DRESDEN. Mit fast 4.000 Unterschriften wächst der Widerstand gegen mögliche Kürzungen an Sachsens Hochschulen und Studierendenwerken. Die Unterstützer der Petition „Hochschulen am Limit – Investitionen statt Sparpolitik“ haben ihre Forderungen am Dienstag an den Petitionsausschuss des Sächsischen Landtags übergeben.

Druck vor den Haushaltsberatungen

Die Aktion richtet sich gegen befürchtete Einsparungen im geplanten Doppelhaushalt für die Jahre 2027 und 2028. Nach Darstellung der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften und der Gewerkschaft ver.di sind Hochschulen und Studierendenwerke bereits heute unzureichend ausgestattet.

Innerhalb weniger Wochen schlossen sich fast 4.000 Menschen der Petition an. Beschäftigte und Studierende wollen damit den Druck auf die Abgeordneten erhöhen, bevor der Landtag über die endgültige Verteilung der Haushaltsmittel entscheidet.

Bereits Ende August hatten Hochschulangehörige vor dem Landtag das Gespräch mit Parlamentariern gesucht. Mit der Übergabe der Unterschriften gelangt der Protest nun formell in das parlamentarische Verfahren.

Sanierungsstau und unsichere Stellen

Zu den zentralen Forderungen gehören eine verlässliche und regelmäßig angepasste Grundfinanzierung sowie der Verzicht auf weitere Kürzungen und Sperrbeträge. Außerdem verlangen die Initiatoren Investitionen in Sanierung, Digitalisierung und moderne Infrastruktur.

An zahlreichen Hochschulstandorten sind Gebäude, Labore und technische Anlagen sanierungsbedürftig. Werden Investitionen verschoben, entstehen nicht nur schlechtere Lernbedingungen. Erfahrungsgemäß verteuern sich notwendige Arbeiten, wenn Schäden über Jahre nicht behoben werden.

Ein weiterer Streitpunkt sind befristete Arbeitsverträge. Die Petition fordert Dauerstellen für dauerhaft anfallende Aufgaben. Pauschale Einstellungs- und Vertragsverlängerungsstopps sollen verhindert werden. Betroffen wären davon wissenschaftliche Mitarbeiter ebenso wie Verwaltung, Technik und Studierendenwerke.

Hochschulen sind ein Standortfaktor

Die Debatte reicht weit über die Interessen der Studierenden hinaus. Hochschulen bilden Ärzte, Ingenieure, Lehrer und Fachkräfte für Unternehmen aus. Sie unterstützen Ausgründungen und arbeiten mit regionalen Betrieben an neuen Produkten und Verfahren.

Gerade Sachsen wirbt mit seiner Forschungslandschaft um internationale Unternehmen. Dresden, Leipzig, Chemnitz und Freiberg verfügen über Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die für Mikroelektronik, Maschinenbau, Rohstoffforschung und neue Energietechnik wichtig sind.

Wer an diesen Strukturen spart, riskiert langfristig einen Verlust an Wissen und gut ausgebildeten jungen Menschen. Absolventen könnten in andere Länder wechseln, wenn Studienbedingungen, berufliche Perspektiven und Forschungsangebote dort besser sind.

Landtag muss Prioritäten setzen

Der Freistaat steht zugleich vor schwierigen Haushaltsentscheidungen. Steigende Personal-, Sozial- und Baukosten treffen auf begrenzte Einnahmen. Nicht jede Forderung kann vollständig erfüllt werden. Die entscheidende Frage ist deshalb, welche Ausgaben als Investition in die Zukunft und welche lediglich als kurzfristige Belastung betrachtet werden.

Die Petition verlangt keine Finanzierung ohne Kontrolle. Sie fordert vor allem Planungssicherheit. Hochschulen können Personal, Studiengänge und Forschungsprojekte kaum sinnvoll entwickeln, wenn sie regelmäßig mit Sperren oder kurzfristigen Kürzungen rechnen müssen.

Mit der Übergabe der Unterschriften ist der Konflikt nicht beendet. Der Petitionsausschuss muss sich nun mit dem Anliegen befassen. Die eigentliche Entscheidung fällt jedoch bei den Beratungen über den Doppelhaushalt.

Sachsens Hochschulen haben ihre Warnung deutlich formuliert: Weitere Einsparungen könnten Lehre, Forschung und Betreuung unmittelbar treffen. Der Landtag muss nun erklären, welche Bedeutung Bildung und Wissenschaft im kommenden Haushalt tatsächlich erhalten sollen.

Quelle

Konferenz Sächsischer Studierendenschaften und ver.di, Pressemitteilung zur Petition „Hochschulen am Limit“