ZDF-Interview sorgt für Diskussionen

Selenskyj kritisiert Elon Musk bei Böhmermann – trotz Starlink-Unterstützung für die Ukraine

Berlin. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem Interview mit Jan Böhmermann den politischen Einfluss von Elon Musk kritisiert. Zugleich würdigte er die Unterstützung durch dessen Unternehmen SpaceX, dessen Satellitennetzwerk Starlink für die Ukraine im Krieg gegen Russland eine wichtige Rolle spielt.

Von Sebastian Krüger 3 Min. Lesezeit

Teilen
Wolodymyr Selenskyj im Gespräch mit Jan Böhmermann über den Krieg in der Ukraine, Elon Musk und die amerikanische Politik.
Wolodymyr Selenskyj im Gespräch mit Jan Böhmermann über den Krieg in der Ukraine, Elon Musk und die amerikanische Politik. Foto: ZDF l Oliver Wolff

Berlin. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich während seines Deutschlandbesuchs in einem Interview mit ZDF-Moderator Jan Böhmermann kritisch über den US-Unternehmer Elon Musk geäußert. Dabei ging es um dessen politische Haltung, seinen Einfluss auf die amerikanische Politik und die Macht großer Technologieunternehmen. Das Gespräch sorgt auch deshalb für Diskussionen, weil die Ukraine bei ihrer Verteidigung gegen Russland auf Satellitentechnik aus Musks Unternehmen SpaceX zurückgreift.

Böhmermann kritisiert Musk und dessen Plattform X

In dem Gespräch für das „ZDF Magazin Royale“ bezeichnete Böhmermann den Unternehmer als „südafrikanischen Oligarchen“ und charakterisierte dessen Plattform X als rechtsextremes soziales Netzwerk.

Selenskyj widersprach dieser Einordnung nicht ausdrücklich. Seine eigene Kritik richtete sich vor allem gegen Musks politische Haltung zum russischen Angriffskrieg und die Konzentration wirtschaftlicher und politischer Macht in den Händen einzelner Unternehmer.

Der ukrainische Präsident machte deutlich, dass er Musks Haltung zum Krieg nicht teile. Gleichzeitig unterschied er zwischen dessen politischen Positionen und der technologischen Unterstützung durch SpaceX.

Ukraine ist weiterhin auf Starlink angewiesen

Besonders bemerkenswert ist die Kritik angesichts der Bedeutung von Starlink für die ukrainische Verteidigung. Das Satellitennetzwerk ermöglicht Internetverbindungen unabhängig von großen Teilen der herkömmlichen Telekommunikationsinfrastruktur.

Seit Beginn der russischen Großinvasion im Februar 2022 wird Starlink in der Ukraine eingesetzt. Das System dient sowohl der zivilen Kommunikation als auch militärischen Anwendungen.

Insbesondere in Frontgebieten, in denen Mobilfunknetze und Glasfaserverbindungen beschädigt oder zerstört wurden, können Satellitenterminals die Kommunikation aufrechterhalten.

Selenskyj würdigte diese Unterstützung ausdrücklich. Er erklärte, die Ukraine sei SpaceX für die bereitgestellten Verbindungen dankbar. Gerade zu Beginn des Krieges habe dies erheblich geholfen.

Dennoch machte er deutlich, dass daraus keine Zustimmung zu Musks politischen Ansichten folge.

Damit verbindet sich eine grundsätzliche Frage: Wie unabhängig können Staaten von privaten Technologieunternehmen handeln, wenn deren Infrastruktur für die nationale Sicherheit von erheblicher Bedeutung ist?

Selenskyj warnt vor Konzentration wirtschaftlicher Macht

Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews war die politische Macht großer Vermögen. Böhmermann sprach Selenskyj auf den Einfluss Musks an, der mit seinen Unternehmen Tesla, SpaceX und der Plattform X über bedeutende wirtschaftliche und kommunikative Ressourcen verfügt.

Selenskyj äußerte Bedenken gegenüber einer Konzentration von Macht bei einzelnen Personen.

Die Diskussion berührt damit ein Problem, das weit über Musk hinausgeht. Private Unternehmen kontrollieren zunehmend Infrastrukturen, die für Staaten, Streitkräfte und die öffentliche Kommunikation von strategischer Bedeutung sind.

Bei Starlink zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich. Das System wird von einem privaten Unternehmen betrieben, erfüllt in der Ukraine aber Aufgaben, die unmittelbar mit der militärischen Verteidigungsfähigkeit verbunden sind.

Wahlsieg der Demokraten sorgt in Kiew für Hoffnung

Auch die amerikanischen Zwischenwahlen vom 3. November 2026 waren Gegenstand des Interviews.

Selenskyj begrüßte den Wahlerfolg der Demokratischen Partei. Er verband damit die Hoffnung auf eine stärkere Unterstützung der Ukraine durch den US-Kongress und eine engere Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.

Zugleich betonte er, dass er auch den Republikanern für ihre Unterstützung dankbar sei.

Für die ukrainische Regierung ist die Entwicklung in Washington von erheblicher Bedeutung. Trotz des Wahlerfolgs der Demokraten bleibt Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten. Seine Regierung bestimmt weiterhin zentrale Bereiche der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik.

Selenskyj hofft darauf, dass ein verändertes Kräfteverhältnis im Kongress zusätzliche finanzielle und militärische Hilfen ermöglichen könnte.

Zwischen Kritik und Abhängigkeit

Das Interview macht deutlich, in welchem Spannungsverhältnis sich die ukrainische Regierung bewegt.

Einerseits ist das Land auf die Unterstützung amerikanischer Unternehmen und politischer Entscheidungsträger angewiesen. Andererseits vertritt Selenskyj eigene politische Positionen und kritisiert auch Akteure, deren Technologien für die Ukraine wichtig sind.

Das Nachrichtenportal NIUS bewertete die Äußerungen als scharfen Angriff auf Musk und hob den Widerspruch zwischen der Kritik und der ukrainischen Abhängigkeit von Starlink hervor.

Die vollständigen Äußerungen zeigen allerdings ein differenzierteres Bild: Selenskyj kritisierte Musks politischen Einfluss, bedankte sich zugleich aber ausdrücklich für die technische Unterstützung durch SpaceX.

Über die politische Bewertung hinaus bleibt die Frage, wie Staaten künftig mit der wachsenden Macht privater Technologieunternehmen umgehen wollen.

Das Gespräch ist bereits im ZDF-Streamingangebot verfügbar. Die Fernsehausstrahlung im „ZDF Magazin Royale“ ist für Freitag, den 6. November 2026, um 23 Uhr vorgesehen.

Themen: UkraineElon MuskZDFUSADonald TrumpWolodymyr SelenskyjJan BöhmermannStarlink

Teilen

Lesen Sie als Nächstes

44-jährige Oleksandra Kazarovytska nach Festnahme drei Monate in Einzelhaft – Todesursache ungeklärt Ukrainische Lehrerin stirbt in russischer Untersuchungshaft auf der Krim Die ukrainische Sprachschulgründerin Oleksandra Kazarovytska ist im Alter von 44 Jahren in russischer Untersuchungshaft auf der besetzten Krim gestorben. Sie war nach Sewastopol gereist, um ihren Eltern bei einem Umzug zu helfen. Nach Angaben ihrer Kollegen wurde sie wegen Nachrichten auf ihrem Mobiltelefon festgenommen. Die russischen Behörden sprechen von Suizid. Die Todesumstände sind unabhängig nicht geklärt.

Ihre Meinung

Schreiben Sie uns einen Leserbrief an leserbriefe@ostdeutsche-zeitung.de. Bitte mit vollständigem Namen und Anschrift; veröffentlicht werden nur Name und Wohnort.

Meistgelesen

Politik

Alle Beiträge