Putin schaltet sich in Streit um Eishockey-WM 2027 in Deutschland ein
Die Eishockey-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland steht vor einer politischen und sportlichen Zerreißprobe. Nach einem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs darf Russland wieder teilnehmen. Mehrere Nationen lehnen Spiele gegen das russische Team ab, Sponsoren drohen mit Rückzug. Nun hat sich auch Präsident Wladimir Putin eingeschaltet.
Berlin. Der Streit um die Teilnahme Russlands an der Eishockey-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland spitzt sich weiter zu. Nachdem der Internationale Sportgerichtshof CAS die Rückkehr russischer Nationalmannschaften ermöglicht hat, drohen mehrere europäische Verbände mit einem Boykott. Auch der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) lehnt die Teilnahme ab und schließt inzwischen nicht mehr aus, die Ausrichtung der Weltmeisterschaft zurückzugeben. Am Donnerstag, 5. November 2026, meldete sich nun Russlands Präsident Wladimir Putin zu Wort.
Bei einer im russischen Fernsehen übertragenen Regierungssitzung kritisierte Putin die weiterhin bestehenden Beschränkungen für Sportler seines Landes. Er warf anderen Staaten vor, internationale Verpflichtungen und gerichtliche Entscheidungen nicht ausreichend zu beachten.
Die Auseinandersetzung betrifft längst nicht mehr nur den Eishockeysport. Auch die Bundesregierung, internationale Sponsoren und die Organisatoren der Weltmeisterschaft müssen sich mit den möglichen Folgen einer russischen Teilnahme beschäftigen.
Putin kritisiert politische Beschränkungen gegen Russland
Putin erklärte am Donnerstag, einige Länder seien offenbar nicht bereit, internationale Verpflichtungen einzuhalten.
Die weiterhin bestehenden Einschränkungen gegen russische Athleten bezeichnete er als politisch motiviert. Aus seiner Sicht fehle ihnen eine ausreichende rechtliche Grundlage.
Konkrete Staaten nannte der russische Präsident bei seiner Kritik nicht.
Gleichzeitig begrüßte er Entscheidungen des Internationalen Olympischen Komitees und des Internationalen Sportgerichtshofs, die aus seiner Sicht den Grundsätzen der Olympischen Charta entsprechen.
Die Äußerungen fallen in eine Phase, in der zahlreiche internationale Sportverbände über die Wiederzulassung russischer Mannschaften und Athleten diskutieren.
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 sind russische Teams von vielen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen.
Während Russland eine Rückkehr zum internationalen Sport fordert, begründen andere Staaten und Verbände ihre ablehnende Haltung mit dem fortdauernden Krieg und sicherheitspolitischen Risiken.
Sportgerichtshof hebt Ausschluss russischer Mannschaften auf
Ausgangspunkt der aktuellen Auseinandersetzung ist eine Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS vom 30. Oktober 2026.
Das Gericht gab einer Beschwerde des russischen Eishockeyverbandes gegen die Entscheidung des Weltverbandes IIHF statt.
Die IIHF hatte im Juli beschlossen, russische Nationalmannschaften auch in der Saison 2026/2027 von mehreren internationalen Turnieren auszuschließen.
Zur Begründung verwies der Weltverband auf Sicherheitsbedenken und mögliche Beeinträchtigungen der sportlichen Integrität.
Der CAS bewertete diese Argumente anders. Nach Auffassung des Schiedsgerichts waren die angeführten Sicherheitsrisiken nicht ausreichend belegt, um den Ausschluss in der bisherigen Form aufrechtzuerhalten.
Damit wurde die Grundlage für eine Rückkehr russischer Nationalmannschaften geschaffen.
Der Eishockey-Weltverband erklärte anschließend, das Urteil respektieren und umsetzen zu wollen. Zugleich machte er deutlich, dass die Entscheidung erhebliche organisatorische Schwierigkeiten verursache.
Dazu gehören Fragen der Einreise, der Sicherheit, der Spielplangestaltung und der bereits weit fortgeschrittenen Turniervorbereitung.
Wie die russische Teilnahme konkret umgesetzt werden könnte, ist deshalb weiterhin offen.
Deutschland erwägt Rückgabe der Weltmeisterschaft
Besonders schwer wiegt die Entscheidung für den Deutschen Eishockey-Bund.
Deutschland soll die Weltmeisterschaft vom 13. bis 30. Mai 2027 ausrichten.
Das Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und der Schweiz ist für den 13. Mai in der Fußballarena auf Schalke in Gelsenkirchen vorgesehen. Weitere Begegnungen sollen in Düsseldorf und Mannheim stattfinden.
Die Planungen für das Turnier sind bereits weit fortgeschritten.
Nach dem Urteil des CAS erklärte der DEB jedoch ausdrücklich, dass er eine Rückkehr russischer Nationalmannschaften ablehne.
Vorstandschef Frank H. Lutz verwies auf erhebliche sicherheitspolitische, wirtschaftliche und organisatorische Folgen einer Teilnahme.
Der Verband prüft deshalb gemeinsam mit dem Weltverband und weiteren Verantwortlichen, welche Möglichkeiten bestehen.
Auch eine Rückgabe der Weltmeisterschaft wird inzwischen als Option betrachtet.
Eine Entscheidung darüber ist bislang nicht gefallen.
Sollte Deutschland tatsächlich auf die Ausrichtung verzichten, wären davon nicht nur die beteiligten Sportverbände betroffen.
Auch Hotels, Gastronomiebetriebe, Veranstalter und zahlreiche Dienstleistungsunternehmen in den Austragungsstädten müssten mit wirtschaftlichen Folgen rechnen.
Sechs Nationen wollen nicht gegen Russland spielen
Besonders deutlich ist der Widerstand in mehreren europäischen Eishockeynationen.
Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Lettland und Tschechien haben erklärt, unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht gegen eine russische Nationalmannschaft antreten zu wollen.
Die Verbände verweisen dabei insbesondere auf den andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Für die Organisatoren entsteht dadurch ein erhebliches Problem.
Sollten mehrere Mannschaften Spiele gegen Russland verweigern, wäre ein regulärer Turnierablauf kaum noch gewährleistet.
Die IIHF müsste entscheiden, wie mit entsprechenden Spielverweigerungen umzugehen wäre und welche Auswirkungen diese auf die Wertung und den weiteren Turnierverlauf hätten.
Hinzu kommt, dass sich der bisherige Spielplan ohne russische Beteiligung bereits in Vorbereitung befindet.
Eine nachträgliche Änderung könnte Auswirkungen auf die Gruppeneinteilung und weitere organisatorische Abläufe haben.
Sponsoren drohen mit finanziellen Konsequenzen
Neben den nationalen Verbänden melden sich inzwischen auch wichtige Geldgeber der Weltmeisterschaft zu Wort.
Der tschechische Automobilhersteller Škoda, seit 1993 ein bedeutender Sponsor der Eishockey-Weltmeisterschaften, kündigte an, sein Engagement zu überprüfen, falls Russland zugelassen wird.
Das Unternehmen begründete seine Haltung mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine und den eigenen Unternehmenswerten.
Auch der deutsche Arbeitskleidungshersteller Strauss erklärte, bei einer russischen Teilnahme auf Werbepräsenz im Umfeld des Turniers verzichten zu wollen.
Weitere Sponsoren haben ebenfalls Konsequenzen angekündigt.
Damit könnte der Konflikt die wirtschaftliche Grundlage der Weltmeisterschaft erheblich belasten.
Gerade für die Organisatoren in Deutschland sind Sponsoreneinnahmen ein wichtiger Bestandteil der Finanzierung.
Sollten sich mehrere große Unternehmen zurückziehen, müssten bestehende Finanzierungsplanungen überprüft werden.
Bundesregierung steht vor schwierigen Entscheidungen
Der Streit betrifft auch die deutsche Politik.
Sollte Russland tatsächlich an der Weltmeisterschaft teilnehmen, müssten unter anderem Fragen der Einreise und der erforderlichen Visa geklärt werden.
Dabei treffen sportrechtliche Entscheidungen auf außen- und sicherheitspolitische Erwägungen.
Die Bundesregierung unterstützt die Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges und beteiligt sich an europäischen Sanktionen gegen Russland.
Gleichzeitig steht Deutschland als Gastgeberland einer internationalen Sportveranstaltung vor der Frage, wie mit einer durch ein Schiedsgericht ermöglichten Teilnahme russischer Sportler umzugehen ist.
Auch andere Länder beschäftigen sich mit solchen Problemen.
Kanada hat bereits angekündigt, für russische Spieler bei einer bevorstehenden Junioren-Weltmeisterschaft keine Einreisevisa auszustellen.
Ob Deutschland einen vergleichbaren Weg einschlagen könnte oder müsste, ist bislang nicht entschieden.
Zukunft der WM 2027 bleibt offen
Für den Eishockey-Weltverband ist die Situation besonders schwierig.
Einerseits muss die IIHF das Urteil des CAS berücksichtigen. Andererseits sehen zahlreiche Mitgliedsverbände und Sponsoren die Rückkehr Russlands kritisch.
Eine ursprünglich angekündigte Entscheidung über das weitere Vorgehen wurde bereits verschoben.
Der Weltverband führt Gespräche mit den betroffenen Nationalverbänden, Turnierorganisatoren und zuständigen Behörden.
Putins Äußerungen vom Donnerstag erhöhen die politische Aufmerksamkeit für den Konflikt zusätzlich.
Ob Russland im Mai 2027 tatsächlich in Deutschland antreten wird und ob die Weltmeisterschaft wie geplant stattfinden kann, ist weiterhin ungeklärt.
Für den deutschen Eishockeysport steht dabei viel auf dem Spiel. Eine Heim-WM sollte ursprünglich ein sportlicher Höhepunkt werden. Nun droht die Veranstaltung von politischen Konflikten und organisatorischen Schwierigkeiten überschattet zu werden.