Weimar. Ein bemerkenswerter Fund in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Die Weimarer Kunsthistorikerin Francesca Fabbri hat eine italienische Handschrift von Goethes „Iphigenie auf Tauris“ als die lange gesuchte Übersetzung des Dichters Alessandro Poerio identifiziert.

Die Handschrift trägt den Titel „Ifigenia in Tauride: Tragedia di Göthe recata in Italiano“ und stammt aus Goethes eigener Privatbibliothek. Ein Wasserzeichen hatte ihre Entstehung bereits auf etwa 1825 datieren lassen. Wer das Werk übersetzt und niedergeschrieben hatte, war bislang jedoch unbekannt.

Geschenk an Goethe

Fabbri konnte nun nachweisen, dass Poerio sowohl Übersetzer als auch Schreiber war. Der neapolitanische Dichter hielt sich 1825 und 1826 in Weimar auf und bewegte sich im Umfeld von Ottilie von Goethe.

Poerio übersetzte damals zwei Werke Goethes ins Italienische: „Die Braut von Korinth“ und „Iphigenie auf Tauris“. Beide Fassungen schenkte er Goethe persönlich. Während die Übersetzung der „Braut von Korinth“ später veröffentlicht wurde, galt die „Iphigenie“ über Generationen als verschollen.

Parallel entdeckte Fabbri auch das Autograph von „La sposa di Corinto“ in den Papieren Ottilie von Goethes in der Newberry Library in Chicago. Damit lassen sich beide Übersetzungen erstmals wieder gemeinsam wissenschaftlich nachweisen.

Handschrift geht nach Rom

Die wiederentdeckte „Iphigenie“-Übersetzung soll vom 1. Dezember 2026 bis 4. April 2027 in der Ausstellung „Et in Arcadia ego. Goethe im Dialog mit Guercino, Raffael und Poerio“ in der Casa di Goethe in Rom gezeigt werden.

Eine wissenschaftliche Edition der Übersetzung ist für Herbst 2027 angekündigt.