Trump nach Wahlniederlage unter Druck: Republikaner verlieren beide Kongresskammern
Die Republikaner haben bei den US-Zwischenwahlen ihre Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus verloren. Die Demokraten gewinnen sogar in langjährigen republikanischen Hochburgen. Präsident Donald Trump weist die Verantwortung für die Niederlage zurück. Innerhalb seiner Partei stellt sich nun die Frage, wie es bis zur Präsidentschaftswahl 2028 weitergeht.
Washington. Die amerikanischen Zwischenwahlen vom 3. November 2026 haben die Machtverhältnisse in den Vereinigten Staaten erheblich verändert. Die Demokraten gewannen die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus, während die Republikaner auch in traditionell konservativen Bundesstaaten deutliche Verluste hinnehmen mussten. Für Präsident Donald Trump bedeutet das Ergebnis eine erhebliche Einschränkung seines politischen Handlungsspielraums. Zugleich beginnt innerhalb der Republikanischen Partei eine Debatte darüber, wie stark sie sich auch künftig an seiner politischen Linie orientieren soll.
Die Niederlagen reichen weit über die umkämpften Wahlkreise hinaus. In mehreren Bundesstaaten, die Trump bei der Präsidentschaftswahl 2024 deutlich gewonnen hatte, entschieden sich die Wähler diesmal für demokratische Kandidaten. Die endgültige Sitzverteilung steht wegen noch laufender Auszählungen nicht vollständig fest.
Demokraten gewinnen in republikanischen Hochburgen
Besonders auffällig sind die Ergebnisse der Senatswahlen. Die Demokraten eroberten mindestens sieben zuvor republikanisch gehaltene Sitze und gewannen damit die Mehrheit in der zweiten Kammer des Kongresses.
In Texas setzte sich der Demokrat James Talarico gegen den Republikaner Ken Paxton durch. Damit gelang seiner Partei erstmals seit 38 Jahren wieder ein Sieg bei einer Senatswahl in dem Bundesstaat.
Auch Kansas wählte erstmals seit Jahrzehnten wieder einen demokratischen Senator. Adam Hamilton besiegte den republikanischen Amtsinhaber Roger Marshall.
In South Carolina gewann die Demokratin Annie Andrews gegen Darline Graham, die von Trump unterstützt worden war. Weitere Erfolge erzielten die Demokraten unter anderem in Iowa, Ohio und North Carolina.
Im Repräsentantenhaus verloren die Republikaner ebenfalls zahlreiche Mandate. Die Demokraten gewannen mehr als zwei Dutzend zuvor republikanisch gehaltene Wahlkreise und sicherten sich die Mehrheit.
Damit endet die einheitliche republikanische Kontrolle über das Weiße Haus und beide Kammern des Kongresses.
Trump distanziert sich von der Niederlage
Donald Trump reagierte noch in der Wahlnacht auf die Ergebnisse. Der Präsident bestritt, dass die Verluste seiner Partei als persönliche Niederlage zu verstehen seien.
Er verwies darauf, dass sein eigener Name nicht auf den Stimmzetteln gestanden habe. Wäre er selbst zur Wahl angetreten, hätte er nach eigener Darstellung deutlich gewonnen.
Diese Argumentation steht allerdings im Gegensatz zu seinem Verhalten während des Wahlkampfes. Trump hatte republikanische Kandidaten in zahlreichen Bundesstaaten unterstützt und seine Anhänger wiederholt dazu aufgerufen, die Kongresswahl auch als Abstimmung über seine Politik zu betrachten.
Mehrere von ihm ausdrücklich unterstützte Bewerber konnten sich nicht durchsetzen.
Besonders sichtbar wurde das in Texas und South Carolina. In beiden Bundesstaaten verloren republikanische Kandidaten, für die sich Trump persönlich eingesetzt hatte.
Der Präsident kündigte zugleich an, weiterhin gegen politische Vorhaben der Demokraten vorzugehen. Als Staatsoberhaupt verfügt er auch künftig über die Möglichkeit, vom Kongress verabschiedete Gesetze durch ein Veto zu stoppen.
Hohe Lebenshaltungskosten belasten die Republikaner
Die wirtschaftliche Lage gehörte zu den wichtigsten Themen der Zwischenwahlen.
Viele amerikanische Haushalte leiden unter hohen Preisen für Lebensmittel, Energie und Wohnen. Auch die wirtschaftlichen Folgen des Krieges mit Iran und die amerikanische Zollpolitik beschäftigten zahlreiche Wähler.
Nachwahlbefragungen zeigen eine weitverbreitete Unzufriedenheit mit den Lebenshaltungskosten und der Entwicklung des Landes.
Die Republikaner hatten im Wahlkampf versucht, auf die wirtschaftspolitischen Vorhaben der Regierung und ihre bisherigen Erfolge zu verweisen. In zahlreichen Wahlkreisen konnten sie damit jedoch keine ausreichende Unterstützung gewinnen.
Auch unter Bevölkerungsgruppen, die Trump 2024 unterstützt hatten, verzeichneten die Demokraten Stimmengewinne.
Das Ergebnis zeigt, dass die Zustimmung zum Präsidenten nicht automatisch auf andere republikanische Kandidaten übertragbar ist. Welche Bedeutung diese Entwicklung für künftige Wahlen hat, bleibt offen.
Republikaner müssen ihre politische Strategie überprüfen
Die Verluste stellen die Republikanische Partei vor schwierige Entscheidungen.
Seit Trumps erster Präsidentschaft hat sich die Partei stark verändert. Mit seiner politischen Bewegung „Make America Great Again“ gewann er zahlreiche neue Anhänger und verschob die programmatischen Schwerpunkte der Republikaner.
Seine Positionen zu Migration, Handel, internationaler Sicherheit und staatlichen Institutionen prägen die Partei bis heute.
Gleichzeitig ist die politische Bindung an Trump für republikanische Kandidaten zu einer Herausforderung geworden. Einerseits benötigen viele von ihnen die Unterstützung seiner Anhänger. Andererseits müssen sie auch Wähler erreichen, die seiner Regierung inzwischen kritisch gegenüberstehen.
Die Zwischenwahlen haben gezeigt, dass diese Aufgabe selbst in langjährigen republikanischen Hochburgen schwierig werden kann.
Für die Partei stellt sich damit die Frage, ob sie ihre bisherige politische Strategie fortsetzt oder künftig wieder stärker auf Kandidaten und Themen setzt, die über Trumps persönliche Anhängerschaft hinaus Unterstützung finden.
Eine Entscheidung darüber ist bislang nicht gefallen. Auch eine organisierte Ablösung Trumps als bestimmende Persönlichkeit der Republikaner ist bisher nicht erkennbar.
Demokratische Mehrheit erschwert Trumps letzte Amtsjahre
Die neu gewählten Abgeordneten und Senatoren treten ihre Mandate am 3. Januar 2027 an.
Mit ihrer Mehrheit in beiden Kammern können die Demokraten zahlreiche Vorhaben der Regierung blockieren. Außerdem erhalten sie erheblich größere Möglichkeiten zur parlamentarischen Kontrolle.
Dazu gehören Untersuchungen zur Arbeit der Regierung, Anhörungen von Verantwortlichen und die Anforderung von Unterlagen.
Im Senat können die Demokraten zudem Einfluss auf die Besetzung wichtiger Regierungsämter und die Ernennung von Bundesrichtern nehmen.
Für Trump wird es damit schwieriger, seine innenpolitischen Vorhaben ohne Unterstützung der Opposition umzusetzen.
Dennoch bleibt der Präsident bis zum regulären Ende seiner Amtszeit im Januar 2029 im Amt. Er behält seine verfassungsrechtlichen Befugnisse und kann insbesondere in der Außenpolitik weiterhin wichtige Entscheidungen treffen.
Nach der amerikanischen Verfassung darf Trump nach seinen Wahlsiegen von 2016 und 2024 nicht erneut zum Präsidenten gewählt werden. Spätestens bei der Präsidentschaftswahl 2028 benötigen die Republikaner daher einen neuen Bewerber.
Zu den Politikern, die für die künftige Ausrichtung der Partei eine wichtige Rolle spielen könnten, gehört Vizepräsident JD Vance. Eine Entscheidung über die republikanische Präsidentschaftskandidatur steht allerdings noch aus.
Die Niederlage vom 3. November hat die Frage nach der politischen Zukunft der Republikaner früher und deutlicher aufgeworfen, als es viele Parteivertreter erwartet hatten.
Ob die Partei auch nach Trumps Ausscheiden aus dem Weißen Haus an seiner politischen Linie festhält, wird sich in den kommenden Jahren entscheiden. Die Zwischenwahlen haben zunächst gezeigt, dass seine persönliche Unterstützung allein nicht ausreicht, um republikanischen Kandidaten einen Wahlsieg zu sichern.