Die Wege zur nächsten Apotheke sind in mehreren ostdeutschen Ländern besonders lang. Mecklenburg-Vorpommern weist bundesweit den höchsten Anteil betroffener Einwohner auf, weil dort mehr als jeder Fünfte über sechs Straßenkilometer bis zur nächsten öffentlichen Apotheke zurücklegen muss.
Mecklenburg-Vorpommern ist bundesweit Spitzenreiter
Eine Untersuchung der ILS Research gGmbH zeigt deutliche regionale Unterschiede bei der Arzneimittelversorgung. In Mecklenburg-Vorpommern leben demnach 338.877 Menschen in Gebieten, die mehr als sechs Kilometer von der nächsten öffentlichen Apotheke entfernt sind. Das entspricht 21,66 Prozent der Landesbevölkerung.
Auch die Fläche fällt auf. Rund 17.351 Quadratkilometer gelten nach der Definition der Studie als unterversorgt. Das sind 74,45 Prozent der Landesfläche. Kein anderes Bundesland erreicht einen höheren Anteil.
Brandenburg und Sachsen-Anhalt ebenfalls stark betroffen
In Brandenburg leben 347.036 Menschen weiter als sechs Kilometer von einer Apotheke entfernt. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt 13,67 Prozent. Gleichzeitig umfasst die unterversorgte Fläche mehr als 20.000 Quadratkilometer und damit 67,83 Prozent des Landes.
Sachsen-Anhalt folgt mit 233.149 betroffenen Einwohnern. Das entspricht 10,88 Prozent der Bevölkerung. Mehr als die Hälfte der Landesfläche fällt dort in die untersuchte Kategorie.
Thüringen liegt ebenfalls über zehn Prozent
Auch Thüringen zeigt eine deutliche Versorgungslücke. Dort leben 222.860 Menschen mehr als sechs Straßenkilometer von der nächsten Apotheke entfernt. Der Anteil liegt bei 10,58 Prozent.
Sachsen schneidet innerhalb Ostdeutschlands besser ab. Dort betrifft die Entfernung 224.661 Einwohner und damit 5,58 Prozent der Bevölkerung. Berlin weist mit 0,05 Prozent dagegen kaum entsprechende Gebiete auf.
Viele Apotheken sind ohne Alternative im Umkreis
Die Untersuchung betrachtet zusätzlich sogenannte isolierte Apotheken. Dort gibt es innerhalb von sechs Kilometern keine zweite öffentliche Apotheke. Fällt dieser Standort aus, müssen die betroffenen Einwohner einen längeren Weg zur nächsten Alternative zurücklegen.
Auch bei diesem Wert liegen ostdeutsche Flächenländer vorn. In Mecklenburg-Vorpommern gelten 18,08 Prozent aller untersuchten Apotheken als isoliert. Brandenburg erreicht 12,99 Prozent, Sachsen-Anhalt 12,89 Prozent und Thüringen 12,68 Prozent.
Bundesweit sinkt die Zahl der Apotheken weiter
Die Studie erschien im Februar 2026. Für die räumliche Analyse nutzten die Forscher Apothekenstandorte mit Stand Oktober 2024 sowie Bevölkerungsdaten des Zensus 2022. Die Zahlen bilden deshalb nicht jede spätere Schließung ab.
Seitdem ist die Zahl der Apotheken deutschlandweit weiter gefallen. Ende 2025 gab es noch 16.601 öffentliche Apotheken. Binnen eines Jahres schlossen 502 Standorte, während lediglich 62 neu eröffneten. Damit wurde der niedrigste Stand seit fast 50 Jahren erreicht.
Gerade im ländlichen Ostdeutschland bekommt jede weitere Schließung damit besonderes Gewicht. Eine Apotheke versorgt dort häufig nicht nur einen Ort, sondern ganze umliegende Gemeinden. Die Untersuchung macht sichtbar, wie schnell aus einer einzelnen Geschäftsaufgabe eine Frage der medizinischen Daseinsvorsorge werden kann.
Quelle: ILS Research gGmbH, ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.