Mehr als 400 Fälle angeklagt: Missbrauchsprozess in Gera beginnt

Vor dem Landgericht Gera beginnt an diesem Mittwoch ein umfangreicher Prozess wegen des Verdachts des schweren sexuellen Kindesmissbrauchs. Angeklagt ist ein 48 Jahre alter Mann. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehr als 400 einzelne Taten vor.

Betroffen ist nach bisherigen Angaben die Tochter der damaligen Lebensgefährtin des Angeklagten. Das Mädchen soll zu Beginn der mutmaßlichen Übergriffe sieben Jahre alt gewesen sein.

Mutmaßliche Taten sollen sich über Jahre erstreckt haben

Der in der Anklage genannte Tatzeitraum reicht von 2019 bis 2025. Das betroffene Kind war demnach während dieser Zeit zwischen sieben und zwölf Jahre alt. Weitere Einzelheiten zu den mutmaßlichen Taten wurden zum Schutz des Mädchens nicht veröffentlicht.

Nach Angaben von MDR Thüringen sollen Ermittler auf einem Computer des Angeklagten außerdem Dateien mit Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs gefunden haben. Ob diese Dateien mit den angeklagten Taten zusammenhängen, muss im Verfahren geklärt werden.

Zu einer möglichen Einlassung des 48-Jährigen lagen zum Prozessauftakt noch keine Angaben vor.

Landgericht muss zahlreiche Vorwürfe prüfen

Die hohe Zahl der angeklagten Fälle dürfte das Verfahren für alle Beteiligten besonders umfangreich machen. Die zuständige Strafkammer muss die einzelnen Vorwürfe und die vorgelegten Beweismittel prüfen. Dabei geht es auch um die Frage, welche Taten sich nach Überzeugung des Gerichts nachweisen lassen.

Der Schutz des betroffenen Mädchens besitzt im Verfahren besondere Bedeutung. Bei der Verhandlung von Sexualstraftaten gegen Kinder kann die Öffentlichkeit für einzelne Abschnitte ausgeschlossen werden. Darüber entscheidet das Gericht.

Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für den Angeklagten die Unschuldsvermutung.

Hilfe für Betroffene und Angehörige

Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben oder einen entsprechenden Verdacht melden möchten, erreichen das bundesweite Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch anonym und kostenlos unter 0800 22 55 530.