Der Preisdruck in der deutschen Wirtschaft nimmt wieder deutlich zu.
Die Verkaufspreise im Großhandel lagen im August 6,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Gegenüber Juli erhöhten sie sich um weitere 0,9 Prozent.
Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit.
Einen stärkeren Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat hatte es zuletzt im Februar 2023 gegeben. Damals lagen die Großhandelspreise 9,5 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Mineralölprodukte 36,1 Prozent teurer
Haupttreiber sind erneut Energie und Rohstoffe.
Mineralölerzeugnisse waren im August auf Großhandelsebene 36,1 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.
Allein gegenüber Juli stiegen die Preise noch einmal um 4,8 Prozent.
Auch andere für Industrie, Bau und Handwerk wichtige Materialien wurden deutlich teurer.
Nicht-Eisen-Erze, Metalle und Metallhalbzeuge verteuerten sich um 27,4 Prozent.
Chemische Erzeugnisse kosteten 13,6 Prozent mehr als im August 2025.
Datenverarbeitungsgeräte und entsprechende Peripherie waren 11,1 Prozent teurer.
Iran-Krieg schlägt auf deutsche Preise durch
Das Statistische Bundesamt nennt die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten ausdrücklich als wesentlichen Grund für die Entwicklung.
Durch die Konflikte sind Energie- und Rohstoffmärkte erheblich unter Druck geraten.
Die Auswirkungen treffen Deutschland besonders stark, weil Industrie, Handel und Transport auf große Mengen importierter Rohstoffe und Energie angewiesen sind.
Die Entwicklung der Großhandelspreise ist deshalb wirtschaftspolitisch bedeutsam.
Sie entscheidet zwar nicht automatisch darüber, was Verbraucher einige Wochen später im Supermarkt bezahlen.
Doch wenn Unternehmen für Energie, Rohstoffe und Vorprodukte deutlich mehr zahlen müssen, können diese Kosten früher oder später in den Verkaufspreisen landen.
Inflationsrate liegt bereits bei 2,9 Prozent
Die Verbraucherpreise sind schon jetzt wieder stärker gestiegen.
Die Inflationsrate in Deutschland lag im August bei 2,9 Prozent. Im Juli waren es 2,8 Prozent, im Juni noch 2,3 Prozent.
Besonders die Energieentwicklung bereitet Sorgen.
Während Haushaltsstrom oder Gas nicht in allen Bereichen teurer wurden, wirken sich hohe Kraftstoff- und Transportkosten auf praktisch die gesamte Wirtschaft aus.
Jede Ware muss produziert, gelagert oder transportiert werden.
Steigt der Dieselpreis, steigen deshalb nicht nur die Kosten des Autofahrers an der Tankstelle.
Auch Speditionen, Lieferdienste, Bauunternehmen, Landwirtschaft und Handwerk zahlen mehr.
Mittelstand zwischen Kosten und schwacher Nachfrage
Für Unternehmen entsteht damit ein schwieriger Spagat.
Sie können höhere Einkaufspreise entweder selbst tragen oder an ihre Kunden weitergeben.
Beides birgt Risiken.
Wer die Kosten selbst übernimmt, verliert Marge.
Wer die Preise erhöht, riskiert, Kunden zu verlieren.
Gerade für kleinere Unternehmen mit geringen finanziellen Reserven wird diese Situation schnell gefährlich.
Hinzu kommt, dass die Zahl der Insolvenzen bereits deutlich gestiegen ist. Allein im Juni registrierten die deutschen Amtsgerichte 2.266 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 15,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Einige Lebensmittel werden günstiger
Die Statistik zeigt allerdings nicht überall steigende Preise.
Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette waren auf Großhandelsebene 10,3 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor.
Fleisch und Fleischwaren verbilligten sich um 6,7 Prozent.
Lebende Tiere waren sogar 18,3 Prozent günstiger.
Eine flächendeckende neue Preisexplosion lässt sich aus den Daten deshalb noch nicht ableiten.
Doch der starke Anstieg bei Energie, Metallen und chemischen Produkten ist ein Warnsignal.
Denn genau diese Güter stehen am Anfang vieler Produktions- und Lieferketten.
Was heute im Großhandel teurer wird, kann morgen beim Unternehmen und übermorgen beim Verbraucher ankommen.