Rostock entwickelt sich zu einem der wichtigsten deutschen Standorte für den Bau großer Offshore-Konverterplattformen. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat einen zweiten Großauftrag vergeben, der zu wesentlichen Teilen bei Neptun Smulders in Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt werden soll.
Bereits im Juni war ein erster Auftrag für eine große Konverterplattform nach Rostock-Warnemünde gegangen. Nun folgt ein zweites Vorhaben vergleichbarer Größenordnung. Das Gesamtvolumen beider Projekte beläuft sich nach Angaben der Landesregierung auf rund 2,5 Milliarden Euro für Produktion und Dienstleistungen in Mecklenburg-Vorpommern.
Plattformen machen Windstrom transportfähig
Die gewaltigen Anlagen werden auf See benötigt, um den Strom großer Offshore-Windparks für den Transport an Land vorzubereiten. Die Plattformen wandeln den von den Windenergieanlagen erzeugten Wechselstrom in Gleichstrom um. Dadurch lassen sich große Strommengen über weite Strecken mit geringeren Verlusten übertragen.
Neptun Smulders vereint die Erfahrungen der traditionsreichen Neptun Werft mit dem Wissen des internationalen Stahlbauunternehmens Smulders. Hinter dem Gemeinschaftsunternehmen stehen die Meyer-Werft-Gruppe und der französische Baukonzern Eiffage.
Das Unternehmen will komplette Offshore-Plattformen einschließlich des Stahlbaus und der technischen Komponenten liefern. Dafür wird der Standort in Rostock-Warnemünde schrittweise auf die Fertigung besonders großer Bauteile vorbereitet.
Milliardenprojekte sichern industrielle Wertschöpfung
Die Aufträge sind für Mecklenburg-Vorpommern von besonderer Bedeutung. Sie schaffen langfristige Arbeit für Werften, Zulieferer, Ingenieurbüros und weitere Dienstleister. Zugleich entsteht an der Ostseeküste ein neuer industrieller Schwerpunkt für die Energiewende.
Die Landesregierung hatte bereits nach der ersten Vergabe erklärt, dass beide Plattformprojekte für industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Zukunftstechnologien stehen. Mit dem zweiten Auftrag erhält diese Entwicklung zusätzliche Planungssicherheit.
Für Rostock bedeutet das Vorhaben zugleich eine Erweiterung der traditionellen Werftindustrie. Statt ausschließlich Schiffe zu bauen, entstehen künftig komplexe Energieanlagen für den Einsatz auf hoher See.
Rostock profitiert von neuer Nachfrage
Der Ausbau der Windenergie auf See erfordert in den kommenden Jahren zahlreiche neue Netzanschlüsse. Damit wächst auch der Bedarf an Konverterplattformen. Rostock kann sich durch die beiden Großaufträge dauerhaft als Fertigungsstandort in diesem Markt etablieren.
Entscheidend wird nun sein, dass möglichst große Teile der Wertschöpfung tatsächlich in Mecklenburg-Vorpommern bleiben. Neben den unmittelbar beteiligten Unternehmen könnten davon zahlreiche mittelständische Zulieferer in der Region profitieren.
Quellen: Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern: Milliarden-Investitionen für Konverterplattformen, Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern: Medientermin bei Neptun Smulders und 50Hertz, Neptun Smulders Engineering