ArcelorMittal hat den ursprünglichen Milliardenplan für die klimafreundliche Umrüstung in Eisenhüttenstadt gestoppt. Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement besuchte das Werk am Montag, weil die Zukunft des Industriestandorts weiter von Energiepreisen und Investitionsbedingungen abhängt.
Der Standort gehört zu den wichtigsten Industriezentren Ostbrandenburgs. In Eisenhüttenstadt betreibt ArcelorMittal ein integriertes Hüttenwerk mit Hochofen, Stahlwerk, Warm- und Kaltwalzwerk sowie Anlagen zur Weiterverarbeitung.
Am Montag traf Wirtschaftsministerin Klement die Geschäftsführung des Unternehmens. Anschließend war ein gemeinsames Pressestatement mit ArcelorMittal-Deutschlandchef Dr. Rainer Böse vorgesehen.
Milliardenprojekt wurde gestoppt
Ursprünglich wollte ArcelorMittal seine Stahlproduktion in Bremen und Eisenhüttenstadt grundlegend umbauen.
Geplant waren neue Anlagen zur Direktreduktion von Eisenerz und Elektrolichtbogenöfen. Der Bund hatte dafür staatliche Unterstützung von 1,3 Milliarden Euro vorgesehen.
Das Gesamtprojekt für die beiden deutschen Standorte sollte nach früheren Angaben des Unternehmens ein Investitionsvolumen von rund 2,5 Milliarden Euro erreichen.
Im Juni 2025 zog ArcelorMittal jedoch die Reißleine.
Der Konzern erklärte, dass sich die Investitionen unter den damaligen Markt-, Energie- und politischen Rahmenbedingungen wirtschaftlich nicht darstellen ließen. Weil die Fördervereinbarung einen Baubeginn bis Juni 2025 verlangte, musste ArcelorMittal dem Bund mitteilen, dass das Projekt in dieser Form nicht umgesetzt wird.
Elektrolichtbogenofen bleibt eine Option
Damit ist die Transformation des Werkes allerdings nicht vollständig beendet.
ArcelorMittal verfolgt inzwischen einen schrittweisen Ansatz. Für Bremen und Eisenhüttenstadt wird weiterhin detailliert untersucht, unter welchen Bedingungen künftig Elektrolichtbogenöfen gebaut werden könnten.
Diese Anlagen können Stahl mit einem höheren Anteil an Stahlschrott und erneuerbarem Strom herstellen. Gegenüber der klassischen Hochofenroute lässt sich der CO₂-Ausstoß dadurch erheblich reduzieren.
Eine endgültige Investitionsentscheidung für Eisenhüttenstadt gibt es bislang jedoch nicht.
Entscheidend ist aus Sicht des Unternehmens, ob sich eine solche Produktion langfristig wirtschaftlich betreiben lässt.
Energiepreise entscheiden über Wettbewerbsfähigkeit
Die Stahlindustrie gehört zu den energieintensivsten Branchen Deutschlands.
Für einen Standort wie Eisenhüttenstadt sind deshalb Strompreise, Netzentgelte und künftig auch die Verfügbarkeit von Wasserstoff zentrale Standortfaktoren.
ArcelorMittal hatte den Stopp des ursprünglichen Projekts ausdrücklich mit der wirtschaftlichen Lage der europäischen Stahlproduktion begründet.
Das Unternehmen fordert seit längerem bessere Bedingungen für klimafreundlich produzierten Stahl und stärkeren Schutz des europäischen Marktes vor Importen, die unter anderen Kosten- und Klimabedingungen hergestellt werden.
Seit Juli 2026 gelten neue europäische Handelsinstrumente, von denen sich der Konzern eine bessere Auslastung seiner europäischen Werke verspricht.
Eisenhüttenstadt bleibt wichtiger Produktionsstandort
Trotz des gestoppten Transformationsprojekts produziert ArcelorMittal weiterhin Stahl in Eisenhüttenstadt.
Der Standort stellt unter anderem warmgewalzte, kaltgewalzte, verzinkte und beschichtete Flachstahlprodukte her. Hinzu kommt Elektroband, das unter anderem für Motoren, Generatoren und Anwendungen der Energiewende benötigt wird.
ArcelorMittal zählt Eisenhüttenstadt zu seinen vier großen Produktionsstandorten in Deutschland.
Damit bleibt das Werk nicht nur für die Stadt selbst von großer Bedeutung. Zahlreiche Zulieferer, Dienstleister und regionale Unternehmen hängen unmittelbar oder mittelbar von der Stahlproduktion ab.
Industriepolitik entscheidet über die nächste Investition
Für Brandenburg geht es deshalb um mehr als ein einzelnes Unternehmensprojekt.
Der Stahlstandort steht beispielhaft für die Frage, ob energieintensive Industrie auch künftig wettbewerbsfähig in Deutschland produzieren kann.
Der ursprüngliche Weg zum grünen Stahl ist vorerst gescheitert. Die Planung eines Elektrolichtbogenofens bleibt jedoch auf dem Tisch.
Ob daraus tatsächlich eine Milliardeninvestition in Eisenhüttenstadt wird, hängt nun davon ab, ob Unternehmen und Politik wirtschaftliche Bedingungen schaffen können, unter denen sich klimafreundlicher Stahl auch verkaufen lässt.
Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz Brandenburg, Terminankündigung vom 14. September 2026; ArcelorMittal, Mitteilung zur Transformation der Standorte Bremen und Eisenhüttenstadt vom 19. Juni 2025; ArcelorMittal Annual Report 2025.