Löbau will seine Möglichkeiten für neue Unternehmensansiedlungen deutlich erweitern. Der Stadtrat hat am 4. Juni 2026 beschlossen, für einen Teil des bisherigen Gewerbegebietes Löbau-West einen neuen Bebauungsplan aufzustellen. Das rund 55 Hektar große Areal soll künftig als Industriegebiet ausgewiesen werden.

Mit der Umwidmung könnten sich dort auch produzierende Betriebe ansiedeln, die wegen ihrer Größe, Betriebszeiten oder möglicher Auswirkungen in einem normalen Gewerbegebiet nur eingeschränkt zulässig wären. Der bestehende Bebauungsplan „Löbau-West B 178“ wird in dem betroffenen Bereich durch die neue Planung überlagert.

Fläche liegt zwischen Bahnstrecke und Bundesstraßen

Das geplante Industriegebiet befindet sich westlich der Löbauer Innenstadt. Es wird im Norden von der Lauchaer Straße und der Bahnstrecke Dresden–Görlitz begrenzt. Im Osten verläuft ebenfalls die Bahnstrecke, im Süden schließt sich das bestehende Gewerbegebiet Löbau-West an. Im Westen liegen die Bundesstraßen B 6 und B 178.

Die Lage gilt aus Sicht der Stadt als verkehrlich günstig. Über die B 178 besteht eine schnelle Verbindung zur Autobahn A 4. Auch die Grenzen zu Polen und Tschechien sowie die Städte Bautzen, Görlitz und Zittau liegen jeweils rund 25 Kilometer entfernt.

Damit eignet sich der Standort nicht nur für Betriebe mit regionalen Kunden. Auch Unternehmen mit Lieferbeziehungen nach Polen, Tschechien und in andere Teile Sachsens könnten von der Lage profitieren.

Gewerbegebiet wird seit 2024 erschlossen

Die Erweiterung von Löbau-West wird bereits seit April 2024 vorbereitet und gebaut. Für die Erschließung des neuen Gewerbegebietes Löbau-West II waren ursprünglich rund 18 Millionen Euro vorgesehen. Der Freistaat Sachsen unterstützt das Projekt mit knapp 15 Millionen Euro.

Nach Angaben der Stadt stehen auf dem Areal insgesamt rund 42 Hektar vermarktbare Flächen mit Anschlüssen für Strom, Wasser, Abwasser und Breitband zur Verfügung. Die Erschließung sollte ursprünglich bis Mitte beziehungsweise Herbst 2026 abgeschlossen werden.

Mit der geplanten Industriegebietsausweisung will Löbau nun einen Schritt weitergehen. Während ein gewöhnliches Gewerbegebiet vor allem für Handwerks-, Dienstleistungs- und kleinere Produktionsbetriebe vorgesehen ist, eröffnet ein Industriegebiet zusätzliche Möglichkeiten für größere Anlagen und Schichtbetrieb.

Stadt hofft auf neue Investitionen und Arbeitsplätze

Für Löbau ist die Entwicklung von Löbau-West eines der wichtigsten wirtschaftspolitischen Vorhaben der vergangenen Jahre. Die Stadt will zusätzliche Unternehmen gewinnen, Arbeitsplätze schaffen und ihre Gewerbesteuereinnahmen langfristig erhöhen.

Oberbürgermeister Albrecht Gubsch hatte bereits zuvor erklärt, dass möglichst schnell erste Investoren für das neue Gebiet gewonnen werden sollen. Nach früheren Planungen sollten die Flächen ab Herbst 2026 für Unternehmensprojekte zur Verfügung stehen.

Die Umwidmung allein garantiert jedoch noch keine Ansiedlungen. Entscheidend wird sein, ob die Stadt Unternehmen findet, die tatsächlich größere Produktionsstätten in der Oberlausitz errichten wollen.

Dabei konkurriert Löbau mit anderen Gewerbe- und Industriestandorten in Sachsen, Brandenburg und Polen. Neben günstigen Flächen spielen Energieversorgung, Fachkräfte, Genehmigungszeiten und die Verkehrsanbindung eine zentrale Rolle.

Planung muss Auswirkungen auf Umwelt und Verkehr prüfen

Ein Industriegebiet kann stärkere Auswirkungen auf seine Umgebung haben als ein klassisches Gewerbegebiet. Im weiteren Bebauungsplanverfahren müssen deshalb unter anderem Lärm, Verkehr, Bodenversiegelung, Entwässerung und mögliche Eingriffe in Naturflächen geprüft werden.

Auch zusätzliche Lastwagenfahrten auf der B 6, der B 178 und den örtlichen Zufahrten dürften eine Rolle spielen. Gleichzeitig bietet die angrenzende Bahnstrecke grundsätzlich die Möglichkeit, industrielle Transporte künftig stärker auf die Schiene zu verlagern.

Die Stadt hat den Aufstellungsbeschluss öffentlich bekannt gemacht. Das Verfahren läuft im Beteiligungsportal des Freistaates Sachsen und ist derzeit bis zum 30. Oktober 2026 als aktiv gekennzeichnet.

Straßenmeisterei zeigt, dass das Gebiet nutzbar wird

Ein erstes öffentliches Bauvorhaben im neuen Gewerbegebiet ist die Straßenmeisterei des Landkreises Görlitz. Das Projekt zeigt, dass auf den erschlossenen Flächen bereits Baurecht besteht und konkrete Nutzungen vorbereitet werden.

Für die wirtschaftliche Entwicklung Löbaus wird jedoch entscheidend sein, ob zusätzlich private Unternehmen investieren. Besonders interessant wären produzierende Betriebe, die dauerhaft qualifizierte Arbeitsplätze schaffen und regionale Zulieferer einbinden.

Große Chance mit langfristiger Verantwortung

Die Ausweisung eines Industriegebietes bietet Löbau die Chance, sich stärker als Wirtschaftsstandort zwischen Dresden, Görlitz, Zittau und den Nachbarländern zu positionieren.

Sie bringt jedoch auch Verantwortung mit sich. Die Stadt muss darauf achten, dass die Erschließung wirtschaftlich tragfähig bleibt und die neuen Flächen tatsächlich genutzt werden. Ein großzügig ausgebautes Gebiet ohne ausreichende Investoren würde langfristig den kommunalen Haushalt belasten.

Gelingt die Ansiedlung mehrerer leistungsfähiger Unternehmen, könnte Löbau-West dagegen zu einem wichtigen Arbeitsplatzstandort für die gesamte östliche Oberlausitz werden.

Quellen

Stadt Löbau: Stadtratsbeschluss vom 4. Juni 2026 zur Aufstellung des Bebauungsplanes „Industriegebiet Löbau-West“.

Beteiligungsportal Sachsen: Abgrenzung, Größe und aktueller Stand des Bebauungsplanverfahrens.

Stadt Löbau: Informationen zur Erschließung, Vermarktung und Verkehrsanbindung des Gewerbegebietes Löbau-West II.