Deutsche Autoindustrie verliert weiter an Boden
Die wirtschaftliche Lage der deutschen Automobilindustrie verschärft sich. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW haben im ersten Halbjahr 2026 gemeinsam einen Umsatz von rund 284 Milliarden Euro erzielt. Das waren 2,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Währenddessen wuchs der Umsatz der 19 weltweit von EY untersuchten großen Autokonzerne um 3,6 Prozent auf den Rekordwert von 1,048 Billionen Euro. Für die drei deutschen Hersteller ist es bereits das dritte Jahr in Folge mit sinkenden Halbjahresumsätzen.
Noch deutlicher fällt die Entwicklung beim operativen Ergebnis aus. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern sank bei den deutschen Konzernen um 19 Prozent auf 13 Milliarden Euro. Die gemeinsame EBIT-Marge verringerte sich von 5,5 auf 4,6 Prozent.
China wird zum immer größeren Problem
Besonders stark verlieren die deutschen Hersteller auf dem wichtigen chinesischen Markt. Nach der EY-Analyse sank ihr Absatz dort im ersten Halbjahr um 25 Prozent. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der deutschen Hersteller ging von 28,9 auf 23,5 Prozent zurück.
Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck durch chinesische Hersteller auch auf dem europäischen Markt. Hinzu kommen hohe Kosten, die schwierige Transformation zur Elektromobilität und der Druck, Milliarden in neue Technologien investieren zu müssen.
Für Sachsen ist diese Entwicklung besonders bedeutsam. Rund um Zwickau, Chemnitz, Dresden und zahlreiche kleinere Standorte hängen viele Arbeitsplätze direkt oder indirekt von Volkswagen und der Zulieferindustrie ab.
Zwickau wird am Montag zum Protestzentrum
Am Montag, 21. September, ruft die IG Metall bundesweit zu einem Aktionstag der Automobil- und Zulieferindustrie auf. Auch in Sachsen finden mehrere Protestveranstaltungen statt.
Die größte sächsische Kundgebung ist für 15.30 Uhr auf dem Hauptmarkt in Zwickau angekündigt. Die IG Metall erwartet mehrere Tausend Teilnehmer aus Automobilbetrieben der Region.
Bereits um 9 Uhr beginnt am Volkswagen-Motorenwerk in Chemnitz eine Aktion vor dem Werkstor. In Dresden ist von 15 bis 15.30 Uhr eine Protestaktion an der Gläsernen Manufaktur geplant.
Weitere Aktionen sind unter anderem in Radeberg und Kamenz vorgesehen.
Auch Brandenburg und Berlin betroffen
Der Protest beschränkt sich nicht auf Sachsen. In Berlin sind unter anderem Aktionen am Mercedes-Benz-Werk sowie bei IAV, Cariad und MBition angekündigt.
In Brandenburg beteiligen sich Beschäftigte unter anderem bei ZF in Brandenburg an der Havel, Mahle in Wustermark und Mercedes-Benz in Ludwigsfelde.
Damit erhält der bundesweite Protesttag gerade im Osten Deutschlands eine besondere Bedeutung. Die Automobilindustrie gehört in mehreren Regionen zu den wichtigsten industriellen Arbeitgebern.
Gewerkschaft fordert Investitionen statt Stellenabbau
Die IG Metall richtet ihre Forderungen sowohl an die Unternehmen als auch an die Politik. Sie verlangt Investitionen in neue Produkte und Technologien, Qualifizierung der Beschäftigten und langfristige Zusagen für die Standorte.
Die Gewerkschaft warnt davor, die wirtschaftlichen Probleme vor allem durch Personalabbau und Produktionsverlagerungen lösen zu wollen.
Die aktuellen Zahlen von EY verleihen dem Protest zusätzliche Brisanz. Während der weltweite Automobilmarkt beim Umsatz wächst, verlieren die deutschen Hersteller weiter an Boden.
Für die sächsische Automobilregion geht es deshalb inzwischen um mehr als einzelne Sparprogramme. Die entscheidende Frage lautet, welche Fahrzeuge und Technologien künftig in Zwickau, Chemnitz und den zahlreichen Zulieferbetrieben produziert werden – und wie viele Arbeitsplätze davon langfristig erhalten bleiben.