Erzeugung.

Damit übernimmt die Anlage mehrere Funktionen:

  • kurzfristige Schwankungen im Stromnetz ausgleichen,
  • überschüssigen Wind- und Solarstrom aufnehmen,
  • Regelenergie für das Stromsystem bereitstellen,
  • Strom an verschiedenen Handelsmärkten kaufen und verkaufen,
  • Netzengpässe zumindest zeitweise abfedern.

Die wirtschaftliche Nutzung übernimmt voraussichtlich Next Kraftwerke. Das Unternehmen hat mit Eco Stor einen Vertrag über fünf Jahre geschlossen und soll den ersten Block am Day-Ahead-Markt, im untertägigen Stromhandel und am Regelenergiemarkt einsetzen.

Damit ist der Speicher kein kommunales Stromreservoir, das ausschließlich Energie für Staßfurt oder den Salzlandkreis bereithält. Er ist Teil des überregionalen Strommarktes und wird dort eingesetzt, wo sich technisch und wirtschaftlich ein Bedarf ergibt.

„Batteriespeicher erhöhen die Flexibilität, entlasten das Netz und machen die Stromversorgung robuster gegenüber kurzfristigen Schwankungen.“

So beschreibt die Fachpublikation „VDI Energie + Umwelt“ die grundlegende Funktion solcher Anlagen.

Was bleibt für Förderstedt und Staßfurt?

Die Dimension des Projekts ist groß. Die entscheidenden regionalen Fragen werden jedoch nicht allein durch Megawattzahlen beantwortet. Stationäre Großspeicher benötigen nach dem Bau vergleichsweise wenig Personal. Sie schaffen daher nicht automatisch Hunderte dauerhafte Arbeitsplätze wie ein Industrie- oder Produktionsbetrieb.

Für Staßfurt und Förderstedt sind andere Effekte wichtiger:

  • mögliche Gewerbesteuereinnahmen,
  • Aufträge für regionale Bau- und Dienstleistungsunternehmen,
  • Pacht- oder Grundstückserlöse,
  • Investitionen in Zufahrten und technische Infrastruktur,
  • Stärkung des Standorts als Energieregion.

Wie hoch die Gewerbesteuern tatsächlich ausfallen, hängt von der späteren Ertragslage, der Unternehmensstruktur und der steuerlichen Zuordnung ab. Eine konkrete öffentlich bestätigte Summe für Staßfurt ist bislang nicht bekannt.

Auch die Finanzierung ist erheblich. Die Norddeutsche Landesbank und Banco Santander finanzieren den Bau gemeinsam. Eine genaue Investitionssumme veröffentlichten die Beteiligten in ihrer Mitteilung nicht.

Für die Öffentlichkeit bleibt deshalb entscheidend, wie transparent Betreiber, Stadt und Land über wirtschaftliche Vorteile, Sicherheitsvorkehrungen und mögliche Belastungen informieren.

Brandschutz und Netzausbau bleiben Konfliktthemen

Große Lithium-Ionen-Speicher gelten technisch als beherrschbar, stellen Feuerwehren und Behörden aber vor besondere Anforderungen. Im Fall eines sogenannten thermischen Durchgehens können einzelne Batteriezellen stark erhitzen und weitere Zellen beschädigen.

Für ein Projekt dieser Größenordnung sind daher unter anderem wichtig:

  • automatische Temperatur- und Rauchüberwachung,
  • Trennung einzelner Batteriesysteme,
  • abgestimmte Feuerwehr- und Einsatzpläne,
  • Löschwasser- und Rückhaltekonzepte,
  • regelmäßige Übungen mit den örtlichen Einsatzkräften,
  • klare Informationen für Anwohner.

Hinzu kommt die Frage, ob Großspeicher den notwendigen Ausbau der Stromnetze ersetzen können. Das ist nicht der Fall. Sie können Strom zeitlich verschieben und kurzfristige Engpässe reduzieren, aber keine fehlenden Leitungen dauerhaft kompensieren.

Sachsen-Anhalt produziert große Mengen Wind- und Solarstrom. Speicher können helfen, diese Energie besser zu nutzen. Damit sie dauerhaft sinnvoll eingesetzt werden, müssen jedoch Netze, Erzeugung und Speicher gemeinsam geplant werden.

Ein Meilenstein – aber noch kein fertiges Kraftwerk

Der 29. Juli markiert daher keinen vollständigen Betriebsstart, sondern einen wichtigen Baufortschritt. Die Container stehen, die Anlage ist weitgehend sichtbar, doch der technisch und wirtschaftlich entscheidende Schritt folgt erst mit dem Netzanschluss.

Für Sachsen-Anhalt ist Förderstedt ein bedeutender Energiestandort. Ob das Projekt auch als regionaler Erfolg gelten kann, hängt nicht nur von seiner Größe ab. Entscheidend wird sein, ob der Speicher zuverlässig arbeitet, erneuerbaren Strom tatsächlich besser nutzbar macht und ein nachvollziehbarer Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung im Salzlandkreis bleibt.

Quellen und Datenbasis

  • Eco Stor: Projektinformationen und Baufortschritt des Speichers „Eco Power Three“ in Förderstedt.
  • Stadt Staßfurt: Angaben zum Baubeginn, modularen Aufbau und geplanten Betrieb der Anlage.
  • NORD/LB: Finanzierung, technische Leistung und vorgesehener Vollbetrieb im Jahr 2027.
  • Next Kraftwerke und Eco Stor: Vermarktung des ersten Speicherblocks voraussichtlich ab November 2026.