Sachsen bundesweit an der Spitze

In Sachsen leben rund 104.000 Menschen mit einer diagnostizierten Demenzerkrankung. Nach Angaben des Sächsischen Sozialministeriums weist der Freistaat mit einer Demenzrate von 3,75 Prozent bei Erwachsenen ab 40 Jahren derzeit den höchsten Wert aller Bundesländer auf.

Das entspricht 375 diagnostizierten Betroffenen je 10.000 Einwohner dieser Altersgruppe. Grundlage sind Daten aus dem AOK-Gesundheitsatlas.

Die Zahlen zeigen, welche Dimension Demenzerkrankungen inzwischen im Freistaat erreicht haben.

Nicht nur sehr alte Menschen betroffen

Demenz wird häufig ausschließlich mit sehr hohem Lebensalter verbunden. Das sächsische Sozialministerium weist jedoch darauf hin, dass auch deutlich jüngere Menschen betroffen sein können.

Gerade bei Erkrankten, die noch mitten im Berufsleben stehen, Kinder versorgen oder finanzielle Verpflichtungen tragen, entstehen besondere Herausforderungen. Sie benötigen teilweise andere Beratungs- und Unterstützungsangebote als hochbetagte Patienten.

Aus diesem Grund steht die diesjährige Aktionswoche unter dem Motto „Demenz – (k)eine Frage des Alters“.

Eine alternde Bevölkerung stellt Sachsen vor Herausforderungen

Die hohe Zahl der Erkrankten trifft Sachsen in einer Zeit, in der sich die Altersstruktur der Bevölkerung weiter verändert.

Eine ältere Bevölkerung kann die Zahl altersabhängiger Erkrankungen beeinflussen. Die veröffentlichte Quote von 3,75 Prozent bezieht sich allerdings auf Erwachsene ab 40 Jahren und beschreibt zunächst die diagnostizierte Krankheitsbelastung. Aus dem Wert allein lässt sich keine einzelne Ursache für Sachsens Spitzenposition ableiten.

Fest steht jedoch: Mit rund 104.000 diagnostizierten Betroffenen betrifft Demenz längst nicht nur die Erkrankten selbst.

Auch Ehepartner, Kinder und andere Angehörige übernehmen häufig über viele Jahre Betreuung und Pflege.

Hunderte Veranstaltungen in ganz Sachsen

Vom 19. bis 27. September 2026 läuft in Sachsen die Woche der Demenz. Landesweit werden zahlreiche Informations-, Beratungs- und Begegnungsangebote organisiert. Das Sozialministerium spricht von rund 400 Veranstaltungen und Angeboten.

Ziel ist es, stärker über die Erkrankung aufzuklären und Betroffenen sowie Angehörigen vorhandene Hilfsmöglichkeiten zu zeigen.

Parallel hat die Landesinitiative Demenz im Auftrag des Sozialministeriums eine Befragung gestartet. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sollen schildern, wie sie kulturelle Angebote, Bewegung sowie soziale und gesellschaftliche Teilhabe im Alltag erleben.

Die Ergebnisse sollen in die weitere Umsetzung des sächsischen Landesdemenzplans einfließen.

Eine Aufgabe für Familien, Kommunen und Pflege

Die Zahl von 104.000 diagnostizierten Erkrankten macht deutlich, dass Demenz nicht allein ein medizinisches Thema ist.

Es geht ebenso um Pflegeplätze, ambulante Betreuung, Beratungsstellen, barrierearme Wohnformen und die Frage, wie lange Menschen trotz einer Erkrankung selbstbestimmt in ihrem vertrauten Umfeld leben können.

Vor allem für Angehörige kann die Betreuung über Jahre zu einer erheblichen körperlichen, psychischen und organisatorischen Belastung werden.

Mit zunehmender Alterung der Bevölkerung dürfte deshalb auch die Frage nach geeigneten Pflege- und Betreuungsstrukturen weiter an Bedeutung gewinnen.

Die aktuelle Aktionswoche soll dabei einen Punkt besonders deutlich machen: Hinter den statistischen Zahlen stehen Menschen und Familien, deren Alltag sich durch eine Demenzdiagnose grundlegend verändert.