Die Klassik Stiftung Weimar gibt vier Zeichnungen an die Erben von Elli Doepler zurück, und die Wartburg-Stiftung restituiert ein Skizzenbuch, nachdem beide Einrichtungen die NS-Verfolgung als Ursache des Eigentumsverlusts anerkannt haben.
Vier Zeichnungen im Bestand entdeckt
Elli Doepler übergab der Thüringischen Landesbibliothek im Februar 1938 sechs Zeichnungen ihres verstorbenen Mannes Emil Doepler. Die Blätter zeigen Motive aus Weimar und der Umgebung. Hinzu kam ein Skizzenbuch mit Darstellungen der Wartburg.
Nach aufwendigen Provenienzrecherchen konnten vier der Zeichnungen in der Graphischen Sammlung der Klassik Stiftung Weimar identifiziert werden. Dazu gehört das Blatt „Weg in lichtem Birkenwald“. Die Stiftung kam nach ihrer Prüfung zu dem Ergebnis, dass die damalige Schenkung unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgung erfolgte.
Erben in Brasilien gefunden
Mit Unterstützung des New Yorker Holocaust Claims Processing Office wurden die Erben Elli Doeplers in São Paulo ermittelt. Die Nachfahren reisten auf Einladung der Klassik Stiftung nach Weimar.
Gemeinsam vereinbarten beide Seiten eine faire Lösung: Alle vier Zeichnungen werden zunächst an die Erben zurückgegeben. Anschließend kauft die Klassik Stiftung drei der Werke rechtmäßig an. Eine Zeichnung bleibt als Erinnerung an Elli Doepler im Besitz der Familie.
Auch die Wartburg-Stiftung beteiligt sich an der Vereinbarung. Sie restituiert das Skizzenbuch Emil Doeplers und erwirbt es danach rechtmäßig von den Erben. Die Thüringische Landesbibliothek hatte das Buch im Jahr 1938 an die Wartburg weitergegeben.
Elli Doepler starb in Theresienstadt
Elli Doepler wurde 1873 als Elli Hirsch geboren und stammte aus einer jüdischen Familie. Sie studierte an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin und arbeitete später als Gebrauchsgrafikerin. Zu ihren Arbeiten gehörten Werbeplakate, Exlibris und Sammelbilder für den Schokoladenhersteller Stollwerck.
Im Jahr 1909 heiratete sie ihren früheren Professor, den Maler und Grafiker Karl Emil Doepler den Jüngeren. Danach gab sie ihre eigene künstlerische Tätigkeit auf.
Im September 1942 verschleppte das NS-Regime die damals 69-Jährige aus Berlin in das Konzentrationslager Theresienstadt. Dort starb Elli Doepler im Februar 1943 unter den unmenschlichen Haftbedingungen.
Quelle: Klassik Stiftung Weimar