Schwerin, 8. September 2026. Mecklenburg-Vorpommern und Schwarz Digits haben zwei neue Kooperationsvereinbarungen zur Digitalisierung der Landesverwaltung geschlossen. Geplant sind eine gemeinsame Behördencloud sowie ein zentraler digitaler Arbeitsplatz für rund 16.000 Lehrkräfte und Schulbeschäftigte.

Das Vorhaben reicht jedoch weit über E-Mail-Postfächer und digitale Dokumente hinaus. Auch Baugenehmigungen, automatisierte Prüfungen und ein KI-gestützter Steuerassistent sollen künftig auf der technischen Infrastruktur des zur Schwarz-Gruppe gehörenden Anbieters STACKIT betrieben werden.

Eine Cloud für Land und Kommunen

Kern des Vorhabens ist die sogenannte MV-Cloud. Sie soll als hybride Infrastruktur aufgebaut werden und die Sicherheit einer abgeschirmten privaten Cloud mit den flexiblen Kapazitäten einer öffentlichen Cloud verbinden.

Nach den Plänen des Landes sollen nicht nur Ministerien und Landesbehörden auf die Infrastruktur zugreifen. Auch Kommunen sollen gemeinsame technische Standards und zentrale Anwendungen nutzen können. Damit will Mecklenburg-Vorpommern Doppelentwicklungen vermeiden und den Betrieb digitaler Verwaltungsleistungen vereinheitlichen.

Dieser Ansatz kann gerade kleineren Städten und Gemeinden helfen. Viele Kommunen verfügen weder über eigene Rechenzentren noch über ausreichend Fachpersonal, um umfangreiche digitale Angebote dauerhaft sicher zu betreiben. Gemeinsame Lösungen können Entwicklung, Wartung und Schutz vor Cyberangriffen erleichtern.

Ob diese Vorteile tatsächlich entstehen, hängt jedoch von der konkreten Ausgestaltung ab. Das Land hat bisher weder die voraussichtlichen Gesamtkosten noch einen verbindlichen Einführungsplan oder die Laufzeit der Zusammenarbeit veröffentlicht.

openDesk für 16.000 Beschäftigte

Für die Schulen soll auf Grundlage der Open-Source-Plattform openDesk ein einheitlicher Arbeitsplatz entstehen. Vorgesehen sind E-Mail, Kalender, Textverarbeitung, Dateiablage und Werkzeuge für die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten.

Rund 16.000 Lehrkräfte und weitere Schulbeschäftigte sollen das System schrittweise nutzen können. Mecklenburg-Vorpommern will dadurch unterschiedliche Einzellösungen ersetzen und den Zugriff unabhängig vom verwendeten Gerät ermöglichen.

Open-Source-Software bietet grundsätzlich die Möglichkeit, Programmcode zu prüfen und Anwendungen weiterzuentwickeln. Sie kann außerdem die Abhängigkeit von einzelnen internationalen Softwarekonzernen verringern. Daraus folgt aber nicht automatisch vollständige Unabhängigkeit.

Entscheidend ist, wer die Infrastruktur kontrolliert, wo die Daten verarbeitet werden und wie leicht ein Wechsel des Betreibers möglich bleibt. Ein offenes Programm kann weiterhin auf einer Plattform laufen, deren technische und vertragliche Bedingungen von einem einzelnen Anbieter geprägt werden.

KI soll Bauanträge und Steuerfälle prüfen

Besonders weitreichend sind die Pläne für digitale Baugenehmigungen. Mecklenburg-Vorpommern hat das Onlineverfahren nach dem Prinzip „Einer für alle“ entwickelt. Nach Angaben des Landes nutzen bereits 14 Bundesländer die gemeinsame Lösung.

Künftig soll die Plattform auf STACKIT betrieben und um mehrere KI-Komponenten ergänzt werden. Ein digitaler Assistent soll Bürger und Beschäftigte durch das Antragsverfahren führen. Baurechtliche Vorschriften sollen maschinenlesbar aufbereitet werden, damit bestimmte Prüfschritte automatisiert erfolgen können.

Darüber hinaus bereitet das Land den Einsatz sogenannter agentischer KI vor. Solche Systeme können selbstständig mehrere Arbeitsschritte ausführen, Informationen zusammenführen und Entscheidungsvorschläge erstellen. Die abschließende Verantwortung muss dennoch bei den zuständigen Beschäftigten bleiben.

Auch der KI-basierte Steuerassistent „TaxBot MAXi“ soll eingesetzt werden. Er ist für die Recherche, Analyse, Texterstellung und Übersetzung innerhalb der Finanzverwaltung vorgesehen. Steuerdaten zählen allerdings zu den sensibelsten Informationen, die staatliche Stellen verarbeiten.

Souveränität braucht klare Regeln

Die Entscheidung für einen deutschen Cloudanbieter kann die Abhängigkeit von außereuropäischen Plattformen verringern. Gleichzeitig entsteht eine umfangreiche Partnerschaft mit der Digitalsparte eines großen Handelskonzerns.

Das ist nicht grundsätzlich problematisch. Es verlangt jedoch Transparenz über Kosten, Vergabeverfahren, Datenschutz, Kontrollrechte und technische Ausstiegsmöglichkeiten. Digitale Souveränität bedeutet nicht nur, dass Server in Deutschland stehen. Sie setzt voraus, dass der Staat seine Systeme jederzeit prüfen, übertragen und unabhängig weiterbetreiben kann.

Für die Bürger wird der Erfolg daran messbar sein, ob Verfahren tatsächlich schneller werden. Eine digitale Oberfläche allein verkürzt noch keine Bearbeitungszeit, wenn dahinter weiterhin komplizierte Zuständigkeiten und nicht miteinander verbundene Fachprogramme bestehen.

Mecklenburg-Vorpommern startet eines der weitreichendsten Verwaltungsprojekte der ostdeutschen Länder. Bevor Cloud und KI in Schulen, Bauämtern und Finanzbehörden zum Alltag werden, sollte die Landesregierung einen überprüfbaren Zeit-, Kosten- und Sicherheitsplan vorlegen.

Quellen

Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern, Medieninformation vom 7. September 2026