Dresden – Nach Monaten wirtschaftlicher Unsicherheit wächst in ostdeutschen Unternehmen vorsichtig die Zuversicht.
Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für Ostdeutschland stieg im September auf 91,1 Punkte.
Im August hatte der Wert noch bei knapp 90 Punkten gelegen.
Damit setzt sich die Aufhellung der Unternehmensstimmung fort.
Unternehmen beurteilen aktuelle Lage besser
Für den Index befragt das Ifo-Institut regelmäßig rund 1.700 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungen, Handel und Bauwirtschaft.
Im September bewerteten die Firmen nicht nur ihre aktuelle Lage besser.
Auch die Erwartungen für die kommenden Monate verbesserten sich.
Das ist wichtig, weil Erwartungen häufig Einfluss darauf haben, ob Unternehmen investieren, Personal einstellen oder größere Aufträge vergeben.
Industrie wird optimistischer
Besonders deutlich verbesserte sich die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe.
Die ostdeutsche Industrie war zuletzt unter anderem durch hohe Energiepreise, schwache Nachfrage und strukturelle Veränderungen unter Druck geraten.
Nun fällt die Einschätzung der Unternehmen sowohl zur aktuellen Lage als auch zu den kommenden Monaten freundlicher aus.
Von einer vollständigen Entwarnung kann dennoch keine Rede sein.
Viele Industrieunternehmen kämpfen weiterhin mit hohen Kosten und internationalem Wettbewerbsdruck.
Dienstleister ebenfalls zuversichtlicher
Auch bei den Dienstleistungsunternehmen verbesserte sich das Geschäftsklima.
Hier spielen unter anderem Unternehmensdienstleistungen, Tourismus, Informationstechnologie und zahlreiche weitere Branchen eine Rolle.
Gerade der Dienstleistungssektor hat sich in den vergangenen Jahren für viele ostdeutsche Städte zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor entwickelt.
Handel bleibt zurückhaltend
Im Handel sieht das Bild weniger positiv aus.
Dort trübte sich die Stimmung zuletzt leicht ein.
Steigende Verbraucherpreise sorgen dafür, dass Kunden bei größeren Anschaffungen zurückhaltender werden können.
Gerade der Einzelhandel reagiert sensibel darauf, wenn Haushalte einen größeren Teil ihres Einkommens für Energie, Mobilität und Lebensmittel aufbringen müssen.
Bauwirtschaft verbessert sich nur leicht
Im Bauhauptgewerbe gab es lediglich eine geringe Verbesserung.
Hohe Baukosten, Finanzierungskosten und schwache Nachfrage im Wohnungsneubau bleiben Belastungsfaktoren.
Dagegen profitiert der Tiefbau teilweise von hohen öffentlichen Investitionen in Straßen, Schienen, Energie- und Digitalinfrastruktur.
Noch keine Entwarnung für den Arbeitsmarkt
Eine bessere Stimmung bedeutet nicht automatisch einen schnellen Beschäftigungsaufbau.
Deutschlandweit bauen Industrie und Handel weiterhin Stellen ab.
Auch in mehreren ostdeutschen Regionen stehen Unternehmen vor Umstrukturierungen.
Das Ifo-Geschäftsklima zeigt deshalb vor allem eines: Die Unternehmen sehen ihre wirtschaftliche Lage derzeit weniger pessimistisch als noch vor einigen Monaten.
Hoffnung auf stabilere Konjunktur
Ob aus der besseren Stimmung tatsächlich dauerhaft stärkeres Wachstum entsteht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Hohe Energiepreise, internationale Handelskonflikte und geopolitische Risiken bleiben Belastungen.
Trotzdem liefert der September einen positiven Hinweis: Die ostdeutsche Wirtschaft blickt wieder etwas zuversichtlicher nach vorn.