Ilmenau. Die Technische Universität Ilmenau hat am Donnerstag eine neue Großanlage zur Erforschung virtueller und erweiterter Welten eröffnet. Die sogenannte CAVE ist eine fünfseitige Projektionsumgebung, in der sich Menschen innerhalb dreidimensionaler Szenarien bewegen und mit virtuellen Objekten interagieren können.

Die Anlage bildet das Herzstück des Visualization Labs am Ilmenau Interactive Immersive Technologies Center, kurz I3TC. Insgesamt verfügt das Zentrum über vier Großlabore, in denen immersive Medien und Technologien umfassend erforscht werden sollen.

Der Aufbau der CAVE kostete nach Angaben der Universität 1,65 Millionen Euro. Der Freistaat Thüringen beteiligte sich mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung mit knapp einer Million Euro an der Finanzierung.

Fünf Projektionsflächen umgeben die Nutzer

Die CAVE besteht aus einem fünf mal fünf Meter großen Boden und mehr als drei Meter hohen Projektionswänden. Dadurch entsteht ein begehbarer virtueller Raum, der die Nutzer nahezu vollständig umgibt. Auf den Projektionsflächen können dreidimensionale Umgebungen realitätsnah dargestellt werden.

Nach Angaben der TU Ilmenau bietet die Anlage deutschlandweit bislang einzigartige technische Möglichkeiten. Zwei Personen können gleichzeitig unterschiedliche Ansichten derselben virtuellen Umgebung wahrnehmen. Damit lassen sich sowohl das Verhalten der Nutzer als auch ihre Interaktionen mit digitalen Objekten untersuchen.

In den Boden der Anlage wurden außerdem Kraftmessplatten integriert. Sie erfassen Bewegungen sowie körperliche Reaktionen und ermöglichen es den Wissenschaftlern, die Verbindung zwischen Mensch und virtueller Umgebung genauer zu analysieren.

Neun Jahre von der Idee bis zur Eröffnung

Die ersten Konzepte für die CAVE entstanden bereits im Jahr 2017. Bis zur Fertigstellung vergingen neun Jahre. Neben der technischen Planung mussten die Projektionsflächen, die Messsysteme und die erforderliche Rechentechnik aufeinander abgestimmt werden.

Das neue Großlabor soll künftig für Forschungsprojekte in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden. Dazu gehören die Mensch-Technik-Interaktion, virtuelle Produktionsverfahren, das sogenannte Industrial Metaverse, Telepräsenz, digitale Zwillinge, Gaming und die Visualisierung komplexer Daten.

Auch gemeinsame Projekte mit Unternehmen sind vorgesehen. Industriebetriebe könnten in der Anlage beispielsweise Produktionsabläufe simulieren, Maschinen virtuell prüfen oder digitale Abbilder neuer Produkte untersuchen, bevor diese tatsächlich gebaut werden.

Studierende arbeiten mit Technologien von morgen

Von der neuen Anlage profitieren neben den Wissenschaftlern auch zahlreiche Studiengänge der TU Ilmenau. Dazu zählen Informatik, Medieningenieurwissenschaften, Ingenieurinformatik sowie die angewandte Medien- und Kommunikationswissenschaft.

Auch internationale Studienangebote wie Research in Computer and Systems Engineering sowie Media and Communication Science sollen die Technik nutzen. Die Universität will ihren Studierenden damit eine praxisnahe Ausbildung an modernen Audio- und Videosystemen ermöglichen.

TU-Präsident Professor Kai-Uwe Sattler erklärte zur Eröffnung, die CAVE ermögliche nicht nur die Darstellung immersiver virtueller Umgebungen. Mit ihr könne auch erforscht werden, wie sich Menschen in diesen Räumen verhalten und mit ihnen interagieren.

Für die Studierenden eröffne das Großlabor zugleich die Möglichkeit, „schon heute mit Technologien von morgen zu arbeiten“.

TU Ilmenau stärkt Forschung und Industriekooperation

Mit der CAVE erweitert die Technische Universität Ilmenau ihre Forschungsinfrastruktur in einem Bereich, der für Wissenschaft und Wirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt. Virtuelle Umgebungen kommen längst nicht mehr nur bei Computerspielen zum Einsatz. Sie werden unter anderem in der Industrie, der Medizin, der Fahrzeugentwicklung, der Architektur und der Ausbildung genutzt.

Das Ilmenau Interactive Immersive Technologies Center bündelt dafür moderne Audio- und Videotechnologien an einem Standort. Die neue Großprojektion soll nun zum zentralen Versuchslabor für realitätsnahe virtuelle Räume werden.

Quelle: Technische Universität Ilmenau, Medieninformation vom 17. September 2026