Leipzig. Eine Krebserkrankung endet für viele Betroffene nicht mit dem Abschluss der medizinischen Behandlung. Die Sorge, dass die Krankheit zurückkehren könnte, kann auch Jahre später noch eine erhebliche psychische Belastung darstellen – und betrifft häufig nicht nur die Erkrankten selbst, sondern auch deren Partner.
Genau hier setzt eine neue Studie des Universitätsklinikums Leipzig an. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Frankfurt untersucht das UKL, wie eine gezielte psychologische Paarintervention beim Umgang mit dieser sogenannten Rezidivangst helfen kann. Für die erste Erprobungsphase der CARE-pilot-Studie werden zunächst drei Paare gesucht.
Angst kann den Alltag stark beeinflussen
Die Studie wird am Universitätsklinikum Leipzig in der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie unter Leitung von Dr. Gregor Weißflog durchgeführt.
Im Mittelpunkt steht eine Intervention, die auf der Akzeptanz- und Commitment-Therapie, kurz ACT, basiert. Ziel ist es, Paaren neue Wege im Umgang mit belastenden Gedanken und Gefühlen zu eröffnen und ihnen zu helfen, ihren Alltag stärker an persönlichen Werten auszurichten.
Die Wirksamkeit von ACT bei Patientinnen und Patienten gilt nach Angaben des UKL bereits als gut belegt. In der Pilotphase soll nun zunächst überprüft werden, wie gut sich die eigens entwickelte Paarintervention praktisch umsetzen lässt. Die Erfahrungen der drei teilnehmenden Paare sollen anschließend in eine größere Studie einfließen.
Wer an der Studie teilnehmen kann
Gesucht werden erwachsene Paare, bei denen eine Person innerhalb der vergangenen fünf Jahre erstmals eine Krebsdiagnose erhalten hat.
Die Behandlung sollte grundsätzlich abgeschlossen sein. Eine antihormonelle beziehungsweise endokrine Therapie darf jedoch weiterlaufen. Voraussetzung ist außerdem, dass keine Metastasen festgestellt wurden.
Mindestens eine Person innerhalb des Paares muss unter einer deutlichen Angst vor dem Wiederauftreten der Erkrankung leiden, die den Alltag spürbar beeinträchtigt.
Dabei muss nicht zwingend die ehemals erkrankte Person selbst betroffen sein. Auch Partnerinnen oder Partner, die stark unter der Angst vor einer erneuten Erkrankung leiden, können gemeinsam teilnehmen.
Sechs Termine innerhalb von sechs Wochen
Die Teilnahme an der Studie umfasst insgesamt sechs Termine von jeweils 60 Minuten.
Geplant ist ein Zeitraum von sechs Wochen, voraussichtlich zwischen Oktober und Dezember 2026.
Vier Termine finden als gemeinsame Paarsitzungen statt, zwei weitere als Einzelsitzungen. Die Gespräche können entweder in der Krebsberatungsstelle des Universitätsklinikums Leipzig in der Philipp-Rosenthal-Straße 55 oder per Videokonferenz stattfinden.
Wer sich für die Online-Variante entscheidet, muss lediglich zur ersten und letzten Sitzung persönlich vor Ort erscheinen.
Zusätzlich füllen die Teilnehmer Fragebögen zu Ängsten und weiteren möglichen psychischen Belastungen aus. Das Universitätsklinikum weist darauf hin, dass alle Angaben streng vertraulich behandelt werden.
Kontakt und Anmeldung
Interessierte Paare können sich direkt beim Universitätsklinikum Leipzig melden.
Kontakt: Lola Kühn Telefon: 0341 97-18812 Erreichbarkeit: Montag bis Freitag, 9 bis 13 Uhr E-Mail: lola.kuehn@medizin.uni-leipzig.de
Mit der CARE-pilot-Studie soll zunächst erprobt werden, wie gut eine gemeinsame psychologische Begleitung von Paaren bei starker Angst vor einer Krebsrückkehr funktioniert.
Gerade weil eine Krebserkrankung häufig beide Partner emotional belastet, setzt der Ansatz bewusst nicht nur beim einzelnen Patienten, sondern bei der Beziehung als Ganzes an.