Archäologen haben bei Deersheim im Landkreis Harz neue Spuren eines römischen Marschlagers freigelegt. Die Funde belegen die Anwesenheit römischer Truppen im heutigen Sachsen-Anhalt, die vor etwa 1.800 Jahren weit in das freie Germanien vordrangen.
Feldbacköfen bestätigen das Römerlager
Bei den dreiwöchigen Ausgrabungen legten die Forscher die Überreste zweier Feldbacköfen frei. Sichtbar sind Teile der Ofenkammern, die Plätze für das Brennmaterial und Bereiche aus gebranntem Lehm.
Die Bauform gilt als typisch für römische Marschlager. Legionäre errichteten solche Anlagen nach langen Tagesmärschen und versorgten dort innerhalb kurzer Zeit mehrere Tausend Menschen mit Nahrung.
Aus den Brenngruben entnahmen die Archäologen Holzkohleproben. Eine Untersuchung mit der Radiokohlenstoffmethode soll das Alter der Öfen genauer bestimmen.
Spitzgraben schützte römische Soldaten
Das Lager war von einem charakteristischen Spitzgraben umgeben. Der untersuchte Abschnitt ist rund einen Meter tief und etwa 1,10 Meter breit. Nach bisherigen Erkenntnissen verlief die Befestigung über eine Länge von anderthalb bis zwei Kilometern.
Das gesamte Lager umfasste ungefähr 20 Hektar. Auf dieser Fläche konnten mehrere Tausend Soldaten sowie zusätzliches Begleitpersonal untergebracht werden.
Im Graben kamen nur wenige Gegenstände zum Vorschein. Die geringe Zahl der Funde spricht für eine sehr kurze Nutzung von einem Tag bis höchstens einer Woche.
Keramik und Eisennägel liefern Hinweise
Die Forscher entdeckten Eisennägel, Teile von Gewandspangen und Bruchstücke römischer Keramik. Zu den Funden gehört auch Terra Sigillata, ein hochwertiges römisches Tafelgeschirr.
Bereits 2024 waren auf digitalen Luftbildern geradlinige Grabenverläufe und abgerundete Lagerecken aufgefallen. Geophysikalische Messungen und gezielte Ausgrabungen bestätigten anschließend den Verdacht auf eine römische Militäranlage.
Römer marschierten bis zur Elbe
Das Marschlager bei Deersheim stammt wahrscheinlich aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus. Es gehört gemeinsam mit Anlagen bei Aken und Trabitz zu den nordöstlichsten bekannten römischen Lagern im freien Germanien.
Die Fundplätze liefern erstmals bauliche Beweise für römische Truppenbewegungen durch das Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts. Bislang waren solche Vorstöße vor allem aus historischen Überlieferungen und einzelnen Münzfunden bekannt.
Ein Zusammenhang mit einem Feldzug des römischen Kaisers Caracalla im Jahr 213 nach Christus ist möglich, aber noch nicht abschließend bewiesen. Die laufenden Untersuchungen sollen nun genauere Erkenntnisse über die Marschroute und den Aufenthalt der Legionäre liefern.
Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt