Bitterfeld-Wolfen bekommt eine neue Forschungsinfrastruktur für die industrielle Transformation. Am Freitag, dem 14. August 2026, soll die Fraunhofer-Technologieplattform für Kreislaufwirtschaft und Verfahrenstechnik, kurz TKV, offiziell eröffnet werden. Die Veranstaltung beginnt um 9.30 Uhr im Technologie- und Gründerzentrum in der Andresenstraße 1a. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsstaatssekretärin Stefanie Pötzsch ist für ein Grußwort sowie die Übergabe eines Zuwendungsbescheides angekündigt. MW_KW_33_10.08.-16.08.26.pdfPDF
Forschungsplattform entsteht direkt am Chemiestandort
Hinter der neuen TKV steht das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS. Das Institut arbeitet bereits seit Jahren mit Partnern am Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen zusammen und will diese Aktivitäten mit der neuen Plattform verstetigen und ausbauen.
Ziel ist nach Angaben des Fraunhofer IKTS ein überregional sichtbarer Innovationsknoten, der industrielle Kompetenzen in Bitterfeld-Wolfen enger mit wissenschaftlicher und technischer Forschung verbindet.
Besonders kleine und mittlere Unternehmen sollen dadurch einen direkteren Zugang zu anwendungsnaher Forschung und Entwicklung erhalten. Die Plattform soll nicht allein wissenschaftliche Grundlagen untersuchen, sondern gemeinsam mit Unternehmen Technologien unter möglichst praxisnahen Bedingungen weiterentwickeln. ikts.fraunhofer.de
TransferHub soll Unternehmen und Forschung zusammenbringen
Ein wesentlicher Teil des Konzeptes ist ein sogenannter TransferHub im Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen.
Er soll als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft dienen. Dort sollen Unternehmen mit Forschenden zusammenkommen, gemeinsame Projekte entwickeln und neue technische Lösungen auf ihre industrielle Anwendbarkeit prüfen können.
Fraunhofer bezeichnet die Einrichtung als regionale Kontakt- und Austauschplattform. Vorgesehen sind unter anderem Transferangebote und gemeinsame Entwicklungsprojekte.
Damit soll eine häufige Schwierigkeit bei technischen Innovationen angegangen werden: Zwischen einer erfolgreichen Idee im Labor und einer wirtschaftlich nutzbaren Anwendung im industriellen Maßstab liegt oftmals ein erheblicher Entwicklungsschritt.
Genau an dieser Stelle soll die Technologieplattform ansetzen.
Vier Technologiefelder stehen zunächst im Mittelpunkt
Inhaltlich konzentriert sich die TKV auf mehrere Bereiche, die für die Transformation der Chemie- und Prozessindustrie von Bedeutung sind.
Zu den vier Schwerpunkten gehören Membrantechnik, Hydrometallurgie, Online-Sensorik und Prozessdigitalisierung sowie Bioökonomie und Controlled Environment Agriculture.
Geplant sind dafür Labor- und Technikumskapazitäten sowie eine Versuchs- und Demonstrationsplattform. Unternehmen sollen neue Prozesse dort unter realitätsnahen Bedingungen testen und weiterentwickeln können.
Zum Konzept gehört auch ein flexibel nutzbares sogenanntes Spin-in-Technikum. Ergänzt werden soll dieses durch modulare Pilotanlagen für Verfahrensentwicklung, Prozessauslegung und industrielle Anwendungstests. ikts.fraunhofer.de
Kreislaufwirtschaft wird für Industrie immer wichtiger
Der Aufbau der Plattform trifft auf einen erheblichen Veränderungsdruck in energie- und rohstoffintensiven Branchen.
Unternehmen müssen Rohstoffe effizienter nutzen, Stoffkreisläufe schließen und Produktionsprozesse zunehmend ressourcenschonender gestalten. Gleichzeitig müssen neue Technologien wirtschaftlich tragfähig und im industriellen Maßstab einsetzbar sein.
Bitterfeld-Wolfen bietet dafür einen besonderen Standort. Der Chemiepark bündelt zahlreiche industrielle Unternehmen und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung mit chemischen Produktionsprozessen.
Die Fraunhofer-Plattform soll diese industrielle Struktur nutzen und mit Forschungskapazitäten verbinden.
Im Mittelpunkt steht damit nicht Forschung losgelöst von der regionalen Wirtschaft. Vielmehr sollen konkrete Fragestellungen aus Unternehmen in Forschungs- und Entwicklungsprojekte überführt werden.
Erste Projekte beschäftigen sich auch mit Wasser
Ein erster Ansatzpunkt sind Projekte im Bereich nachhaltiger Wasserwirtschaft.
Fraunhofer nennt in diesem Zusammenhang das Thüringer Wasser-Innovationscluster ThWIC. Gemeinsam mit Unternehmen sollen Forschungsvorhaben entwickelt werden, die thematisch an die Schwerpunkte der Technologieplattform anknüpfen.
Wasser ist für zahlreiche chemische und industrielle Prozesse ein zentraler Produktionsfaktor. Gleichzeitig steigt der Druck, Wasser effizienter einzusetzen, aufzubereiten und möglichst mehrfach innerhalb von Produktionskreisläufen zu nutzen.
Neue Membranverfahren, Sensorik und digitale Prozesssteuerung können dabei eine wichtige Rolle spielen.
Die TKV verbindet damit mehrere Technologiefelder, die für einen modernen Chemie- und Industriestandort unmittelbar relevant sind.
Auch Fachkräfte sollen Teil des Konzeptes werden
Perspektivisch soll die Plattform nicht nur Forschung und Unternehmen zusammenbringen.
Fraunhofer plant gemeinsam mit regionalen Hochschulen ein sogenanntes EducationLab. Dort sollen Forschung, Lehre und praktische Anwendung stärker miteinander verbunden werden.
Hintergrund ist auch der Fachkräftebedarf bei der Transformation industrieller Produktionsprozesse.
Neue Verfahren in Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und nachhaltiger Chemie benötigen entsprechend qualifizierte Beschäftigte. Deshalb soll der Aufbau von Kompetenzen bereits bei Ausbildung und Hochschullehre stärker berücksichtigt werden.
Damit könnte die Plattform neben ihrer Forschungsfunktion auch einen Beitrag zur langfristigen Fachkräftesicherung in der Region leisten. ikts.fraunhofer.de
Offizielle Eröffnung am 14. August
Die offizielle Eröffnung ist für Freitag, den 14. August, um 9.30 Uhr im Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen angekündigt.
Staatssekretärin Stefanie Pötzsch aus dem Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten Sachsen-Anhalt soll ein Grußwort halten und einen Zuwendungsbescheid überreichen. Der Termin ist Bestandteil der veröffentlichten Wochenplanung der Hausleitung des Ministeriums für die Kalenderwoche vom 10. bis 16. August. MW_KW_33_10.08.-16.08.26.pdfPDF
Mit der Technologieplattform erhält Bitterfeld-Wolfen damit eine weitere Einrichtung an der Schnittstelle zwischen Chemieindustrie, Forschung und nachhaltiger Transformation.
Für den traditionsreichen Industriestandort kann dies vor allem dann Bedeutung gewinnen, wenn es gelingt, Forschungsergebnisse gemeinsam mit den Unternehmen vor Ort schneller in praktische Anwendungen zu übertragen.
Quellen
Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt – Übersicht der presserelevanten Termine der Kalenderwoche 33, Stand 7. August 2026
Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS – Technologieplattform für Kreislaufwirtschaft und Verfahrenstechnik TKV ikts.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS – Technologieökonomik und Nachhaltigkeitsanalyse