Mehrere Milchviehbetriebe in Brandenburg verlieren ihre Lieferverträge mit der Unternehmensgruppe Theo Müller. Die betroffenen Bauern müssen neue Abnehmer suchen, obwohl der europäische Milchmarkt bereits deutlich unter Druck steht.
Mittelgroße Milchbetriebe betroffen
Nach Angaben des Landesbauernverbandes betreffen die Kündigungen vor allem mittelgroße Höfe in Nord- und Ostbrandenburg. Diese Betriebe halten häufig zwischen 400 und 800 Milchkühe und sind auf eine verlässliche tägliche Abnahme ihrer Produktion angewiesen.
Wie viele Unternehmen insgesamt betroffen sind, ist weiterhin unklar. Bekannt sind Fälle aus den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz. Die bestehenden Verträge sollen dort voraussichtlich im März 2027 enden.
Die Molkerei äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu den einzelnen Kündigungen. Der Landesbauernverband bestätigte jedoch, dass mehrere Betriebe über die bevorstehende Beendigung ihrer Lieferbeziehungen informiert wurden.
Bauern müssen neue Abnehmer finden
Milchviehbetriebe können ihre Produktion nicht kurzfristig stoppen. Die Kühe müssen täglich gemolken werden, und die erzeugte Milch benötigt unmittelbar Kühlung, Transport und Verarbeitung. Ohne Abnehmer entsteht deshalb innerhalb kurzer Zeit ein existenzielles Problem.
Die betroffenen Höfe müssen nun andere Molkereien oder Händler finden. In Brandenburg gibt es jedoch nur eine begrenzte Zahl leistungsfähiger Verarbeitungsbetriebe. Lange Transportwege können zusätzliche Kosten verursachen und die Verhandlungsposition der Bauern schwächen.
Der Landesbauernverband spricht von einem schweren Einschnitt. Die Landwirte müssten möglicherweise niedrigere Preise akzeptieren, damit ihre Milch weiterhin zuverlässig abgeholt wird.
Langfristige Betriebsplanung wird schwieriger
Ein fester Liefervertrag bildet die Grundlage für zahlreiche Entscheidungen auf einem Milchviehhof. Er beeinflusst die Größe des Tierbestandes, die Aufzucht junger Kühe, den Futtereinkauf, Investitionen in Stalltechnik und den Personalbedarf.
Die Kündigung ist zwar fristgerecht erfolgt, doch der verbleibende Zeitraum gilt aus Sicht der Bauern als kurz. Landwirtschaftliche Unternehmen planen über mehrere Jahre und können ihren Tierbestand nicht innerhalb weniger Monate ohne erhebliche Verluste verändern.
Auch Banken und Investoren berücksichtigen langfristige Lieferbeziehungen bei der Finanzierung neuer Ställe oder Technik. Fällt diese Sicherheit weg, können bereits geplante Vorhaben ins Wanken geraten.
Milchpreise deutlich gesunken
Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter verweist auf eine schwierige Marktlage. Nach seinen Angaben sind die Erzeugerpreise annähernd um 30 Prozent gefallen. Viele Betriebe könnten ihre laufenden Kosten mit den aktuellen Erlösen nicht mehr vollständig decken.
Als Ursache nennt der Verband einen gesättigten bis überschüssig versorgten europäischen Milchmarkt. Auf dem freien Markt kann Rohmilch zeitweise günstiger angeboten werden als über langfristige Vereinbarungen.
Ob diese Entwicklung den Ausschlag für die Kündigungen gab, ist nicht bestätigt. Ohne eine Stellungnahme des Unternehmens bleiben die konkreten geschäftlichen Gründe offen.
Brandenburg fehlen Verarbeitungskapazitäten
Der Fall verdeutlicht eine strukturelle Schwäche der Brandenburger Landwirtschaft. Erzeuger sind von wenigen großen Abnehmern abhängig, während regionale Molkereien und Verarbeitungsbetriebe nur begrenzte Kapazitäten besitzen.
Der Bauernverband fordert deshalb stärkere regionale Wertschöpfungsketten. Zusätzliche Verarbeitungsunternehmen könnten den Landwirten mehr Auswahl bieten und das Risiko verringern, bei einer Kündigung ohne Alternative dazustehen.
Für die betroffenen Betriebe beginnt nun ein Wettlauf gegen die Zeit. Bis März 2027 müssen sie neue Verträge abschließen, damit ihre Milch auch danach täglich abgeholt und verarbeitet werden kann.
Quelle: Landesbauernverband Brandenburg und Bundesverband Deutscher Milchviehhalter