Persönliche Erinnerungen in neuem Formel-1-Buch

Mick Schumacher spricht über seinen Vater Michael: „Für mich ist er der Papa“

Eine Lektion, die Mick nie vergaß

Von Theresa Lindemann 7 Min. Lesezeit

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Der siebenmalige Weltmeister prägte mit seinen Erfolgen für die Scuderia Ferrari eine ganze Motorsportgeneration. Sein Sohn Mick Schumacher erinnert sich nun an gemeinsame Erlebnisse und den Einfluss seines Vaters auf seine eigene Rennfahrerkarriere.
Der siebenmalige Weltmeister prägte mit seinen Erfolgen für die Scuderia Ferrari eine ganze Motorsportgeneration. Sein Sohn Mick Schumacher erinnert sich nun an gemeinsame Erlebnisse und den Einfluss seines Vaters auf seine eigene Rennfahrerkarriere. Foto: Martin King

Für Millionen Motorsportfans ist Michael Schumacher einer der erfolgreichsten Rennfahrer aller Zeiten. Für seinen Sohn Mick bleibt er vor allem eines: sein Vater. In einem neuen Buch über die deutsche Formel-1-Geschichte spricht der 27-Jährige ungewöhnlich offen über seine Kindheit, gemeinsame Erlebnisse auf der Kartbahn und eine schmerzhafte Lektion, die ihn bis heute begleitet. Dabei wird deutlich, welchen Einfluss der siebenmalige Weltmeister auf die persönliche und sportliche Entwicklung seines Sohnes hatte. Zugleich blickt Mick kritisch auf seine eigenen Erfahrungen in der Formel 1 zurück.

Die Erinnerungen erscheinen in dem Buch „Über Michael Schumacher und die deutsche Ära in der Formel 1“ des Sportjournalisten Alfred Weinzierl. Der österreichische Nachrichtendienst oe24 berichtete am Montag, 2. November 2026, über die persönlichen Aussagen.

Für Mick war Michael Schumacher nie nur der Formel-1-Star

Michael Schumacher gewann sieben Weltmeisterschaften, feierte 91 Grand-Prix-Siege und prägte über viele Jahre die Formel 1.

Sein Sohn Mick wuchs damit in einer Familie auf, deren Name untrennbar mit dem internationalen Motorsport verbunden ist.

Doch während Fans und Medien Michael Schumacher vor allem als außergewöhnlichen Rennfahrer wahrnahmen, erlebte Mick eine andere Seite des Weltstars.

„Für mich ist er der Papa“, erklärt der 27-Jährige in dem neuen Buch.

Mit dieser einfachen Aussage beschreibt er ein Verhältnis, das für ihn weit über den sportlichen Erfolg hinausgeht.

Michael Schumacher war für seinen Sohn nicht nur ein Vorbild auf der Rennstrecke. Er war auch der Mensch, der ihn ermutigte, förderte und auf schwierige Situationen vorbereitete.

Mick wollte seinem Vater nacheifern, ohne ihn ausschließlich an seinen sportlichen Erfolgen zu messen.

Eine Niederlage beim Kartfahren wurde zur wichtigen Lektion

Besonders eindrücklich erinnert sich Mick an ein Erlebnis aus seiner Jugend.

Bei einer Kart-Weltmeisterschaft im italienischen Sarno lief es für ihn sportlich nicht wie erhofft.

Schon im Qualifying hatte er Schwierigkeiten. In den Ausscheidungsrennen kamen Unfälle hinzu, sodass er im Finale nur von einer hinteren Position starten konnte.

Eigentlich war geplant, einige Wochen später an einem weiteren Wettbewerb in Bahrain teilzunehmen.

Doch Michael Schumacher entschied anders.

Nach dem enttäuschenden Auftritt in Italien sagte er seinem Sohn, dass die Reise nach Bahrain ausfallen werde. Mick habe in Sarno nicht die notwendige Leistung gezeigt.

Für den jungen Rennfahrer war das zunächst ein schwerer Rückschlag.

Er fühlte sich verletzt und enttäuscht, denn er hatte sich auf das nächste Rennen gefreut.

Doch statt die Entscheidung lediglich als Strafe zu betrachten, nahm er sich vor, künftig besser zu werden.

Michael Schumacher wollte seinen Sohn auf Rückschläge vorbereiten

Erst später verstand Mick nach eigenen Angaben, was sein Vater mit der Entscheidung erreichen wollte.

Seine Mutter Corinna erklärte ihm, dass Michael bewusst beobachten wollte, wie er auf eine unangenehme Situation reagierte.

Der junge Rennfahrer sollte lernen, dass nicht jeder Wunsch erfüllt wird und sportlicher Erfolg erarbeitet werden muss.

Dazu gehörte auch, mit Kritik und Enttäuschungen umzugehen.

Mick betrachtet die damalige Entscheidung heute als Teil seiner Erziehung.

Er ist überzeugt, dass sein Vater ihm damit etwas beibringen wollte, das im professionellen Motorsport besonders wichtig ist: den Umgang mit Autorität, Druck und Rückschlägen.

Rückblickend vermutet er sogar, dass Michael ihn auf Situationen vorbereiten wollte, in denen ein Teamchef schwierige oder aus seiner Sicht ungerechte Entscheidungen trifft.

Jahre später sollte Mick solche Erfahrungen tatsächlich machen.

Schwierige Formel-1-Jahre bei Haas

2021 erfüllte sich Mick Schumacher seinen Traum vom Einstieg in die Formel 1.

Er erhielt einen Platz beim amerikanischen Haas-Team und fuhr dort zwei Saisons.

Doch der Beginn seiner Karriere in der Königsklasse verlief schwieriger als erhofft.

Das Team verfügte zunächst über ein wenig konkurrenzfähiges Fahrzeug. Gleichzeitig entwickelte sich das Verhältnis zwischen Mick und Teamchef Günther Steiner zunehmend angespannt.

In dem neuen Buch blickt Schumacher kritisch auf diese Zeit zurück.

Er schildert, dass die Zusammenarbeit von Beginn an durch Schwierigkeiten belastet gewesen sei.

Nach seiner Darstellung habe es innerhalb des Teams wiederholt Situationen gegeben, die er rückblickend als unfair empfindet.

Nach der Saison 2022 erhielt er keinen neuen Vertrag als Stammfahrer.

Damit endete seine erste Phase als Formel-1-Pilot nach zwei Jahren.

Die Bewertung dieser Zeit bleibt allerdings auch eine Frage der Perspektive. Neben den Schwierigkeiten innerhalb des Rennstalls spielten sportliche Leistungen, Fahrzeugentwicklung und wirtschaftliche Entscheidungen eine Rolle.

Bei Mercedes erlebte Mick eine andere Teamkultur

Nach seinem Abschied von Haas wechselte Mick Schumacher als Test- und Ersatzfahrer zu Mercedes.

Dort lernte er nach eigenen Angaben eine andere Form der Zusammenarbeit zwischen Fahrern und Teamverantwortlichen kennen.

Er erhielt Einblicke in die Arbeitsweise eines etablierten Rennstalls und konnte seine Erfahrungen mit der Zeit bei Haas vergleichen.

Rückblickend ist Mick überzeugt, dass seine Karriere unter anderen Bedingungen möglicherweise anders verlaufen wäre.

Besonders interessant ist seine Einschätzung zur damaligen Entscheidung für Haas.

Ein Wechsel zu Alfa Romeo hätte ihm die Möglichkeit eröffnet, gemeinsam mit dem früheren Weltmeister Kimi Räikkönen zu fahren.

Schumacher glaubt, dass er von dessen Erfahrung hätte profitieren können.

Ob seine Karriere tatsächlich erfolgreicher verlaufen wäre, lässt sich nicht feststellen. Für Mick bleibt diese Entscheidung dennoch ein wichtiger Punkt seiner sportlichen Laufbahn.

Eine weitere Entscheidung beschäftigt ihn bis heute

Auch eine frühere Möglichkeit bei Ferrari betrachtet Schumacher inzwischen mit anderen Augen.

2019 hatte ihm die Scuderia nach seinen Angaben angeboten, als Testfahrer für das Formel-1-Team zu arbeiten.

Er entschied sich dagegen und konzentrierte sich auf seine Karriere in der Formel 2.

Damals erschien ihm dieser Schritt sinnvoll, weil er sich als aktiver Rennfahrer weiterentwickeln wollte.

Heute fragt er sich, ob der frühzeitige Einstieg in die Strukturen von Ferrari eine bessere Grundlage für seine spätere Formel-1-Karriere gewesen wäre.

Die Entscheidung lässt sich nicht rückgängig machen.

Sie zeigt jedoch, dass der Sohn des siebenmaligen Weltmeisters seine berufliche Entwicklung inzwischen kritisch betrachtet und auch eigene Fehler nicht ausschließt.

Neuer Karriereabschnitt in den Vereinigten Staaten

Nach seiner Zeit in der Formel 1 und späteren Einsätzen in der Langstrecken-Weltmeisterschaft wechselte Mick Schumacher 2026 in die amerikanische IndyCar-Serie.

Damit begann für ihn ein neuer Abschnitt seiner Motorsportkarriere.

Die IndyCar-Meisterschaft stellt andere Anforderungen als die Formel 1. Neben klassischen Rundstrecken gehören auch Ovalkurse zum Rennkalender.

Für Schumacher bedeutet dies, neue Fahrzeuge, Rennstrecken und Wettbewerbsbedingungen kennenzulernen.

Interessant ist dabei ein familiärer Gegensatz: Michael Schumacher hatte den amerikanischen Formelsport während seiner eigenen Karriere kritisch betrachtet und insbesondere auf die Risiken hoher Geschwindigkeiten auf Ovalstrecken hingewiesen.

Sein Sohn versucht nun ausgerechnet dort, seine Motorsportkarriere weiterzuentwickeln.

Mick sieht sein erstes Jahr vor allem als Lernphase. Die gesammelten Erfahrungen sollen ihm helfen, künftig bessere Ergebnisse zu erzielen.

Seit dem Skiunfall schützt die Familie Michaels Privatsphäre

Die persönlichen Erinnerungen erhalten auch deshalb besondere Aufmerksamkeit, weil Michael Schumacher seit seinem schweren Skiunfall vom 29. Dezember 2013 nicht mehr öffentlich aufgetreten ist.

Der ehemalige Formel-1-Weltmeister erlitt damals in den französischen Alpen eine schwere Kopfverletzung.

Seither schützt seine Familie seine Privatsphäre konsequent.

Über seinen aktuellen Gesundheitszustand werden keine regelmäßigen öffentlichen Angaben gemacht.

Auch Micks neue Aussagen enthalten kein medizinisches Update.

Sie beziehen sich auf gemeinsame Erlebnisse aus der Zeit vor dem Unfall und auf den Einfluss seines Vaters auf seine Entwicklung.

Damit unterscheidet sich der Inhalt deutlich von den immer wieder auftauchenden Spekulationen über Michael Schumachers Gesundheitszustand.

Die Familie hat sich bewusst dafür entschieden, persönliche medizinische Informationen nicht öffentlich zu machen.

Ein Vater, dessen Einfluss weit über den Rennsport hinausgeht

Für die Öffentlichkeit bleibt Michael Schumacher vor allem der Rennfahrer, der mit Benetton und Ferrari Motorsportgeschichte geschrieben hat.

Sein Sohn erinnert sich dagegen an gemeinsame Gespräche, schwierige Entscheidungen und persönliche Erfahrungen.

Die Geschichte aus Sarno zeigt dabei eine Seite des siebenmaligen Weltmeisters, die während seiner aktiven Karriere nur selten im Mittelpunkt stand.

Michael Schumacher wollte seinen Sohn nicht ausschließlich zum Rennfahrer ausbilden. Nach Micks Erinnerung versuchte er auch, ihm Selbstständigkeit, Durchhaltevermögen und den Umgang mit Enttäuschungen zu vermitteln.

Dass Mick heute selbst über die schwierigen Jahre bei Haas und seine beruflichen Entscheidungen sprechen kann, gibt diesen Erinnerungen eine zusätzliche Bedeutung.

Die neuen Aussagen verraten nichts über Michael Schumachers heutigen Gesundheitszustand. Sie erzählen vielmehr von einem Vater, dessen Einfluss seinen Sohn bis heute begleitet – unabhängig von Weltmeistertiteln, Siegen und öffentlichem Ruhm.

Themen: MotorsportMick SchumacherMichael SchumacherFormel 1Corinna SchumacherGünther SteinerHaasMercedesFerrariIndyCarAlfred Weinzierl

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