Pilotprojekt mit Universität Potsdam

Nauen: Schüler erforschen Stadtpark mit neuem Bodenrucksack

Klimaforschung zum Anfassen

Von Clara Winterfeld 4 Min. Lesezeit

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Mit einer Bodenprobe begann das Projekt in Nauener Stadtpark. Tiina Arend gab viele Infos zur Geschichte und zur Zukunft des Stadtparks.
Mit einer Bodenprobe begann das Projekt in Nauener Stadtpark. Tiina Arend gab viele Infos zur Geschichte und zur Zukunft des Stadtparks. Foto: Norbert Faltin

Nauen. Wie viel Wasser kann ein Boden speichern, und welche Pflanzen gedeihen darauf besonders gut? Mit diesen Fragen haben sich Neuntklässler des Goethe-Gymnasiums im Stadtpark Nauen beschäftigt. Gemeinsam mit der Universität Potsdam erprobt die Stadt einen mobilen Bodenrucksack, der naturwissenschaftliche Untersuchungen direkt vor Ort ermöglichen soll. Die Ergebnisse sollen zugleich bei der künftigen Gestaltung des Stadtparks helfen.

Schüler untersuchen Boden mit Schaufel und Bohrstock

Für die praktische Erprobung teilten sich die Jugendlichen in kleinere Gruppen auf. Mit Schaufeln, Probenbeuteln und Messgeräten untersuchten sie verschiedene Stellen im Stadtpark.

Unter Anleitung von Dr. Beate Gall vom Institut für Umweltwissenschaften und Geographie der Universität Potsdam bestimmten sie die Bodenart, prüften die Wasserspeicherfähigkeit und untersuchten den pH-Wert.

Mit der sogenannten Fingerprobe lässt sich feststellen, ob ein Boden überwiegend aus Sand, Schluff oder Ton besteht. Die Bestandteile unterscheiden sich unter anderem darin, wie gut sie Wasser aufnehmen und speichern können.

Außerdem legten die Schüler kleine Bodenschürfe an. Dabei wird die oberste Erdschicht wenige Zentimeter tief geöffnet, um ihren Aufbau sichtbar zu machen.

Für Untersuchungen in größerer Tiefe verwendeten die Gruppen einen Pürckhauer-Bohrstock. Das etwa einen Meter lange Werkzeug wird mit einem Schonhammer in den Boden getrieben. Anschließend kann eine Bodenprobe entnommen werden, an der die unterschiedlichen Schichten zu erkennen sind.

„So werden unterschiedliche Schichten sichtbar, die sich über viele Jahre entwickelt haben“, erklärte Gall.

Bodenrucksack soll im Frühjahr 2027 fertig sein

Die Untersuchungen gehören zu einem gemeinsamen Pilotprojekt der Stadt Nauen und der Universität Potsdam.

Ziel ist die Entwicklung eines mobilen Bildungsangebots, mit dem Schulen eigenständig Bodenuntersuchungen durchführen können. Der geplante Rucksack soll dafür verschiedene Werkzeuge, Messmaterialien und verständliche Arbeitsmodule enthalten.

Noch befindet sich das Vorhaben in der Erprobungsphase. Bei der Exkursion kamen deshalb einzelne Materialkisten und ein Bollerwagen zum Einsatz.

„Wir testen im Moment vor allem die Abläufe und schauen, wie die einzelnen Module in der Praxis funktionieren“, erläuterte Beate Gall.

Der vollständig ausgestattete Prototyp soll im Frühjahr 2027 fertiggestellt werden.

Die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler fließen unmittelbar in die Entwicklung ein. Sie konnten bewerten, welche Aufgaben verständlich waren, welche Materialien sich bewährt hatten und an welchen Stellen Verbesserungen notwendig sind.

Stadtpark mit 600 Bäumen soll besser an Klimawandel angepasst werden

Das Projekt hat auch einen praktischen Nutzen für die Stadtverwaltung. Nauen arbeitet an einem Konzept, um den Stadtpark besser auf längere Trockenperioden und Starkregen vorzubereiten.

„Der Boden ist ein wichtiger Baustein unseres Klimaanpassungskonzepts für den Stadtpark“, erklärte Tiina Arend, Teamleiterin Grün und Umwelt sowie Klimaschutzbeauftragte der Stadt.

Im Park wachsen rund 600 Bäume. Ihre Entwicklung hängt unter anderem davon ab, wie viel Wasser der Boden speichern kann und welche Nährstoffe verfügbar sind.

Der Stadtpark entstand 1872 und steht seit 1990 unter Denkmalschutz. Veränderungen an der Anlage müssen deshalb sowohl ökologische als auch denkmalrechtliche Anforderungen berücksichtigen.

Nach Angaben Arends ist es besonders wichtig, die unterschiedlichen Standortbedingungen zu kennen, bevor neue Bäume gepflanzt oder Flächen umgestaltet werden.

Untersuchungen helfen bei der Parkgestaltung

Während der Exkursion nahmen die Schüler mehrere Bereiche unter die Lupe, die für die künftige Entwicklung des Parks von Bedeutung sind.

An einer Stelle könnten sogenannte Baumlinsen entstehen. Dort sollen zusätzliche Bäume mit passender Unterbepflanzung für mehr Schatten und eine bessere Gestaltung der Grünflächen sorgen.

Die Bodenproben sollen Hinweise darauf liefern, welche Pflanzen sich für den jeweiligen Standort eignen.

Auch ein abschüssiger Bereich wurde untersucht. Bei Starkregen fließt dort Wasser vergleichsweise schnell hangabwärts.

Eine geplante Kiespackung soll dazu beitragen, den Wasserabfluss zu verlangsamen und die Versickerung zu verbessern. Dafür müssen die Eigenschaften des vorhandenen Bodens berücksichtigt werden.

Ein weiterer Untersuchungsort war ein derzeit trockenes Gewässer. Die Stadt möchte besser verstehen, weshalb sich dort gegenwärtig kein Wasser sammelt.

Die Untersuchungen dienen damit nicht nur dem Unterricht, sondern liefern zugleich Anhaltspunkte für die weitere Parkplanung.

Bildungsangebot könnte auf Schulen ausgeweitet werden

Nach Abschluss der Testphase soll der Bodenrucksack auch anderen Schulen und Bildungseinrichtungen zur Verfügung stehen.

Denkbar sind regelmäßige Bodenaktionstage im Stadtpark sowie Untersuchungen im Stadtwald oder auf landwirtschaftlichen Flächen rund um Nauen.

Dr. Beate Gall möchte damit einen möglichst einfachen Zugang zur Bodenkunde schaffen.

„Kinder und Jugendliche sollen selbst ausprobieren, messen und entdecken können“, erklärte die Wissenschaftlerin.

Die Stadt Nauen und die Universität Potsdam wollen das Projekt in den kommenden Monaten weiterentwickeln. Mit dem fertigen Bodenrucksack sollen Schülerinnen und Schüler künftig eigenständig untersuchen können, welche Bedeutung der Boden für Pflanzen, Wasserhaushalt und Klima besitzt.

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