Polen wird als Investor immer wichtiger

Brandenburgs Wirtschaft wächst längst nicht nur durch Unternehmen aus Berlin, Westdeutschland oder internationale Konzerne aus Übersee.

Immer stärker rücken Unternehmen aus dem direkten Nachbarland Polen in den Mittelpunkt.

Nach einer aktuellen Erhebung sind inzwischen 19 größere polnische Unternehmen in Brandenburg aktiv. Die Wirtschaftsförderung Brandenburg verwendet eine etwas andere Abgrenzung und nennt 21 von ihr begleitete Ansiedlungen aus Polen.

Damit gehört Polen zu den fünf wichtigsten internationalen Investoren im Land.

Die Entwicklung zeigt, wie eng beide Volkswirtschaften inzwischen miteinander verbunden sind.

Brandenburg ist das natürliche Tor nach Deutschland

Für polnische Unternehmen liegt Brandenburg geografisch besonders nahe.

Die Landesgrenze zu Polen ist mehrere hundert Kilometer lang. Städte wie Frankfurt (Oder), Guben, Schwedt oder Cottbus liegen unmittelbar im deutsch-polnischen Wirtschaftsraum.

Von dort aus erreichen Firmen sowohl Berlin als auch andere deutsche Absatzmärkte schnell.

Hinzu kommen Autobahnen, Bahnverbindungen und Logistikachsen Richtung Warschau, Breslau und Stettin.

Für Unternehmen, die in Deutschland wachsen wollen, ist Brandenburg deshalb häufig der naheliegendste erste Standort.

Polen ist Brandenburgs wichtigster Handelspartner

Die wirtschaftlichen Beziehungen gehen weit über einzelne Firmenansiedlungen hinaus.

Polen steht bei Brandenburg sowohl bei Exporten als auch bei Importen auf Platz eins.

2025 exportierten Brandenburger Unternehmen Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 4,2 Milliarden Euro nach Polen.

Umgekehrt wurden Waren im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro aus Polen nach Brandenburg eingeführt.

Damit ist die wirtschaftliche Verbindung enger als mit jedem anderen Staat.

Baukonzerne drängen auf den deutschen Markt

Besonders sichtbar ist die Entwicklung im Bauwesen.

Der polnische Baukonzern Budimex ist inzwischen an mehreren Infrastrukturprojekten in Brandenburg und Berlin beteiligt.

Dazu gehört auch die Quenzbrücke in Brandenburg an der Havel.

Das Unternehmen zählt in Polen zu den großen Baukonzernen und will sein Deutschlandgeschäft weiter ausbauen.

Polnische Unternehmen konkurrieren dabei nicht nur mit deutschen Firmen.

Bei größeren Projekten arbeiten sie teilweise mit regionalen Subunternehmen zusammen.

Dadurch entstehen neue wirtschaftliche Verflechtungen auf beiden Seiten der Grenze.

Polnische Übernahmen sichern auch Arbeitsplätze

Die Expansion erfolgt nicht ausschließlich durch Neubauten.

Polnische Unternehmen übernehmen teilweise auch bestehende Betriebe.

Ein Beispiel ist die Wäscherei Targatz in Eberswalde.

Sie wurde 2016 von der polnischen Hollywood Textile Service übernommen.

Nach Angaben der Wirtschaftsförderung konnte der Standort dadurch erhalten werden. Heute arbeiten dort mehr als 60 Menschen.

Das Beispiel zeigt, dass ausländische Investitionen nicht zwangsläufig neue Konkurrenz bedeuten.

Sie können auch bestehende Betriebe stabilisieren.

Medizinprodukte aus Biesenthal

Ein weiteres Beispiel ist der polnische Medizinproduktehersteller TZMO.

Das Unternehmen ist seit mehr als zwei Jahrzehnten in Biesenthal im Landkreis Barnim vertreten und beschäftigt dort rund 130 Mitarbeiter.

TZMO produziert und vertreibt unter anderem Hygiene- und Medizinprodukte.

Gerade Gesundheitswirtschaft und Medizintechnik gehören zu den Bereichen, in denen Brandenburg und Polen ihre Zusammenarbeit derzeit gezielt ausbauen.

Im Juni organisierte die Wirtschaftsförderung Brandenburg dafür ein eigenes deutsch-polnisches Matchmaking-Treffen im Potsdam Science Park.

Auch die Chemieindustrie ist verbunden

Die deutsch-polnische Verflechtung reicht auch in die Industrie.

ATT Polymers in Guben gehört zur polnischen Grupa Azoty.

Das Unternehmen produziert Kunststoffe und ist Teil der Chemie- und Kunststoffindustrie der Lausitz.

Der Standort zeigt, dass polnisches Kapital längst nicht nur in kleinen Niederlassungen steckt.

Es ist auch in traditionellen Industriebranchen Brandenburgs präsent.

Die Wirtschaft wächst in Polen stärker

Ein Grund für die zunehmende Expansion ist die unterschiedliche wirtschaftliche Dynamik.

Polen gehört seit Jahren zu den wachstumsstärkeren Volkswirtschaften Europas.

Viele polnische Firmen sind inzwischen groß genug, um über den Heimatmarkt hinauszugehen.

Deutschland bietet ihnen einen großen Absatzmarkt direkt vor der Haustür.

Brandenburg wiederum profitiert von Investitionen, Arbeitsplätzen und neuen Geschäftsbeziehungen.

Damit entsteht ein wirtschaftlicher Raum, in dem die Staatsgrenze zunehmend an Bedeutung verliert.

Brandenburg wirbt gezielt in Polen

Die Landesregierung versucht, diese Entwicklung zusätzlich zu fördern.

Im Mai reiste Wirtschaftsministerin Martina Klement gemeinsam mit einer Unternehmensdelegation nach Polen.

In Breslau wurde eine neue Kooperationsvereinbarung zwischen der Wirtschaftsförderung Brandenburg und der niederschlesischen Wirtschaftsförderung unterzeichnet.

Ziel ist eine engere Zusammenarbeit bei Investitionen, Innovationen und Unternehmensgründungen.

Brandenburg bezeichnet Polen ausdrücklich als unverzichtbaren Wirtschaftspartner.

Eine Grenze wird zur Wirtschaftsachse

Lange galt die deutsch-polnische Grenzregion vor allem als strukturschwacher Rand.

Dieses Bild verändert sich.

Mit wachsenden Handelsbeziehungen, Industrieansiedlungen und gemeinsamen Projekten wird die Oder-Neiße-Region zunehmend zu einer Wirtschaftsachse zwischen Berlin, Brandenburg und Westpolen.

Auch Brandenburgs Lage zwischen Berlin und den polnischen Metropolen wird dadurch wirtschaftlich interessanter.

Das Land wirbt damit, dass innerhalb einer Lkw-Tagesfahrt mehr als 200 Millionen Verbraucher erreichbar sind.

Chancen für die Lausitz und Ostbrandenburg

Besonders profitieren könnten Regionen, die lange mit Abwanderung und Arbeitsplatzverlusten zu kämpfen hatten.

Dazu gehören Teile der Lausitz, der Uckermark und Ostbrandenburgs.

Wenn polnische Firmen dort investieren, entstehen Arbeitsplätze und zusätzliche Nachfrage bei regionalen Dienstleistern und Zulieferern.

Gleichzeitig können deutsche Firmen leichter den polnischen Markt erschließen.

Die wirtschaftliche Integration funktioniert also in beide Richtungen.

Wettbewerb bleibt Teil der Entwicklung

Natürlich bringt die zunehmende Präsenz polnischer Unternehmen auch stärkeren Wettbewerb.

Firmen aus Polen treten bei Ausschreibungen gegen deutsche Anbieter an.

Sie konkurrieren um Aufträge, Fachkräfte und Marktanteile.

Doch die wirtschaftliche Realität ist komplexer als ein einfaches Gegeneinander.

Viele Projekte werden grenzüberschreitend umgesetzt.

Deutsche und polnische Firmen sind gleichzeitig Konkurrenten, Kunden und Partner.

Polen wird für Brandenburg strategisch

Brandenburgs wirtschaftliche Zukunft hängt stark davon ab, wie gut das Land seine Lage zwischen Berlin und Polen nutzt.

Die Handelszahlen zeigen bereits, dass Polen längst der wichtigste internationale Partner ist.

Jetzt wächst auch die Bedeutung polnischer Investoren.

Damit verändert sich die Perspektive auf die Grenze.

Sie trennt nicht nur zwei Staaten.

Sie verbindet zunehmend zwei Wirtschaftsregionen.

Für Brandenburg könnte genau darin einer der wichtigsten Standortvorteile der kommenden Jahre liegen.