Das Handwerk in Sachsen-Anhalt erwartet von der nächsten Landesregierung einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel. Die Betriebe verlangen verlässliche Entscheidungen, weil steigende Kosten, fehlende Fachkräfte und aufwendige Verfahren ihre Entwicklung zunehmend erschweren.
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Kurz vor der Abstimmung haben die Handwerkskammern ihre Erwartungen an die künftige Landespolitik bekräftigt. Im Mittelpunkt stehen vier Bereiche: Fachkräfte, Kostenbelastung, Infrastruktur und Verwaltungshandeln.
Hohe Kosten belasten kleine Betriebe
Besonders personalintensive Unternehmen geraten durch steigende Sozialabgaben, hohe Energiepreise und zusätzliche Dokumentationspflichten unter Druck. Anders als große Konzerne können kleinere Handwerksbetriebe Kostensteigerungen häufig nicht durch internationale Standorte, umfangreiche Rücklagen oder günstigere Großverträge ausgleichen.
Das Handwerk fordert deshalb stabile Abgaben, bezahlbare Energie und bessere steuerliche Bedingungen. Auch Netzentgelte, Investitionsanreize sowie Nachweis- und Berichtspflichten sollen überprüft werden.
Viele dieser Entscheidungen fallen auf Bundesebene. Die Landesregierung kann jedoch eigene Förderprogramme vereinfachen, Bundesratsinitiativen unterstützen und regionale Unternehmen bei Investitionen gezielter entlasten.
Nachwuchs beginnt bereits in der Schule
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Fachkräftesicherung. Die Handwerkskammer Magdeburg verlangt eine stärkere Vermittlung grundlegender Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Gleichzeitig soll die Berufsorientierung früher beginnen und verbindlich an allen Schulformen stattfinden.
Handwerkliche Ausbildungswege müssten nach Auffassung der Kammer denselben gesellschaftlichen Stellenwert erhalten wie ein Studium. Dazu gehören dauerhaft finanzierte Berufsschulen, moderne Bildungsstätten und eine verlässliche überbetriebliche Ausbildung.
Auch die Erreichbarkeit der Ausbildungsorte spielt eine wichtige Rolle. Gerade im ländlichen Sachsen-Anhalt sind Jugendliche auf funktionierende Bus- und Bahnverbindungen oder bezahlbare Wohnheimplätze angewiesen.
Jeder vierte Betriebsinhaber über 60 Jahre
Der Fachkräftemangel verschärft zugleich die Probleme bei der Unternehmensnachfolge. Nach Angaben der Handwerkskammer ist mehr als ein Viertel der Betriebsinhaber im Land älter als 60 Jahre. Viele von ihnen werden sich in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben zurückziehen.
Findet sich kein Nachfolger, verschwindet nicht nur ein Unternehmen. Besonders im ländlichen Raum können damit Ausbildungsplätze, Arbeitsplätze und wohnortnahe Dienstleistungen verloren gehen.
Das Handwerk fordert deshalb bessere Bedingungen für Gründungen und Betriebsübernahmen. Die Meistergründungsprämie soll fortgeführt und bedarfsgerecht weiterentwickelt werden. Außerdem müssten Übergaben schneller bearbeitet und Förderverfahren einfacher gestaltet werden.
Weniger Formulare und schnellere Entscheidungen
Kritik gibt es auch am Verwaltungshandeln. Komplexe Anträge, unterschiedliche Ansprechpartner und lange Genehmigungszeiten binden Arbeitskraft, die den Betrieben bei Kundenaufträgen und auf Baustellen fehlt.
Gefordert werden einfachere Regeln, digitale Verfahren und mehr Planungssicherheit. Behörden sollen vorhandene Daten nicht mehrfach abfragen und Anträge möglichst nach einheitlichen Standards bearbeiten.
Die Wirtschaftskammern rufen Unternehmer, Beschäftigte und alle Wahlberechtigten zugleich zur Teilnahme an der Landtagswahl auf. Sachsen-Anhalt brauche verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen, Ausbildung und Beschäftigung. Nach der Wahl werde sich zeigen, ob den Ankündigungen der Parteien konkrete Entlastungen für die Betriebe folgen.
Quelle: Handwerkstag Sachsen-Anhalt, Handwerkskammer Magdeburg, Industrie- und Handelskammer Magdeburg