Die Interessengemeinschaft der Landeskulturverbände Sachsen warnt vor einem Abbau der kulturellen Infrastruktur im Freistaat. Die im Entwurf des Doppelhaushalts 2027/2028 vorgesehenen Kürzungen könnten besonders die Freie Szene, Einrichtungen der kulturellen Bildung und Angebote im ländlichen Raum treffen. Die Verbände verlangen Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren.
Kritik an den Prioritäten des Haushaltsentwurfs
Die Kulturverbände verweisen darauf, dass der Gesamthaushalt des Freistaates im Jahr 2027 um sechs Prozent und 2028 nochmals um zwei Prozent wachsen soll. Gleichzeitig seien im Kulturbereich spürbare Einschnitte vorgesehen.
Aus Sicht der Interessengemeinschaft setzt die Staatsregierung damit falsche Prioritäten. Kultur sei nicht nur eine freiwillige Ergänzung, sondern ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und der regionalen Entwicklung.
Gerade außerhalb der großen Städte seien in den vergangenen Jahren Netzwerke aufgebaut worden, die häufig mit begrenzten Mitteln und erheblichem ehrenamtlichem Einsatz arbeiten. Werden Förderungen gekürzt, könnten diese Strukturen nach Einschätzung der Verbände nicht ohne Weiteres wiederhergestellt werden.
Kulturraumgesetz soll verlässlich finanziert werden
Eine zentrale Forderung betrifft das Sächsische Kulturraumgesetz. Die Finanzierung soll nach dem Willen der Verbände mindestens auf dem Niveau des Jahres 2026 fortgeführt werden. Dafür werden 108,7 Millionen Euro genannt.
Das Kulturraumgesetz bildet eine wesentliche Grundlage für die gemeinsame Finanzierung kultureller Einrichtungen durch Land und Kommunen. Darüber werden unter anderem Theater, Orchester, Museen und weitere Angebote in unterschiedlichen Regionen unterstützt.
Neben den laufenden Mitteln verlangen die Verbände ausreichend Geld für Investitionen und strukturelle Aufgaben. Nur dadurch könnten Einrichtungen Gebäude erhalten, technische Anlagen modernisieren und langfristig planen.
Jugendkunstschulen befürchten Einschnitte
Besonders kritisch bewertet die Interessengemeinschaft die geplanten Kürzungen bei der kulturellen Kinder- und Jugendbildung. Regionale Netzwerkstellen und Jugendkunstschulen dürften nicht geschwächt werden.
Nach Angaben der Verbände könnte der betroffene Bereich um mehr als 35 Prozent gekürzt werden. Damit wäre eine Infrastruktur gefährdet, die teilweise erst seit 2022 aufgebaut wurde.
Kulturelle Bildungsangebote ermöglichen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Musik, Theater, Film, Literatur und bildender Kunst. Fallen Einrichtungen oder Projekte weg, trifft dies besonders Familien, die private Angebote nicht bezahlen können oder in Regionen mit wenigen Alternativen leben.
Kulturstiftung und Freie Szene im Mittelpunkt
Auch die im Haushaltsentwurf vorgesehenen Einschnitte bei der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen sollen zurückgenommen werden. Die Stiftung unterstützt zahlreiche Vorhaben der Freien Szene und ermöglicht häufig erst die Einwerbung weiterer Fördermittel.
Viele Projekte benötigen eine Kofinanzierung, um Gelder des Bundes, der Europäischen Union oder anderer Programme nutzen zu können. Sinkt der Landesanteil, können deshalb zusätzliche Mittel verloren gehen.
Die Interessengemeinschaft fordert außerdem, Gastspiel- und Konzeptförderungen fortzuführen. Gerade kleinere Einrichtungen und freie Künstler sind auf solche Programme angewiesen, weil sie keine dauerhaft gesicherten kommunalen Haushalte besitzen.
Landtag soll den Entwurf nachbessern
Die Entscheidung über den Doppelhaushalt liegt nun beim Sächsischen Landtag. Die Kulturverbände appellieren an die Abgeordneten, die vorgesehenen Ansätze zu verändern und bestehende Strukturen abzusichern.
Zur Interessengemeinschaft gehören Verbände aus den Bereichen Theater, Musik, Museen, Bibliotheken, Film, Literatur, Soziokultur, bildende Kunst sowie Kultur- und Kreativwirtschaft.
Ihr gemeinsamer Vorstoß erhöht den Druck auf die Landespolitik. Die Debatte dreht sich dabei nicht nur um einzelne Veranstaltungen, sondern um die Frage, welche kulturellen Angebote Sachsen dauerhaft in Städten und ländlichen Regionen erhalten will.
Quellen
Interessengemeinschaft der Landeskulturverbände Sachsen, Pressemitteilung vom 10. September 2026