Für Millionen Menschen in Deutschland reichen die monatlichen Einnahmen nicht aus, um alle Rechnungen pünktlich zu bezahlen.
Rund 3,8 Millionen Menschen lebten im Jahr 2025 in Haushalten, die bei Rechnungen von Versorgungsunternehmen wie Strom- oder Gasanbietern im Zahlungsverzug waren.
Das entspricht 4,6 Prozent der Bevölkerung.
Die Zahlen stammen aus der europäischen Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen und wurden vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht.
Mieter deutlich häufiger im Zahlungsverzug
Besonders stark betroffen sind Menschen, die zur Miete wohnen.
In Eigentümerhaushalten lebten 3,3 Prozent der Menschen in Haushalten mit entsprechenden Zahlungsrückständen.
Bei Mietern waren es dagegen 5,8 Prozent.
Damit liegt der Anteil bei Mietern erheblich höher.
Gerade bei Haushalten mit niedrigen und mittleren Einkommen können Nachzahlungen für Strom, Gas oder Nebenkosten schnell zum Problem werden.
Miete, Energie, Lebensmittel, Versicherungen und Mobilität gehören zu den Ausgaben, die sich kurzfristig kaum reduzieren lassen.
Kommt dann eine hohe Nachzahlung hinzu, fehlt vielen Haushalten der finanzielle Puffer.
Nebenkosten steigen stärker als die Inflation
Zusätzlich erhöhen sich die Kosten rund ums Wohnen.
Die Preise für Wohnungsnebenkosten lagen im August 2026 3,1 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Damit stiegen sie etwas stärker als die allgemeinen Verbraucherpreise, die im gleichen Zeitraum um 2,9 Prozent zunahmen.
Zu den Wohnungsnebenkosten gehören unter anderem Wasserversorgung, Müllabfuhr, Gebäudereinigung, Aufzugswartung und weitere Dienstleistungen.
Viele dieser Ausgaben können Mieter kaum beeinflussen.
Haushaltsenergie leicht günstiger – aber weiter teuer
Bei der eigentlichen Haushaltsenergie sieht die Entwicklung auf den ersten Blick besser aus.
Strom, Gas, Heizöl, Fernwärme sowie feste Brennstoffe waren im August zusammen 0,7 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Energie wieder billig wäre.
Die Preise waren während der Energiekrise erheblich gestiegen und befinden sich nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes weiterhin auf einem hohen Niveau.
Ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr gleicht die massiven Preissteigerungen der vergangenen Jahre nicht automatisch aus.
Etwas weniger Betroffene als im Vorjahr
Zumindest ein Wert hat sich verbessert.
2024 lebten noch 5,0 Prozent der Bevölkerung in Haushalten mit Zahlungsrückständen bei Versorgungsunternehmen.
2025 waren es 4,6 Prozent.
Die Zahl der Betroffenen ging damit zurück.
Trotzdem bleibt die Größenordnung erheblich.
3,8 Millionen Menschen entsprechen ungefähr der Einwohnerzahl einer deutschen Metropolregion.
Hinter der Statistik stehen Menschen, die Rechnungen aufschieben müssen, weil das Geld nicht für alle laufenden Kosten reicht.
Energiepreise bleiben soziale Frage
Damit wird erneut deutlich, warum die Debatte über Energiepreise weit über Wirtschaftspolitik hinausgeht.
Strom und Wärme gehören zu den Grundbedürfnissen.
Niemand kann im Winter einfach auf Heizung verzichten.
Auch Kühlschrank, Herd, Licht oder Waschmaschine sind keine Luxusgüter.
Wenn Millionen Menschen Rechnungen von Versorgungsunternehmen nicht pünktlich bezahlen können, ist das deshalb mehr als eine Randnotiz der Statistik.
Es ist ein deutliches Zeichen dafür, wie angespannt die finanzielle Situation eines Teils der Bevölkerung weiterhin ist.