Dresden – Sachsens Städte stehen vor einem der größten Umbauprojekte ihrer Energieversorgung seit Jahrzehnten.

Fernwärmenetze sollen ausgebaut und gleichzeitig von fossilen Energieträgern unabhängiger werden.

Das betrifft besonders Sachsen, denn der Freistaat besitzt bereits heute ein vergleichsweise dichtes Wärmenetz.

Rund 28 Prozent der Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme. Bundesweit liegt der Anteil bei ungefähr 15 Prozent.

DDR-Netze werden zum Vorteil

Ein Grund für den hohen Anteil liegt in der Geschichte.

Viele ostdeutsche Städte verfügten bereits zu DDR-Zeiten über große Fernwärmesysteme.

Nach der Wiedervereinigung wurden zahlreiche Netze modernisiert, erneuert und erweitert.

Was früher häufig auf Braunkohle basierte, soll nun Schritt für Schritt klimafreundlicher werden.

Leipzig will Fernwärme massiv ausbauen

Besonders ehrgeizige Pläne verfolgt Leipzig.

Dort soll der Anteil der Fernwärmeversorgung langfristig von rund 30 auf 50 Prozent steigen.

Dafür sind erhebliche Investitionen in neue Leitungen, Erzeugungsanlagen und Speicher notwendig.

Auch Chemnitz, Dresden und weitere sächsische Städte arbeiten an neuen Wärmekonzepten.

Flusswasser, Geothermie und Abwärme

Die Wärme soll künftig aus deutlich mehr unterschiedlichen Quellen kommen.

Eine Möglichkeit sind große Wärmepumpen, die Energie aus Flüssen gewinnen.

Weitere Optionen sind Geothermie, Solarthermie, industrielle Abwärme und sogenannte Power-to-Heat-Anlagen.

Damit kann überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien zur Wärmeerzeugung genutzt werden.

Weißwasser bekommt Millionen für Wärmewende

Auch kleinere Städte investieren.

Die Stadtwerke Weißwasser haben beispielsweise eine Förderzusage von bis zu 12,88 Millionen Euro für die Transformation ihrer Fernwärmeversorgung erhalten.

Das zugrunde liegende Vorhaben hat ein Gesamtvolumen von rund 30 Millionen Euro.

Gerade in der Lausitz ist die Wärmewende eng mit dem Ausstieg aus der Braunkohle verbunden.

Milliardeninvestitionen stehen bevor

Sachsenweit summieren sich die geplanten Investitionen der kommenden Jahre auf Milliardenbeträge.

Neben neuen Erzeugungsanlagen müssen Leitungen gebaut, alte Netze modernisiert und zusätzliche Gebäude angeschlossen werden.

Die Aufgabe ist technisch anspruchsvoll.

Während eines Umbaus muss die Wärmeversorgung schließlich weiter zuverlässig funktionieren.

Verbraucher haben kaum Anbieterwahl

Für Verbraucher besitzt Fernwärme allerdings eine Besonderheit.

Wer an ein Wärmenetz angeschlossen ist, kann seinen Anbieter in der Regel nicht wechseln.

Anders als beim Strom- oder Gasmarkt existiert vor Ort normalerweise nur ein Netzbetreiber.

Damit entsteht eine monopolähnliche Situation.

Verbraucherschützer fordern deshalb eine stärkere Kontrolle der Preise.

Große Preisunterschiede zwischen Städten

Fernwärmepreise können sich regional erheblich unterscheiden.

Entscheidend sind unter anderem Brennstoffe, eingesetzte Technologien, Größe des Netzes und Investitionskosten.

Verbraucherschützer fordern deshalb bundesweit vergleichbare Preisangaben und eine bessere öffentliche Kontrolle.

Diskutiert werden unter anderem eine staatliche Preisaufsicht, transparente Vergleichsportale und eine unabhängige Schlichtungsstelle.

Wärmewende darf nicht allein Verbraucher belasten

Der Umbau der Netze kostet Milliarden.

Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wer diese Investitionen bezahlt.

Kommunale Versorger, Bund und Länder stellen erhebliche Fördermittel bereit.

Verbraucherschützer warnen jedoch davor, einen zu großen Teil der Kosten über Wärmepreise auf einzelne Haushalte umzulegen.

Gerade Fernwärmekunden können nicht einfach zu einem günstigeren Anbieter wechseln.

Sachsens alte Netze könnten jetzt zum Vorteil werden

Trotz der Herausforderungen besitzt Sachsen eine vergleichsweise gute Ausgangslage.

Viele Leitungen existieren bereits.

Statt völlig neue Wärmeinfrastruktur aufzubauen, können zahlreiche Städte bestehende Netze schrittweise erweitern und auf andere Energiequellen umstellen.

Damit könnte aus einem infrastrukturellen Erbe der DDR ein wichtiger Baustein für die Wärmeversorgung der kommenden Jahrzehnte werden.