Familienführung, Friedhofsrundgang und Vorträge

Zittau: Drei Veranstaltungen erinnern an jüdisches Leben und seine Geschichte

Jüdische Geschichte neu entdecken

Von Johannes Falkenberg 3 Min. Lesezeit

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Das Modell der ehemaligen Synagoge der jüdischen Gemeinde Zittau wurde 1998 von der Modellbauwerkstatt der Hochschule Zittau/Görlitz im Maßstab 1:50 angefertigt. Es veranschaulicht das historische Gebäude und erinnert an das jüdische Leben in Zittau.
Das Modell der ehemaligen Synagoge der jüdischen Gemeinde Zittau wurde 1998 von der Modellbauwerkstatt der Hochschule Zittau/Görlitz im Maßstab 1:50 angefertigt. Es veranschaulicht das historische Gebäude und erinnert an das jüdische Leben in Zittau. Foto: Stadtverwaltung Zittau

Zittau. Wie lebten jüdische Familien früher in Zittau, welche Bedeutung haben ihre religiösen Traditionen und was erzählen die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof? Mit drei Veranstaltungen im November 2026 laden die Städtischen Museen Zittau dazu ein, sich mit der Geschichte und Kultur der jüdischen Gemeinde zu beschäftigen. Das Programm umfasst eine Familienführung am 8. November, einen Friedhofsrundgang am 10. November sowie einen Vortragsabend am 18. November im Franziskanerkloster.

Familien entdecken jüdische Traditionen

Den Auftakt bildet am Sonntag, 8. November, um 15 Uhr eine Kinder- und Familienführung im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster.

Unter dem Titel „Judentum in Zittau“ nimmt Museumspädagogin Dr. Juliane Irma Mihan Kinder ab fünf Jahren, Jugendliche und ihre Begleitpersonen mit auf eine Entdeckungsreise durch die jüdische Geschichte der Stadt.

Dabei erfahren die Teilnehmer, wo einst die Zittauer Synagoge stand und wie sie aussah. Auch die Bedeutung von Symbolen auf jüdischen Grabsteinen und die Besonderheiten jüdischer Feiertage werden erläutert.

Die Führung vermittelt zudem, was eine Kippa und eine Mesusa sind. Kinder können ausprobieren, ihren Namen mit hebräischen Buchstaben zu schreiben, und das traditionelle Drejdel-Spiel kennenlernen.

Die Teilnahme kostet für Kinder zwei Euro, Erwachsene zahlen acht Euro.

Jüdischer Friedhof erzählt von Zittaus Vergangenheit

Am Dienstag, 10. November, um 14 Uhr führt Armin Pietsch über den jüdischen Friedhof an der Görlitzer Straße 67.

Der Friedhof wurde 1887 angelegt und umfasst eine Fläche von 1.020 Quadratmetern. Mehr als 60 Grabsteine sind bis heute erhalten. Die älteste bekannte Grabsteininschrift stammt aus dem Jahr 1888.

Die Geschichte des Friedhofs ist eng mit der Entwicklung der jüdischen Gemeinde verbunden. Im 19. Jahrhundert ließen sich jüdische Familien in Zittau nieder. Im Jahr 1885 wurde ihre Gemeinde offiziell anerkannt.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde der Friedhof geschändet. Beim Novemberpogrom 1938 kam es zu weiteren schweren Zerstörungen.

Im Jahr 1948 wurde auf dem Gelände ein Gedenkstein errichtet, der an 40 ermordete jüdische Bürger aus Zittau und Löbau erinnert.

Der Rundgang vermittelt Einblicke in die Geschichte der Begräbnisstätte und ihrer Grabdenkmäler.

Treffpunkt ist der Eingang des jüdischen Friedhofs an der Görlitzer Straße. Männliche Teilnehmer werden gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen.

Eine Anmeldung ist erforderlich und unter [**museum@zittau.de**](mailto:museum@zittau.de) oder telefonisch unter 03583 554790 möglich.

Die Teilnahme kostet acht Euro, ermäßigt sechs Euro.

Vortrag beleuchtet jüdische Bestattungsrituale

Am Mittwoch, 18. November, um 17 Uhr lädt das Kulturhistorische Museum Franziskanerkloster zu einem Vortragsabend mit Dr. Juliane Irma Mihan ein.

Unter dem Titel „Bet ha Chajim – Haus des Lebens. Zum Umgang mit dem Tod im Judentum“ beschäftigt sie sich mit religiösen Traditionen rund um Sterben, Tod und Beerdigung.

Ein Schwerpunkt liegt auf der ehemaligen Trauerhalle der jüdischen Gemeinde Zittau, die 1908 auf dem Friedhof errichtet wurde.

Das Gebäude diente sowohl als Versammlungsort für Trauerfeiern als auch für die rituelle Waschung Verstorbener vor der Bestattung.

Der Vortrag erläutert außerdem die Bedeutung jüdischer Friedhofskultur und die Symbolik der Grabsteine. Historische und aktuelle Abbildungen verschiedener jüdischer Friedhöfe, darunter auch aus Zittau, ergänzen die Ausführungen.

Nachgeholter Vortrag erklärt die Bedeutung der Synagoge

Am selben Abend wird außerdem der Vortrag „Bet Knesset, Bet Tefilah – Die Synagoge“ nachgeholt, der ursprünglich für den 7. Oktober vorgesehen war.

Dr. Juliane Irma Mihan erklärt darin die religiöse und gesellschaftliche Bedeutung der Synagoge als Mittelpunkt jüdischen Gemeindelebens.

Im Mittelpunkt stehen die Einrichtung eines jüdischen Gotteshauses, Unterschiede zwischen orthodoxen und reformierten Synagogen sowie die vielfältigen architektonischen Formen jüdischer Sakralbauten.

Ein kurzer Exkurs beschäftigt sich mit der Verwendung der Orgel in Synagogen.

Die Referentin studierte Jüdische Studien, Religionswissenschaft sowie Neuere und Deutsch-Jüdische Geschichte in Erfurt und Potsdam. Seit 2022 ist sie unter anderem in der Museumspädagogik der Städtischen Museen Zittau tätig.

Eine Anmeldung für den Vortragsabend ist nicht erforderlich. Der Eintritt kostet vier Euro, ermäßigt drei Euro.

Erinnerung und Vermittlung jüdischer Geschichte

Mit den drei Veranstaltungen möchten die Städtischen Museen Zittau unterschiedliche Altersgruppen ansprechen.

Während die Familienführung jüdische Traditionen auf spielerische Weise vermittelt, eröffnen der Friedhofsrundgang und die Vorträge vertiefende Einblicke in die Geschichte und religiöse Kultur der jüdischen Gemeinde.

Dabei wird auch an die Verfolgung und Ermordung jüdischer Einwohner während der nationalsozialistischen Herrschaft erinnert.

Die Veranstaltungen finden im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster beziehungsweise auf dem jüdischen Friedhof an der Görlitzer Straße statt.

Weitere Informationen erteilen die Städtischen Museen Zittau unter 03583 554790 oder per E-Mail an museum@zittau.de

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