In Brandenburg beginnt am Montag für rund 324.400 Schüler das neue Schuljahr. Das Bildungsministerium stellt den Kernunterricht in den Mittelpunkt, obwohl weiterhin zahlreiche Lehrkräfte fehlen.
Brandenburgs Schulen stehen zum Beginn des Schuljahres 2026/27 vor erheblichen personellen Problemen. Nach Angaben des Bildungsministeriums sind derzeit noch rund 313 Vollzeitstellen unbesetzt.
Die Zahl bewegt sich zwar im Bereich der vergangenen Jahre. Dennoch müssen viele Schulen Unterricht, Förderangebote und Arbeitsgemeinschaften neu organisieren. Besonders angespannt bleibt die Situation an einzelnen Schulen im ländlichen Raum und an Standorten mit einem hohen Personalbedarf.
Kernunterricht erhält Vorrang
Das Bildungsministerium setzt eine klare Priorität. Unterricht, der für die jeweiligen Bildungsgänge und Schulabschlüsse notwendig ist, soll vollständig angeboten werden.
Schulen mit besonders großen Personalproblemen dürfen vorübergehend Stunden aus anderen Bereichen einsetzen. Das kann Arbeitsgemeinschaften, Förderunterricht, Ganztagsangebote und das gemeinsame Lernen betreffen.
In der Sekundarstufe I können Schulen zudem eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Damit dürfen sie einzelne Stunden aus der regulären Stundentafel zeitweise reduzieren. Die Möglichkeiten bleiben laut Ministerium begrenzt.
Die Schulabschlüsse sollen nicht gefährdet werden. Zugleich bedeutet die Konzentration auf den Kernunterricht, dass ergänzende Angebote an betroffenen Schulen eingeschränkt werden könnten.
Zahl der Seiteneinsteiger steigt
Brandenburg startet mit insgesamt 22.311 Lehrkräften und weiteren pädagogischen Beschäftigten in das neue Schuljahr. Im vergangenen Schuljahr waren es 22.347.
Der Anteil der Seiteneinsteiger steigt von 19,7 auf 20,2 Prozent. Damit verfügt inzwischen etwa jede fünfte Lehrkraft nicht über eine klassische Lehramtsausbildung.
Seiteneinsteiger tragen wesentlich dazu bei, offene Stellen zu besetzen. Sie benötigen jedoch eine berufsbegleitende Qualifizierung und zusätzliche Unterstützung durch erfahrene Kollegen.
Das Land konnte bislang 313 Vollzeitstellen noch nicht besetzen. Im Karriereportal des Bildungsministeriums waren Mitte August 133 konkrete Stellenangebote veröffentlicht. Weitere Auswahl- und Einstellungsverfahren laufen bereits.
Mehr als 400 Lehrkräfte haben sich nach Angaben des Ministeriums freiwillig bereit erklärt, vollständig oder mit einem Teil ihrer Unterrichtsstunden an Schulen mit besonderem Personalbedarf zu wechseln.
Rund 324.400 Schüler erwartet
Die Zahl der Schüler steigt gegenüber dem vergangenen Schuljahr voraussichtlich um rund 950. Insgesamt rechnet Brandenburg mit etwa 324.400 Kindern und Jugendlichen.
Gleichzeitig kündigt sich eine demografische Wende an. Die Zahl der Einschulungen sinkt bereits. Ab dem Schuljahr 2028/29 könnte auch die gesamte Schülerzahl zurückgehen.
Das Land verfügt im neuen Schuljahr über 958 Schulen. Das sind sechs Standorte mehr als im Vorjahr. Davon befinden sich 756 Schulen in öffentlicher und 202 in freier Trägerschaft.
Für zusätzliche Unterstützung sorgen rund 830 Lehramtsstudenten. Sie arbeiten im Rahmen des Lernassistenz-Programms an 334 Schulen und helfen besonders bei der Förderung sprachlicher und mathematischer Grundkenntnisse. Brandenburg stellt dafür im Jahr 2026 rund 3,6 Millionen Euro bereit.
Das Freiwillige Soziale Jahr an Schulen wird ebenfalls fortgesetzt. Das Land finanziert 180 Plätze mit jährlich rund 1,4 Millionen Euro.
Einschnitte wirken bis ins Klassenzimmer
Die angespannte Lage hängt auch mit früheren Haushaltsentscheidungen zusammen. Für die Jahre 2025 und 2026 wurden Kürzungen im Umfang von insgesamt 445 Vollzeitstellen beschlossen.
Eine zusätzliche Pflichtstunde für etwa 60 Prozent der Lehrkräfte soll diese Kürzungen rechnerisch ausgleichen. Die Regelung gilt seit Februar 2026.
Gleichzeitig erhalten 40 Prozent der Lehrkräfte an Schulen mit hohem Sozialindex, Förderschulen und beruflichen Schulen eine Entlastungsstunde. Diese Entlastung entspricht nach Angaben des Ministeriums insgesamt etwa 290 Vollzeitstellen.
Das Land plant, die Regelung zum zweiten Halbjahr des Schuljahres 2026/27 zu verändern. Dadurch sollen mehr Unterrichtsstunden unmittelbar an den Schulen zur Verfügung stehen.
Für Schüler und Eltern beginnt damit ein Schuljahr unter schwierigen Bedingungen. Der reguläre Unterricht soll gesichert bleiben. Bei Förderung, Ganztag und zusätzlichen Angeboten sind jedoch örtliche Einschränkungen möglich.
Quelle: [Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg](https://mbjs.brandenburg.de/aktuelles/pressemitteilungen.html?news=brandenburg_06.c.911316.de&utm_source=chatgpt.com)