Auf dem Grund der deutschen Nord- und Ostsee liegen rund 1,6 Millionen Tonnen Munitionsaltlasten. Jahrzehntelang blieben Granaten, Bomben und weitere Kampfmittel dort weitgehend unberührt. Durch Korrosion werden jedoch zunehmend giftige und krebserregende Sprengstoffverbindungen freigesetzt. Nun soll eine weltweit einzigartige schwimmende Anlage dabei helfen, die gefährlichen Hinterlassenschaften zu bergen und unmittelbar auf See unschädlich zu machen.

Das Bundesumweltministerium hat am Donnerstag den Auftrag für die Entwicklung und den anschließenden Bau der mobilen Entsorgungsplattform vergeben. Den Zuschlag erhielt die Bietergemeinschaft DSTAR. Zu ihr gehört neben Dynasafe Demil Systems aus Schweden und der niedersächsischen Werft Abeking & Rasmussen auch die SeaTerra GmbH aus Wandlitz in Brandenburg.

Unternehmen aus Wandlitz bringt Erfahrung bei der Kampfmittelräumung ein

SeaTerra ist auf die Sondierung und Räumung von Kampfmitteln spezialisiert. Das Brandenburger Unternehmen soll seine Erfahrungen in die Entwicklung der neuen Plattform einbringen. Dynasafe plant und betreibt Anlagen zur Entsorgung konventioneller und chemischer Munition. Abeking & Rasmussen übernimmt als Spezialwerft Aufgaben bei der Entwicklung und beim Bau.

Mit der Vergabe beginnen zunächst die Entwicklung und die Konstruktion der Anlage. Nach derzeitigem Zeitplan könnte die Plattform Ende 2028 fertiggestellt sein. Die ersten Bergungsarbeiten sollen während einer erweiterten Erprobungsphase in der Ostsee stattfinden. Anschließend ist ein Einsatz in der Nordsee vorgesehen.

Altmunition bedroht Umwelt und Nahrungskette

Die im Meer versenkten Kampfmittel stammen vor allem aus der Zeit der beiden Weltkriege. Durch den fortschreitenden Zerfall der Metallhüllen können Sprengstoffverbindungen ins Wasser gelangen. Diese Stoffe gefährden Meerestiere und können nach Angaben des Bundesumweltministeriums über die Nahrungskette auch den Menschen erreichen.

Erfahrungen für das Vorhaben sammelten Fachleute bereits 2024 und 2025 bei Erkundungs- und Bergungsarbeiten vor den Küsten Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns. Die neue Anlage soll nun eine Bergung in deutlich größerem Umfang ermöglichen.

Bund stellt weitere Millionenbeträge bereit

Deutschland startete 2023 ein Sofortprogramm zur Beseitigung von Munitionsaltlasten. Dafür stehen rund 100 Millionen Euro zur Verfügung. Die schwimmende Entsorgungsanlage bildet einen wesentlichen Bestandteil des Programms.

Für den Betrieb der Plattform will der Bund in den ersten sechs Jahren jeweils 50 Millionen Euro bereitstellen. Danach sollen Bund und Länder gemeinsam über die langfristige Finanzierung entscheiden.

Das Projekt besitzt neben seiner Bedeutung für den Meeresschutz auch wirtschaftliches Potenzial. Da zahlreiche Staaten vor ähnlichen Problemen stehen, könnte die in Deutschland entwickelte Technik später international eingesetzt werden. Brandenburg ist durch die Beteiligung des Wandlitzer Unternehmens unmittelbar an dieser neuen Technologie beteiligt.

Quelle: Bundesumweltministerium, Pressemitteilung vom 17. September 2026