Letzter Intercity verlässt Gera

Für Gera endet am Sonntag ein Kapitel Bahngeschichte.

Zum letzten Mal verkehren Intercity-Züge der Deutschen Bahn zwischen Gera und Erfurt. Damit verliert die zweitgrößte Stadt Thüringens ihre letzte direkte Fernverkehrsverbindung. Ab Montag, 21. September, wird Gera nicht mehr von einem Intercity oder ICE bedient.

Die Verbindung war erst 2018 nach zwölf Jahren Pause wieder eingeführt worden. Über Erfurt und Kassel konnten Reisende unter anderem ohne Umstieg in Richtung Nordrhein-Westfalen fahren.

Nun ist erneut Schluss.

Regionalexpress soll Intercity ersetzen

Auf dem Thüringer Abschnitt sollen zusätzliche Regionalexpress-Züge zwischen Gera und Erfurt die wegfallenden Intercity-Verbindungen ersetzen.

Für den Regionalverkehr bleibt die Verbindung damit grundsätzlich bestehen.

Für Reisende mit weiter entfernten Zielen ändert sich allerdings einiges: Sie müssen künftig in Erfurt vom Regional- in den Fernverkehr umsteigen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn spricht deshalb von einer „spürbaren Verschlechterung“. Durch Umstieg und Wartezeit könne sich die Reise für Fernreisende um mehr als 20 Minuten verlängern.

Deutsche Bahn verweist auf geringe Nachfrage

Nach Angaben der Deutschen Bahn waren auf der Intercity-Verbindung zwischen Gera und Erfurt zu wenige Reisende unterwegs.

Gleichzeitig beginnt auf der sogenannten Mitte-Deutschland-Verbindung ein umfangreicher Ausbau.

Die DB bestätigt, dass ab dem 21. September alle Intercity-Züge zwischen Erfurt, Weimar, Jena und Gera entfallen. Als Ersatz verkehren zwei schnelle ICE-Zugpaare zwischen Nordrhein-Westfalen, Kassel, Erfurt und Leipzig – allerdings über die Schnellfahrstrecke und damit ohne Gera.

Damit fährt der schnelle Fernverkehr künftig an Ostthüringen vorbei.

Gera war seit 2018 wieder am Fernverkehrsnetz

Für die Stadt ist der Schritt auch symbolisch bedeutsam.

Am 9. Dezember 2018 war Gera nach zwölf Jahren ohne Fernverkehr wieder an das Intercity-Netz angeschlossen worden. Zeitweise bestanden mehrere Verbindungen über Erfurt in Richtung Kassel, Düsseldorf und Köln.

Acht Jahre später endet diese Phase zunächst wieder.

Nach Angaben aus Gera fährt am Sonntagabend IC 2157 als einer der letzten Intercity-Züge in der Stadt ein.

Milliardenprojekt soll Strecke modernisieren

Langfristig soll die Bahninfrastruktur in Ostthüringen deutlich verbessert werden.

Die Strecke zwischen Weimar, Gera und Gößnitz soll durchgehend zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden. Nach aktuellem Planungsstand sollen wesentliche Ausbauarbeiten bis 2032 erfolgen.

Das Projekt gilt seit Jahren als eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben für Ostthüringen.

Die Elektrifizierung könnte perspektivisch wieder bessere Voraussetzungen für Fernverkehr schaffen. Wann tatsächlich wieder Intercity- oder ICE-Züge nach Gera fahren, ist derzeit jedoch nicht verbindlich festgelegt.

Bauarbeiten beginnen unmittelbar

Schon ab Montag beginnen zusätzliche Arbeiten im Geraer Hauptbahnhof.

Zwischen dem 21. September und 16. November sollen in 15 Gleisen unter anderem Schwellen ausgetauscht und eine Weiche erneuert werden. Auch auf den Regionalexpress-Linien sind deshalb zeitweise Einschränkungen und Ersatzverkehre angekündigt.

Damit fällt das Ende des Intercity-Verkehrs unmittelbar mit umfangreichen Bauarbeiten zusammen.

Ostthüringen verliert direkte Verbindung in den Westen

Für Gera geht es dabei um mehr als einen einzelnen Zug.

Direkte Fernverkehrsverbindungen sind für Städte ein Standortfaktor. Sie beeinflussen Erreichbarkeit, Geschäftsreisen und touristische Verbindungen.

Von Montag an müssen Fahrgäste aus Gera für Fernreisen über Erfurt oder andere Knotenpunkte umsteigen.

Die Deutsche Bahn investiert gleichzeitig Milliarden in die Modernisierung des Netzes und verspricht langfristig bessere Verbindungen.

Für die Menschen in Gera beginnt jedoch zunächst eine andere Realität:

Der letzte Intercity ist weg – und wann der Fernverkehr zurückkehrt, bleibt offen.