Wahlurne im Gemeinderaum der Moschee
Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl können einige Wahlberechtigte im Bezirk Pankow ihre Stimmen auf dem Gelände der Khadija-Moschee abgeben. Im Gemeinderaum der Moschee in Berlin-Heinersdorf hat das Bezirkswahlamt ein reguläres Wahllokal eingerichtet.
Die Khadija-Moschee gehört zur Ahmadiyya Muslim Jamaat. Nach Angaben aus der Gemeinde dürfte sie bei der heutigen Wahl die einzige Moschee Berlins sein, die als Wahllokal genutzt wird.
Neu ist die Nutzung religiöser Einrichtungen für Wahlen grundsätzlich nicht. Auch Kirchen sowie christliche und jüdische Gemeinderäume dienen in Berlin als Wahllokale. Die Khadija-Moschee selbst wurde bereits bei der Europawahl 2024 für eine Wahl genutzt.
Bezirkswahlamt: „Teil unserer Gesellschaft“
Der Leiter des Pankower Bezirkswahlamtes, Marc Albrecht, begründete die Auswahl mit dem Bedarf an zahlreichen geeigneten Räumen und der Vielfalt des Bezirks. Neben muslimischen Einrichtungen würden auch christliche und jüdische Gemeinderäume genutzt.
Für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus stehen stadtweit mehr als 2.500 Urnenwahllokale zur Verfügung. Rund 2,5 Millionen Berlinerinnen und Berliner sind zur Wahl aufgerufen. Die Wahllokale sind am Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet.
Kritik in sozialen Netzwerken
Die Entscheidung, einen Gemeinderaum auf dem Moscheegelände als Wahllokal zu nutzen, hat zugleich Diskussionen ausgelöst. In sozialen Netzwerken wurde unter anderem auf die Trennung von Staat und Religion verwiesen.
Imam Scharjil Khalid weist diese Kritik zurück und verweist darauf, dass religiöse Einrichtungen anderer Glaubensgemeinschaften seit Langem Räume für Wahlen zur Verfügung stellen. Er bezeichnete die Nutzung des Gemeinderaums als Ausdruck demokratischer Normalität.
Entscheidend für die Durchführung der Wahl ist dabei nicht die religiöse Funktion des Gebäudes: Das Wahllokal selbst wird vom zuständigen Bezirkswahlamt eingerichtet und nach den gleichen Wahlregeln betrieben wie andere Berliner Wahllokale.
Moschee steht seit 2008 in Heinersdorf
Die Khadija-Moschee wurde 2008 in Berlin-Heinersdorf eröffnet und gilt als erstes eigens errichtetes islamisches Gotteshaus im Ostteil Berlins. Ihr Bau hatte seinerzeit intensive öffentliche Debatten und Proteste ausgelöst.
Heute gehört die Moschee zum religiösen und gesellschaftlichen Leben des Bezirks. Die Ahmadiyya-Gemeinde beteiligt sich regelmäßig an Dialog- und Sozialprojekten.
Dass am heutigen Wahlsonntag in einem ihrer Gemeinderäume Stimmzettel ausgefüllt und Wahlurnen aufgestellt werden, ist damit nicht nur eine ungewöhnliche Randnotiz der Berlin-Wahl. Es zeigt zugleich, wie unterschiedlich die Orte sein können, an denen in einer Millionenstadt Wahlen organisiert werden.