Auf dem Alten Friedhof in Schwerin sind 23 Messing-Grabplatten von einer Kriegsgräberstätte gestohlen worden. Das Fehlen der Platten wurde am 6. August festgestellt. Nach einer ersten Einschätzung der Stadt liegt der entstandene materielle Schaden bei rund 70.000 Euro. Die Landeshauptstadt hat Anzeige erstattet und bittet mögliche Zeugen, sich bei der Polizei zu melden.

Einzelne Platte hat einen Wert von rund 3.000 Euro

Nach Angaben der Stadt wird der materielle Wert einer einzelnen Messingplatte auf etwa 3.000 Euro beziffert. Bei insgesamt 23 fehlenden Platten ergibt sich damit ein Schaden in einer Größenordnung von rund 70.000 Euro.

Der finanzielle Verlust ist allerdings nur ein Teil der Folgen. Die Platten gehören zu einer Kriegsgräberstätte und damit zu einem Ort, der der Erinnerung an Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft dient.

Die Stadt bewertet den Diebstahl deshalb nicht allein als Beschädigung beziehungsweise Verlust wertvoller Bestandteile der Anlage, sondern als erheblichen Eingriff in einen Gedenkort.

Bereits zuvor waren drei Platten verschwunden

Es handelt sich offenbar nicht um den ersten Vorfall dieser Art innerhalb kurzer Zeit. Bereits rund eineinhalb Wochen vor der aktuellen Feststellung waren drei Messing-Grabplatten aus der Anlage verschwunden.

In diesem Fall nahm die Geschichte noch eine vergleichsweise glimpfliche Wendung: Die drei Platten konnten bereits einen Tag später in der näheren Umgebung gefunden werden. Sie lagen in einem Gebüsch und konnten wieder sichergestellt werden.

Ob zwischen diesem früheren Vorfall und dem aktuellen Diebstahl der 23 Platten ein Zusammenhang besteht, geht aus der Mitteilung der Stadt nicht hervor. Auch zu möglichen Tatzeiten, Verdächtigen oder weiteren Spuren liegen bislang keine veröffentlichten Angaben vor.

Kriegsgräberstätte ist Teil eines historischen Erinnerungsortes

Der Alte Friedhof gehört zu den bedeutenden historischen Friedhofsanlagen Schwerins. Auf dem Gelände befinden sich mehrere Bereiche mit Gräbern von Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft.

Solche Anlagen erfüllen eine besondere Funktion. Sie sind nicht nur Grabstätten, sondern zugleich dauerhaft angelegte Orte des Erinnerns und Gedenkens.

Gerade deshalb geht der Schaden über den reinen Materialwert hinaus. Wenn Namens- oder Gedenkplatten entfernt werden, wird die historische Zuordnung einzelner Gräber oder Grabfelder beeinträchtigt. Die Erinnerung an die dort bestatteten Menschen ist unmittelbar mit diesen Kennzeichnungen verbunden.

Für die Stadt bedeutet der Vorfall deshalb neben der strafrechtlichen Aufarbeitung voraussichtlich auch die Aufgabe, den ursprünglichen Zustand der Anlage wiederherzustellen. Zu möglichen Kosten oder einem Zeitplan für Ersatzplatten wurden bislang jedoch keine weiteren Angaben gemacht.

Stadt hat den Diebstahl angezeigt

Die Landeshauptstadt Schwerin hat den Sachverhalt nach eigenen Angaben zur Anzeige gebracht und steht mit der Polizei im Austausch.

Die Ermittlungen sollen nun klären, wann die Platten entfernt wurden und wer für den Diebstahl verantwortlich ist. Auch die Frage, ob die Täter gezielt wegen des Materialwertes der Messingplatten handelten, ist bislang nicht beantwortet.

Die Stadt macht hierzu keine Vermutungen. Entsprechend bleibt auch offen, ob einzelne Platten möglicherweise noch in der Umgebung liegen oder bereits abtransportiert wurden.

Der frühere Fund von drei entwendeten Platten in einem Gebüsch zeigt zumindest, dass Hinweise aus dem Umfeld der Anlage für die Ermittlungen von Bedeutung sein können.

Zeugen sollen sich bei der Polizei melden

Die Stadt bittet Menschen, die auf dem Alten Friedhof oder in dessen Umgebung verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich direkt an die Polizei zu wenden.

Relevant könnten insbesondere Beobachtungen von Personen oder Fahrzeugen sein, die sich zu ungewöhnlichen Zeiten im Bereich der Kriegsgräberstätte aufgehalten haben oder mit schweren Gegenständen unterwegs waren.

Auch Hinweise auf abgelegte Metallplatten oder andere ungewöhnliche Funde in der Umgebung können für die Ermittlungen wichtig sein.

Wer entsprechende Beobachtungen gemacht hat, sollte diese möglichst genau mit Datum, Uhrzeit, Ort und gegebenenfalls Fahrzeug- oder Personenbeschreibung an die Polizei weitergeben.

Diebstahl trifft einen besonders sensiblen Ort

Der aktuelle Fall hebt sich von einem gewöhnlichen Metalldiebstahl dadurch ab, dass die entwendeten Gegenstände Bestandteil einer Kriegsgräberstätte sind.

Diese Orte sollen dauerhaft an Menschen erinnern, die durch Krieg und Gewaltherrschaft ums Leben kamen. Die Entfernung von Grabplatten beschädigt deshalb nicht nur die Anlage selbst, sondern beeinträchtigt auch deren Funktion als Erinnerungsort.

Die Stadt setzt nun auf die Unterstützung möglicher Zeugen, um die 23 verschwundenen Platten möglichst wiederzufinden und die Verantwortlichen zu ermitteln.

Quellen

Landeshauptstadt Schwerin – Presseinformation zum Diebstahl von 23 Messing-Grabplatten auf dem Alten Friedhof

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge – Informationen zur Kriegsgräberstätte Alter Friedhof Schwerin