Die Geschichten von Gefangenen der zwölf sächsischen Außenlager des Konzentrationslagers Groß-Rosen stehen im Mittelpunkt eines Vortrags in Zittau. Renata Paluch von der Gedenkstätte Groß-Rosen spricht am Dienstag, 22. September 2026, um 17 Uhr im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster.
Zeugenaussagen dokumentieren das Leben der Gefangenen
Unter dem Titel „Geschichten von Gefangenen hinter den Drähten der sächsischen Außenstellen des KZ Groß-Rosen“ gibt Paluch einen Überblick über die Zusammensetzung der Häftlingsgesellschaft in den zwölf Außenlagern auf dem Gebiet des heutigen Sachsens.
Als Grundlage dienen erhaltene Zeugenaussagen und Verhörprotokolle. Anhand dieser Dokumente werden die Schicksale von Menschen nachgezeichnet, die der nationalsozialistischen Verfolgung und dem Lagersystem ausgesetzt waren.
Die historischen Quellen ermöglichen einen Blick auf individuelle Erfahrungen hinter den nüchternen Zahlen und Verwaltungsunterlagen. Sie dokumentieren Haftbedingungen, Zwangsarbeit, Gewalt und den täglichen Kampf der Gefangenen ums Überleben.
Literatur und Kunst bewahren persönliche Erinnerungen
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags liegt auf persönlichen Zeugnissen, die in Literatur und Kunst überliefert wurden. Dazu gehören Aufzeichnungen, in denen ehemalige Gefangene ihre Erlebnisse, Gefühle und Erinnerungen festhielten.
Diese Arbeiten zeigen die Geschichte des Lagersystems aus der Perspektive unmittelbar Betroffener. Sie ergänzen amtliche Unterlagen um persönliche Erfahrungen und machen sichtbar, wie unterschiedlich die Gefangenen Verfolgung, Haft und Entmenschlichung wahrnahmen.
Der Vortrag soll zugleich dazu anregen, über die Rolle von Zeitzeugen in der Erinnerungskultur nachzudenken. Ihre Berichte sind eine wichtige Grundlage für die historische Forschung und Bildungsarbeit. Mit dem Tod der letzten Überlebenden wächst die Bedeutung schriftlicher, bildlicher und aufgezeichneter Zeugnisse.
Renata Paluch leitet Bildungsabteilung der Gedenkstätte
Renata Paluch ist Germanistin und Museumsfachfrau. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Vermittlung von Geschichte sowie auf den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust. Seit 2008 arbeitet sie am Museum Gross-Rosen im polnischen Rogoźnica und leitet dort die Bildungsabteilung.
Paluch studierte Germanistik an der Universität Breslau und absolvierte anschließend ein postgraduales Studium der Museologie an der Jagiellonen-Universität. Darüber hinaus nahm sie an internationalen Bildungsprogrammen teil.
Zu ihren beruflichen Stationen gehören das International Visitor Leadership Program in den Vereinigten Staaten und die Samuel-und-Edith-Fleischman-Sommerakademie in Oświęcim. Im Rahmen ihrer Museumsarbeit entwickelte sie zahlreiche Ausstellungen und Bildungsprojekte.
Ihre Tätigkeit verbindet historische Forschung mit museumspädagogischer Arbeit. Ziel ist es, die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust für unterschiedliche Besuchergruppen verständlich und anschaulich aufzubereiten.
Anmeldung beim Zittauer Museum erforderlich
Der Vortrag beginnt am 22. September um 17 Uhr im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster. Der Eintritt kostet vier Euro, ermäßigt drei Euro.
Das Museum bittet um vorherige Anmeldung. Diese ist per E-Mail an [museum@zittau.de](mailto:museum@zittau.de) oder telefonisch unter 03583 554790 möglich.
Quelle
Städtische Museen Zittau, Pressemitteilung vom 11. September 2026