Urteil sorgt vor der WM 2027 für Streit

Russland darf zurück: Sportgerichtshof hebt Eishockey-Sperre auf

Deutschland lehnt Rückkehr ab

Von Theresa Lindemann 3 Min. Lesezeit

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Zwei Eishockeyspieler kämpfen unmittelbar vor dem Tor um den Puck. Die Aufnahme zeigt eine Szene aus der russischen Eishockeyliga KHL. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat die Sperre gegen russische Nationalmannschaften aufgehoben und damit eine mögliche Rückkehr zu internationalen Wettbewerb
Zwei Eishockeyspieler kämpfen unmittelbar vor dem Tor um den Puck. Die Aufnahme zeigt eine Szene aus der russischen Eishockeyliga KHL. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat die Sperre gegen russische Nationalmannschaften aufgehoben und damit eine mögliche Rückkehr zu internationalen Wettbewerb Foto: khl.ru

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat die Sperre gegen russische Eishockey-Nationalmannschaften aufgehoben. Nach dem Urteil vom Freitag, 30. Oktober 2026, dürfen russische Teams grundsätzlich wieder an Wettbewerben des Eishockey-Weltverbandes IIHF teilnehmen. Damit könnte Russland bereits bei der Weltmeisterschaft im Mai 2027 in Deutschland antreten.

Die Entscheidung beendet einen mehrjährigen Rechtsstreit um die Teilnahme russischer Mannschaften, der auf den Ausschluss nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 zurückgeht. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) lehnt eine Rückkehr weiterhin ab.

Sportgerichtshof sieht keine ausreichenden Sicherheitsgründe

Der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne gab einer Berufung des Russischen Eishockeyverbandes statt. Die Richter hoben die Entscheidung der IIHF auf, russische Nationalmannschaften auch in der Saison 2026/2027 von internationalen Wettbewerben auszuschließen.

Der Weltverband hatte die Verlängerung der Sperre mit Sicherheitsbedenken begründet. Nach Auffassung des CAS wurden diese jedoch nicht ausreichend belegt.

Das Schiedsgericht stellte einstimmig fest, dass ein Ausschluss aufgrund der Nationalität nach den geltenden Verbandsregeln nur durch nachweisbare Sicherheitsrisiken gerechtfertigt werden könne.

Die Entscheidung betrifft die Rechtmäßigkeit des Ausschlusses. Ob russische Mannschaften künftig unter eigener Flagge oder mit neutralen Symbolen antreten müssen, wurde nicht entschieden.

Russland könnte bei der Weltmeisterschaft in Deutschland spielen

Besonders weitreichende Folgen hat das Urteil für die Eishockey-Weltmeisterschaft 2027, die in Deutschland ausgetragen wird.

Russlands Männer-Nationalmannschaft könnte dort erstmals seit 2022 wieder an einer Weltmeisterschaft teilnehmen. Auch die Ukraine gehört zum Teilnehmerfeld.

Neben der Männer-WM betrifft das Urteil mehrere Nachwuchsturniere sowie die Frauen-Weltmeisterschaft, die im November 2027 in Kanada stattfinden soll.

Für die Organisatoren entstehen dadurch erhebliche Schwierigkeiten. Teilnehmerfelder, Spielpläne, Unterkünfte und Sicherheitskonzepte müssen möglicherweise kurzfristig verändert werden.

Hinzu kommt die Frage, ob russische Sportler die erforderlichen Einreisegenehmigungen für die jeweiligen Gastgeberländer erhalten.

Deutscher Eishockey-Bund lehnt Rückkehr ab

Der Deutsche Eishockey-Bund reagierte ablehnend auf die Entscheidung.

„Unsere Position ist unverändert: Wir lehnen die Rückkehr russischer Nationalmannschaften zu internationalen Eishockeyturnieren ab“, erklärte DEB-Vorstandsvorsitzender Frank H. Lutz.

Nach seiner Einschätzung verändert das Urteil die Vorbereitungen auf die Heim-Weltmeisterschaft grundlegend.

Insbesondere eine Teilnahme Russlands an einem Turnier, bei dem auch die Ukraine antritt, hätte erhebliche sicherheitspolitische, politische und wirtschaftliche Auswirkungen.

Der deutsche Verband sieht deshalb weiterhin Probleme, die über die rein sportrechtliche Entscheidung hinausgehen.

Weltverband kritisiert Urteil, muss es aber umsetzen

Auch die IIHF zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung des Sportgerichtshofs.

Der Weltverband hält daran fest, dass der bisherige Ausschluss zum Schutz der Teilnehmer und zur Wahrung der Sicherheit seiner Wettbewerbe notwendig gewesen sei.

Gleichzeitig erklärte die IIHF, die Autorität des Sportgerichtshofs anzuerkennen und das Urteil umzusetzen.

Allerdings seien zahlreiche organisatorische Fragen noch ungeklärt. Die Vorbereitung internationaler Turniere sei bereits weit fortgeschritten. Eine nachträgliche Veränderung der Teilnehmerfelder könne deshalb nicht ohne umfangreiche Abstimmungen erfolgen.

Der Verband will nun gemeinsam mit den nationalen Mitgliedsverbänden, Veranstaltern und zuständigen Behörden prüfen, wie sich die Entscheidung praktisch umsetzen lässt.

Russland seit Februar 2022 ausgeschlossen

Russland gehört traditionell zu den erfolgreichen Nationen im internationalen Eishockey.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion gewann die russische Männer-Nationalmannschaft fünf Weltmeistertitel. Die sowjetische Auswahl hatte den internationalen Eishockeysport zuvor über Jahrzehnte geprägt.

Der bislang letzte Auftritt einer russischen Männer-Auswahl bei einem großen internationalen Turnier erfolgte bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking. Dort unterlag die Mannschaft im Finale Finnland.

Wenige Tage später begann Russland seine umfassende Invasion der Ukraine. Der Weltverband schloss daraufhin russische Mannschaften von seinen Wettbewerben aus.

Auch bei den Olympischen Winterspielen 2026 waren russische Eishockeyteams nicht vertreten.

Rückkehr noch nicht vollständig geklärt

Das Urteil schafft eine neue sportrechtliche Ausgangslage, beantwortet aber nicht sämtliche Fragen.

Während Russland nun grundsätzlich wieder an IIHF-Wettbewerben teilnehmen darf, müssen die Veranstalter klären, unter welchen Bedingungen dies möglich ist.

Dazu gehören die Einreisebestimmungen der Gastgeberländer, die Sicherheitsmaßnahmen vor Ort und mögliche Vorgaben zu nationalen Symbolen.

Für die Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland ist deshalb weiterhin offen, wie die russische Teilnahme konkret organisiert werden soll.

Die Entscheidung des CAS verpflichtet den Weltverband zur Aufhebung des Ausschlusses. Die politischen Spannungen zwischen Russland, der Ukraine und zahlreichen europäischen Staaten bleiben davon unberührt.

Themen: SportpolitikRusslandUkraineEishockeySportgerichtshofCASIIHFEishockey-WM 2027Deutscher Eishockey-Bund

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