Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht nur in Parlamenten und großen Institutionen, sondern vor allem dort, wo Menschen vor Ort Verantwortung übernehmen. Genau darum ging es bei einem Treffen von Landesbischof Friedrich Kramer mit der Initiative „Frauen für Halberstadt“ im Gleimhaus.

Sommertour macht Station in Halberstadt

Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, besuchte Halberstadt im Rahmen seiner Sommertour durch Sachsen-Anhalt.

Unter dem Motto „Starke Stimmen – Frauen in Sachsen-Anhalt“ kam er mit Vertreterinnen der Initiative „Frauen für Halberstadt“, Gleichstellungsbeauftragten, kirchlichen Vertreterinnen und dem stellvertretenden Oberbürgermeister Thomas Rimpler ins Gespräch.

Kramer möchte auf seiner Tour bewusst Orte besuchen, an denen Menschen Verantwortung für ihr gesellschaftliches Umfeld übernehmen. Dabei geht es unter anderem um die Fragen, welche Themen die Menschen beschäftigen, wo sie Schwierigkeiten sehen und was ihnen Hoffnung gibt.

Mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl im September wollte der Landesbischof außerdem erfahren, wie die gesellschaftliche Stimmung vor Ort wahrgenommen wird.

Frauenengagement steht im Mittelpunkt

Ein besonderer Schwerpunkt der Sommertour liegt auf dem Engagement von Frauen in Sachsen-Anhalt.

Dabei soll sichtbar werden, welche Aufgaben Frauen täglich in sozialen Einrichtungen, Kirchen, Vereinen, Netzwerken und Initiativen übernehmen. Ihr Einsatz ist häufig ehrenamtlich und findet nicht immer die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihm zukommt.

Die Stadt Halberstadt würdigte diese Arbeit ausdrücklich. Thomas Rimpler erklärte:

„Das vielfältige Engagement der Frauen und ihrer Netzwerke ist für unsere Stadt von unschätzbarem Wert.“

Frauen stärkten den gesellschaftlichen Zusammenhalt und gäben wichtigen Themen eine Stimme. Die Stadt unterstütze dieses Engagement und danke allen Beteiligten für ihren Einsatz.

Initiative besteht seit 2023

Das Netzwerk „Frauen für Halberstadt“ wurde 2023 gegründet. Im Jahr 2026 veranstaltet es bereits zum vierten Mal die Halberstädter Frauenwoche.

Nach Angaben der Stadt engagieren sich in Halberstadt zahlreiche Vereine, Verbände, Beiräte und Initiativen für die Interessen von Frauen. Das Netzwerk soll diese Arbeit sichtbarer machen und den Austausch zwischen den Beteiligten erleichtern.

Gerade auf kommunaler Ebene würden gesellschaftliche Veränderungen und Probleme besonders deutlich, betonte Rimpler. Deshalb sei es wichtig, direkt miteinander zu sprechen und Erfahrungen aus dem Alltag ernst zu nehmen.

Gleimhaus bewusst als Treffpunkt gewählt

Die Idee für das Treffen entstand durch Elke Selke, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Harz, gemeinsam mit Andrea Schwarzloos, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Halberstadt, und Gleimhaus-Direktorin Dr. Ute Pott.

Der Veranstaltungsort war bewusst gewählt. Das Gleimhaus gehört zu den offiziellen FrauenOrten Sachsen-Anhalts und erinnert an Anna Louisa Karsch, die als erste deutsche Berufsschriftstellerin gilt.

Ein weiterer FrauenOrt in Halberstadt befindet sich in Bollmanns Gaststätte. Er erinnert an Minna Bollmann.

Das Projekt „FrauenOrte – Frauengeschichte in Sachsen-Anhalt“ macht nach Angaben der Stadt inzwischen an 52 Standorten in 37 Städten und Gemeinden das Leben bedeutender Frauen sichtbar. Im Mittelpunkt stehen ihre Leistungen in Politik, Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft.

Kirche wirbt für offene Gespräche

Im Zentrum des Treffens stand der offene Dialog. Landesbischof Kramer warb dabei erneut für die Initiative „VerständigungsOrte“.

Kirche und Diakonie wollen mit diesem Projekt Räume schaffen, in denen Menschen ehrlich und respektvoll miteinander sprechen können – auch dann, wenn sie unterschiedliche politische oder gesellschaftliche Ansichten vertreten.

Kramer erklärte nach dem Gespräch:

„Mich stärkt das Gespräch mit Ihnen in Halberstadt sehr und lässt mich auch in diesen nicht so einfachen Zeiten wieder beruhigter nach Hause fahren. Wir sind viele und stärken uns gegenseitig.“

Damit verband er die Hoffnung, dass persönliche Begegnungen und gegenseitiges Zuhören dabei helfen können, gesellschaftliche Spannungen abzubauen.

Demokratie beginnt mit Zuhören

Der Besuch machte deutlich, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht allein durch politische Beschlüsse entsteht. Er lebt davon, dass Menschen einander zuhören, Verantwortung übernehmen und sich auch bei unterschiedlichen Meinungen respektvoll begegnen.

Zum Abschluss dankte Thomas Rimpler den Teilnehmerinnen für ihre Arbeit und ermutigte sie, ihr Engagement fortzusetzen.

Nach Einschätzung der Stadt zeigte das Treffen, wie wichtig persönliche Gespräche für eine lebendige Demokratie sind. Gerade lokale Netzwerke können dazu beitragen, Anliegen sichtbar zu machen und Menschen miteinander zu verbinden.

Die wichtigsten Angaben

  • Besuch: Landesbischof Friedrich Kramer in Halberstadt
  • Ort: Gleimhaus
  • Anlass: Sommertour durch Sachsen-Anhalt
  • Motto: „Starke Stimmen – Frauen in Sachsen-Anhalt“
  • Gesprächspartner: Initiative „Frauen für Halberstadt“, Gleichstellungsbeauftragte, kirchliche Vertreterinnen und Stadtverwaltung
  • Schwerpunkte: Frauenengagement, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Dialog
  • Netzwerk gegründet: 2023
  • Halberstädter Frauenwoche: 2026 bereits zum vierten Mal
  • FrauenOrte in Sachsen-Anhalt: 52 Standorte in 37 Städten und Gemeinden

Quellen und Datenbasis

  • Stadt Halberstadt, Pressemitteilung vom 29. Juli 2026: „Landesbischof Friedrich Kramer im Austausch mit der Initiative ‚Frauen für Halberstadt‘“.